Kunstmarkt
Wiener Auktionen

Diesmal kommen die Alten aus der Renaissance in Florenz

Von Nicole Scheyerer/Wien

In ihren Frühjahrsveranstaltungen lassen die Wiener Auktionshäuser die Renaissance hochleben. Für gewöhnlich stammen die Spitzenlose der Altmeister-Auktionen im Dorotheum und im Kinsky aus der Barockzeit, aber nun lockt das Florenz des 15. Jahrhunderts. Apollonio di Giovanni betrieb in jener Epoche eine Werkstatt, die auf kostbar verzierte Mitgifttruhen spezialisiert war: Mit Tempera und Gold wurde das 157 Zentimeter lange Holztableau „Die Schlacht von Pharsalos“ bemalt, das einst einen solchen Cassone schmückte; im Dorotheum wird es am 25. April für 400 000 bis 600 000 Euro angeboten. Die Kriegsszene zwischen Julius Caesar und Pompeius aus dem Jahr 48 vor Christus im nordgriechischen Thessalien setzt humanistische Bildung voraus, und auch der üppige Einsatz von Blattgold für das Dekor der Kleider und der Lanzen der Krieger spricht für eine hohe soziale Stellung des Auftraggebers. Die weitläufige und höfisch-elegante Szene verrät eine Vorliebe für das spätgotische Rittertum, das in der Frührenaissance gern idealisiert wurde.

Private Andachtsbilder gewannen in der Medici-Ära große Bedeutung, wobei besonders das seit der Antike bekannte Rundformat wiederentdeckt wurde. Das Kinsky kann am 26.April mit dem 87 Zentimeter großen Tondo „Die Heilige Familie mit Johannes dem Täufer“ von Sandro Botticelli und Werkstatt aufwarten. Die Komposition rückt die schön gewandeten Figuren an den Betrachter heran und bringt die Körperrundungen der Betenden in Einklang mit dem kreisförmigen Bildgrund. Ein Dach und eine ferne Stadtansicht rahmen die Figuren. Das aus einer österreichischen Privatsammlung eingebrachte Gemälde wurde auf 350 000 bis 700 000 Euro taxiert. Auch das Dorotheum führt einen exquisiten, allerdings etwas kleineren „Tondo da camera“ im Angebot. Jacopo del Sellaio, der nach Botticelli bei Fra Filippo Lippi in die Lehre ging, gestaltete sein Marien-Rundbild nach Art der „Madonna dell’Umiltà“. Dabei kniet die Jungfrau demütig auf einem Kissen, flankiert vom Erzengel Gabriel, dessen kleines geöffnetes Buch den Andachtscharakter unterstreicht. Für Sellaios „Madonna mit Kind, dem Johannesknaben und dem Erzengel Gabriel“ werden 250 000 bis 300 000 Euro erwartet.

Von der Gestapo beschlagnahmt

Aus dem Quattrocento stammt auch die „Predigt des heiligen Bernardino“, ein 24 mal 38 Zentimeter großes Temperabild von Sano di Pietro: Die Szene zeigt den Franziskanermönch auf der Piazza del Campo in Siena, wo der Maler zeitlebens tätig war. Tapisserien mit Pflanzenornamenten schmücken den Hintergrund der versammelten Gläubigen (Taxe 100 000/150 000 Euro). Eine Predigt aus späterer Zeit gelangt mit einem Werk des Manieristen Francesco Ubertini, genannt Bachiacca, auf den Markt (100 000/150 000). Die bislang unpublizierte und gut erhaltene Darstellung präsentiert Johannes den Täufer im Kontrapost und mit mahnend erhobenem Arm.

Werke der Brueghel-Familie zieren jede Altmeister-Auktion des Dorotheums. Auf den achtzigjährigen Krieg bezieht sich der „Kampf der Bauern gegen die Spanier“, mit dem Pieter Brueghel d. J. an den heftigen Widerstand des Volks erinnert (120 000/180 000). Eine wiederentdeckte Paradieslandschaft mit Verführungsszene von Jan Brueghel d. Ä. (150 000/250 000) überzeugt durch ihre hohe Qualität ebenso wie sein Enkel Abraham Brueghel mit den prächtigen Pendants „Blumenstillleben mit Pagen“ (120 000/180 000). Das Kinsky offeriert die kleine Landschaft „Blick auf die Prager Burg“ auf ovaler Kupferplatte von Jan Brueghel d. Ä. sowie eine „Maria mit Kind und Engel im Blumenkranz“ von Jan Brueghel d. J. (je 35 000/70 000).

Für einiges Aufsehen sorgte ein Herrenporträt des Flamen Bartholomäus van der Helst im Angebot des Kinsky: Bei dem 1647 entstandenen Oval handelt es sich um Raubkunst, war es doch bis 1943 Teil der von der Gestapo beschlagnahmten französischen Sammlung Adolphe Schloss. Eine Klage der Erben im Vorjahr wurde abgewiesen, da es der jetzige Eigentümer gutgläubig erworben hat und daher nicht zur Rückgabe gezwungen werden kann. Das Angebot, den Erlös des auf 15 000 bis 30 000 Euro taxierten Ölbilds zu teilen, schlugen die Anwälte der Erbengruppe von Schloss aus; sie pochten auf die moralische Verpflichtung zur Restitution. Noch unklar ist die Herkunft des Gemäldes „Die Ermordung Caesars“ vom Kremser Rokokomaler Martin Johann Schmidt: Dieses Werk gelangte 1943 in das damalige Gaumuseum Niederdonau, die Vorbesitzer sind unbekannt. Es dürfte schwer werden, Bieter für Lose mit solch brisanten beziehungsweise unerforschten Provenienzen zu finden.

Achenbach im Doppelpack

Beim 19. Jahrhundert hat das Dorotheum eine veritable Überraschung aus dem Kaiserhaus zu bieten: Es versteigert ein Porträt, das die spätere Kaiserin Elisabeth als fünfzehnjährige Sisi hoch zu Ross zeigt. Sie schenkte das Gemälde Franz Joseph 1853 am Weihnachtsabend zur Verlobung; der Kaiser hielt es zeitlebens in Ehren. Das von Carl Theodor von Piloty und Franz Adam geschaffene Reiterbildnis der später so sportlichen „Prinzessin-Braut zu Possenhofen“ geht mit einem Schätzwert von 300 000 bis 400 000 Euro an den Start.

Der Name Achenbach sorgt im Dorotheum diesmal im Doppelpack für Schauwert. Die Düsseldorfer Brüder Andreas und Oswald teilten sich Europa in Norden und Süden auf. Oswald punktete mit Italienbildern wie der vorliegenden Venedig-Ansicht, die auf die Piazetta mit der Biblioteca Marciana und Santa Maria della Salute führt (150 000/250 000). Während auch Oswalds Bucht von Neapel mit Vesuv (60 000/80 000) zum Schwelgen einlädt, bietet der auf Marinen spezialisierte Bruder Andreas eine stürmische „Heimkehr der Fischer“ (12 000/16 000). Rudolf von Alt hatte es mit seiner heimischen Kunstgeschichte. Das Kinsky hat unter anderem sein 53 mal 45 Zentimeter großes Aquarell „Blick in das Mittelschiff des Stephansdoms“ mit Kirchgängern im Angebot (35 000/70 000). Den Frühherbst in Mähren hielt die Stimmungsimpressionistin Olga Wisinger-Florian 1907 mit ihrem Alleebild „Der Fürstenweg in Raitz“ fest (50 000/100 000).

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Jan Brueghel | Madonna | Florenz | Gestapo