Kunstmarkt
Bilanz Schweiz 2016

Ein Deutscher unter lauter Schweizern

Von Felicitas Rhan
© Koller, F.A.Z.

Nach dem deutlichen Umsatzeinbruch von 2015 ging es im vorigen Jahr wieder etwas bergauf bei den Schweizer Kunstauktionen. Das wird sichtbar am Anstieg der Zuschläge im Millionenbereich. Im Jahr 2015 hatten nur sechs Werke die Millionengrenze überschritten, an ihrer Spitze Albert Ankers großformatiges Gruppenbild „Winzerfest“ von 1865, das mit 3,6 Millionen Franken (Taxe 3,5/5 Millionen) bei Koller überzeugte. Im Jahr 2016 sind es dagegen neun Hammerpreise von einer Million Franken oder darüber. Auch dabei kommt das Spitzenlos vom Zürcher Auktionshaus Koller: Bereits vor den Auktionen im Juni, die parallel zur Art Basel stattfanden, hatte Giovanni Giacomettis knapp zwei mal vier Meter messendes Triptychon mit dem Flimser Panorama viel Aufmerksamkeit erregt, hing es doch seit seiner Entstehung 1904 im Casino des ebenfalls damals erbauten Park Hotels Waldhaus in Flims. Die leuchtende Alpenlandschaft war einem Schweizer Sammler 3,5 Millionen Franken wert; die Schätzung lag bei drei bis vier Millionen. Mit Aufgeld bezahlte der Käufer 4,05 Millionen Franken.

Es hat den Anschein, dass die Schweizer gern Schweizer Kunst um sich haben: Bis auf eine einzige Ausnahme stammen alle Lose der Top Ten 2016 von einheimischen Künstlern – ein Trend, der sich seit einigen Jahren schon abzeichnet. Ebenfalls wie in den Vorjahren, reüssieren an der Spitze nur bewährte Namen wie Albert Anker, Ferdinand Holder oder Félix Vallotton; sie alle sind mit mehreren Gemälden in der Liste der höchsten Zuschläge vertreten.

„Die Armensuppe“ und eine Köchin am Herd

Von Sotheby’s in Zürich stammen die Lose auf den Rängen zwei und drei: Vallottons marktfrisches Ölbild „Au marché“ von 1895, das sich mehr als sechzig Jahre lang in einer Privatsammlung befand, landete mit einem Zuschlag von 2,9 Millionen Franken (Taxe 1,5/2 Millionen) auf Platz zwei. Das Ergebnis bedeutet einen neuen Weltrekord für den in Lausanne geborenen Künstler: Bis dahin war seit 2010 eine Seelandschaft mit Sonnenuntergang, „Coucher de soleil à Grâce, ciel orangé et violet“ von 1918, mit dem Zuschlag von 2,1Millionen Franken bei Sotheby’s in Zürich das teuerste Bild Vallottons. Den dritten Platz belegt Ferdinand Hodler mit seinem 41 mal 57 Zentimeter großen „Champfèrsee“ aus dem Jahr 1907. Die idyllische Ansicht des Oberengadin in kräftigen Gelb- und Blautönen erreichte 1,8 Millionen Franken (2/3 Millionen).

„La Cuisinière“ von Félix Vallotton aus dem Jahr 1892, in Öl auf Holz, 33 mal 41 Zentimeter groß, brachte es im November 2016 bei Sotheby’s in Zürich auf einen Hammerpreis von 1,2 Millionen Franken (350 000/ 450 000).
© Sotheby's, F.A.Z.

Der Platz vier kommt von Kornfeld in Bern: Paul Klee schuf sein kleines Aquarell „Vor dem Schnee“ 1929 mit Feder und schwarzer Tusche; 1,25 Millionen Franken erzielt das auf eine Million taxierte abstrakte Bildchen. Albert Anker ist 2016 erst auf dem fünften Platz vertreten. Sein Ölgemälde „Armensuppe“ von 1859 erreicht, wieder bei Koller in Zürich, die untere Taxe von 1,2 Millionen Franken (bis 1,5 Millionen).

Auch auf dem fünften Platz landet ein weiterer Vallotton, diesmal das ungewöhnlich zarte Bild einer Köchin am Herd von 1892. Es kam bei Sotheby’s in Zürich auf 1,2 Millionen Franken und überstieg damit seine Taxe von 350 000 bis 450 000 Franken bei weitem. Ernst Ludwig Kirchners „Sertigweg im Sommer“ von 1924 nimmt als einziges Werk der Liste, das nicht von einem Schweizer Künstler stammt, gleichauf Rang fünf ein. Jedoch wird der spätere Kirchner gern als Landsmann gesehen, lebte er doch seit 1917 in Davos; von dort kommt auch das Motiv seines farbintensiven Gemäldes. Bei Christie’s in Zürich erreichte es seine untere Taxe von 1,2 Millionen Franken (bis 1,8 Millionen).

Ein neuer Rekord für eine Anker-Zeichnung

Den sechsten Platz stellt das Basler Auktionshaus Beurret & Bailly: Hodlers eindrucksvolles, ganz in kalten Blautönen gehaltenes Gemälde „Rhonetal mit Dents du Midi“, das 1912 entstand, reüssierte beim Zuschlag von 1,05 Millionen Franken (1/1,5 Millionen). Dahinter reiht sich Anker mit seinem 81 mal 65 Zentimeter großen Ölbild „Großmutter am Spinnrad und schlafender Knabe auf Ofenbank“ von 1883 ein: Bei Koller erzielte es genau eine Million Franken (900 000/1,4 Millionen). Und Vallottons 1918 entstandene Landschaft „Coucher de soleil à Grâce, ciel orangé et vert“ erreichte mit einem Zuschlag von 950 000 Franken (1/1,5 Millionen) bei Christie’s in Zürich Platz acht.

Rang neun teilen sich zwei Werke von Albert Anker: Bei Beurret & Bailly kam das Gemälde „Die Bauern und die Zeitung“ aus dem Jahr 1867 auf 850 000 Franken. Bei Koller brachte es die wunderschöne Kohlezeichnung eines „Mädchens mit blondem Haar“ auf denselben Hammerpreis – ein Rekord für eine Anker-Zeichnung; die Taxe für das Blatt hatte bei 50 000 bis 70 000 Franken gelegen. Und mit einem Zuschlag von 800 000 Franken (750 000), bei Kornfeld in Bern, erreichte Cuno Amiets farbintensives und leuchtendes Ölbild einer „Frau im Garten“ von 1912 Platz zehn.

Koller erzielte im Jahr 2016 einen Gesamtumsatz von siebzig Millionen Franken; 2015 waren es 75 Millionen. Die Schweizer Kunst trug dazu 18,5 Millionen bei. Sotheby’s brachte es im vorigen Jahr auf 12,53 Millionen mit Schweizer Kunst. Bei der Konkurrenz Christie’s waren es 7,37 Millionen Franken. Kornfeld in Bern machte mit seinen drei Kunstauktionen im Juni 2016 einen Gesamtumsatz von 22,5 Millionen, im Jahr davor lag er bei 21 Millionen Franken. Und das Basler Haus Beurret & Bailly erreichte mit seiner großen Auktion im vergangenen Sommer insgesamt 6,8 Millionen Franken, während es 2015 etwas mehr als 4,2 Millionen waren.

Quelle: F.A.Z.
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