Ergebnisse bei Kornfeld

Lob der Luft und zufällige Schüsse

Von Laura Henkel
 - 10:00

Die Auktionen mit Kunst aus der Moderne und Gegenwart haben bei Kornfeld in Bern überwiegend positive Ergebnisse erzielt. Das Haus machte an den beiden Tagen insgesamt einen Umsatz von 33Millionen Franken und äußert sich zufrieden mit den Verkaufszahlen, obgleich einige der teuersten Lose hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Eduardo Chillidas frühe Eisenplastik „Elogio del aire“ hält mit einem Hammerpreis von drei Millionen Franken mühelos die Spitzenposition; die Schätzung hatte bei 1,5 Millionen gelegen.

Von den anderen Losen, die oberhalb einer Million Franken taxiert waren, schafften es nur Albert Ankers „Stillleben: Kaffee“ mit dem Zuschlag bei 1,6Millionen (Taxe 1,5 Millionen) und Ferdinand Hodlers „Walliser Landschaft – Blick von Crans Montana talaufwärts“ mit 1,05 Millionen Franken (1 Million), die Erwartungen zu erfüllen.

Dagegen lautet das Ergebnis für ein „Heilandsgesicht“ von Alexej von Jawlensky auf 750.000 Franken, gegenüber der Erwartung von einer Million Franken. Jawlenskys „Frauenporträt“ konnte erst im Nachverkauf vermittelt werden für 700.000 Franken (900.000). Van Goghs Gouache „Oude Retering – Le Vieillard (Adrianus Zuyderland)“ erzielte 700.000 Franken, gegenüber den taxierten 800.000 Franken. Eine frühe Fassung von Rudolf Kollers Gemälde „Die Gotthardpost“ ging an einen Privatsammler für 550.000 Franken (600.000).

Beachtliche Steigerung unter der Millionengrenze

Unterhalb der Millionengrenze kam es zu einigen beachtlichen Steigerungen, so für Edvard Munchs berühmtes Blatt „Das kranke Mädchen – das kranke Kind“, das bis auf 550.000 Franken (250.000) stieg. Für eine Überraschung sorgte Emil Noldes dramatisches „Abendmeer mit Dampfern unter rotem Wolkenhimmel“, das einem Bieter den Einsatz von 220.000 Franken wert war, mehr als das Vierfache des Schätzpreises von 50.000 Franken. Giorgio Morandis Gemälde „Natura morta – Nature morte à la bouteille blanche“ von 1955 wurde bei stattlichen 850.000 Franken (600.000) zugeschlagen.

Zehn mystische Lithographien von Odilon Redon, die Folge „Dans le Rêve“ aus dem Jahr 1879, waren einem Bieter 79000 Franken (22.500) wert, und Alfred Otto Wolfgang Schulzes – alias Wols – aquarellierte Zeichnung „Ville arabe – ville promenade N°II“ in Pastellfarben, erzielte beachtliche 180.000 Franken, gegenüber einer Taxe von 30.000; das Blatt wurde in eine Schweizer Sammlung verkauft.

Auch in der Gegenwartskunst konnten einige hohe Ergebnisse erzielt werden: Günther Ueckers „Weißes Feld“ steigerte sich auf 620.000 Franken (400.000) und Antoni Tàpies’ „Monochrome gris au signe noir supérieur“ auf 550.000 Franken (300.000). Imi Knoebels zweiteiliger „Zwilling“ in Öl und Acryl auf Holz wurde für 320.000 Franken (150.000) an eine belgische Privatsammlung übergeben. Schon eine Sensation stellt der Preis für François Morellets „Trames aléatoires“ aus dem Jahr 1964 dar: Das Acrylgemälde auf Leinwand geht für enorme 460.000 Franken in eine französische Sammlung; die Schätzung hatte auf 8000 Franken gelautet. Der Zuschlag bedeutet einen Auktionsrekord für den vor zwei Jahren verstorbenen französischen Künstler.

Quelle: F.A.Z.
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