Beckmann-Bild bleibt im Städel

Frankfurt behält den „Eisgang“

Von Rose-Maria Gropp
 - 11:06

Im Fall von Max Beckmanns bedeutendem Gemälde „Eisgang“ aus dem Jahr 1923, das in Frankfurt entstand und auf dem das winterliche Frankfurter Mainpanorama mit Blick auf den Eisernen Steg und den Dom zu sehen ist, hat sich gezeigt, zu welchem guten Ende Diskretion von beiden Seiten in schwierigen Verhandlungen führen kann.

Im Zuge der systematischen Provenienzforschung des Städels gab es Hinweise darauf, dass die Herkunft des „Eisgang“ von nationalsozialistischem Kunstraub belastet ist. Der erste Besitzer des Bilds war der jüdische Textilfabrikant Fritz Neuberger aus Frankfurt, der es direkt von Beckmann erworben hatte. Neuberger und seine Frau Hedwig wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, nach Ostpolen deportiert und vermutlich im Vernichtungslager Majdanek ermordet.

Es ist davon auszugehen, dass der „Eisgang“ dem Ehepaar Neuberger verfolgungsbedingt abhandenkam. Nach langjährigen Forschungsarbeiten des Museums und intensiven Gesprächen zwischen dem Vorstand des Städelschen Museums-Vereins und den Vertretern der Erben haben sich beide Parteien auf eine einvernehmliche „Goodwill-Vereinbarung“ geeinigt. Grundlage dafür sind die „Washingtoner Prinzipien zur NS-Raubkunst“ aus dem Jahr 1998, denen gemäß eine „faire und gerechte Lösung“ angestrebt werden soll in Fällen von durch den Nationalsozialismus entzogenen Kunstwerken. Dieser freiwilligen Verpflichtung ist das Städel gefolgt. Das großartige Ergebnis ist der dauerhafte Verbleib des Gemäldes in Frankfurt. Künftig erinnert eine Tafel beim „Eisgang“ an das schreckliche Schicksal von Fritz Neuberger und seiner Frau.

Das Bild, das seit 2011 im Verzeichnis des national wertvollen Kulturguts gelistet ist, war 1994 vom Städelschen Museums-Verein erworben worden, zum Abschied des damaligen Direktors Klaus Gallwitz. Finanziell unterstützt wird die Einigung jetzt neben dem beispielhaften Engagement des Städelschen Museums-Vereins von der Bundesrepublik Deutschland. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters spricht von einem „Gewinn nicht nur für Frankfurt, sondern für die deutsche Museumslandschaft überhaupt“, was ein „zentrales Werk im Oeuvre dieses großen deutschen Expressionisten angeht“. Für den Stadelschen Museums-Verein zeigt sich seine Vorsitzende Sylvia von Metzler glücklich darüber, „dass es uns gelungen ist, den Verbleib des Gemäldes in Frankfurt zu erreichen, dessen Erwerb schon 1994 nur durch den Städelschen Museums-Verein ermöglicht werden konnte“. .

Philipp Demandt, der Direktor des Städel, erklärt zur einvernehmlichen Lösung: „Mit der nun gefundenen Einigung wollen wir als Städel Museum und Städelscher Museums-Verein abermals ein deutliches Zeichen setzen, dass auch wir als nichtöffentliche Institutionen die Prinzipien der Washingtoner Erklärung anerkennen und uns der Verantwortung gegenüber historischem Unrecht stellen.“

Das Städel Museum, das aufgrund seiner Konstruktion als Stiftung nicht zu den öffentlichen Museen in Deutschland zählt, erforscht seit 2008 die Geschichte der Institution während des Nationalsozialismus. Bisher konnten für elf Objekte aus seinen Gemälde- und Graphikbeständen und für fünf Objekte der dazugehörigen Liebieghaus Skulpturensammlung NS-verfolgungsbedingte Vermögensverluste nachgewiesen und entsprechend restituiert oder zurückerworben werden.

Quelle: FAZ.NET
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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