Kunstmarkt
Frankfurter Ausstellung

Freie Fahrt im Schilderwald

Von Felicitas Rhan

Achtung! Stop! Vorfahrt gewähren! Straßenschilder erkennt man auch ohne die markanten Farben, ihre Formen sind prägnant genug – vorausgesetzt, man kennt sich aus mit der Straßenverkehrsordnung. Martin Wenzel, Jahrgang 1979, macht in seiner aktuellen Ausstellung „Schachtel Marlboro“ bei Philipp Pflug Contemporary in Frankfurt die Verkehrszeichen selbst zu Kunstwerken. Die gezeigten Objekte sind damit amüsante Alltagsskulpturen, die dem Städel-Absolventen im Stadtverkehr aufgefallen sind. Er baut die Schilder nach, samt Stahlrohren und Bakenfüßen, die er im Internet gekauft hat.

Da findet sich ein kleines Augenzwinkern in Form einer leeren, auf ihre Farbigkeit reduzierten Marlboro-Packung, die einen Metallpfosten bekrönt, oder ein Stop-Schild ragt 3,4Meter in die Höhe, gänzlich zugeklebt mit kleinen schwarzweißen Stickern. Mit dem hübschen Mint-Ton, den die Stadt Frankfurt gern für kleinere Markierungen auf dem Boden verwendet, überzieht Wenzel zwei Schilder, die vor „verschmutzter Fahrbahn“ warnen sollen. Anschließend bearbeitet er sie mit „Dreck-Spray“. Und Rot und Weiß, die typischen Farben vom „Vorfahrt gewähren“- Schild, sind nicht mehr auf dem Verkehrszeichen zu finden, sondern in dessen Ständer und Sockel gerutscht; das Schild selbst bleibt als nackte Form zurück.

Im Obergeschoss der Galerie hat Wenzel in ein massives Ablaufgitter drei Löcher gebohrt, in denen Zigaretten stecken. An der Wand hängen pastellfarbige Wachs-Abgüsse von Ablaufgittern, die eigentlich Schwertransporte aushalten. Sein Lieblingsverkehrszeichen ist das „Ende aller Streckenverbote“, umgangssprachlich auch als „Freie Fahrt“ bekannt: Der ehemalige Meisterschüler von Tobias Rehberger hat es in die weiße Galeriewand gefräst.

Die Farbigkeit der Objekte geht auf das CMYK-Farbmodell zurück, das sich aus den Farben Cyan, Magenta, Yellow und Key zusammensetzt. Es bildet die technische Grundlage für den modernen Vierfarbendruck und ist auf allen Druckerzeugnissen zu finden – eben auch auf Zigarettenschachteln. (Preise 3600 bis 9500 Euro.)

Philipp Pflug Contemporary: Martin Wenzel. Schachtel Marlboro, noch bis zum 25. Februar.

Quelle: F.A.Z.
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