Fundraising-Maßnahme auf Ebay

Nicht der Stil von Ai Weiwei

Von Rose-Maria Gropp
 - 15:59

Derzeit läuft – theoretisch – noch der Verkauf von zwei Auflagenobjekten bei Ebay, die „der weltberühmte Künstler und Aktivist Ai Weiwei“ dort „exklusiv“ vertreibt. Es handelt sich um einen Druck, der ähnlich einem römischen Fries das Schicksal von Flüchtlingsströmen bebildert, und um einen rhodinierten Abguss der Hand des Künstlers mit ausgestrecktem Mittelfinger. Der Druck „Odyssey“ – in einer Auflage von tausend, Preis je hundert Dollar – und der notorische Finger, „Artist’s Hand“ – Auflage von tausend, Preis je 675 Dollar –, dienen einem Zweck: Ai Weiwei hat die Objekte speziell für den „Public Art Fund“ produziert, der sich für die Präsentation zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum von New York zuständig fühlt. Der Reinerlös dieser speziellen Aktion fließt Ais aktueller Ausstellung „Good Fences Make Good Neighbors“ zu, die über mehr als dreihundert Stellen der Stadt verteilt ist und sich mit dem weltweiten Flüchtlingslos befasst. Natürlich waren die Teile im Nu ausverkauft, keine Chance mehr. Und wer krämerseelenhaft nachrechnet, kommt auf insgesamt 775000 Dollar für Ais Großprojekt, das Geld sei ihm gegönnt. Allein – etwas an der Durchführung dieses speziellen Fundraisings erzeugt ein ungutes Gefühl. Das ist noch am wenigsten die Attitüde des ausgestreckten Mittelfingers. An die ist gewöhnt, wer Ais Fotoserie „Study of Perspective“ kennt, in der er mit dem flipping off seiner Hand in Richtung diverser Sehenswürdigkeiten weist. Das Problem ist auch gar nicht, dass er, der wahrlich eine Menge Mut für sein Heimatland China und die Menschenrechte aufgebracht hat, sich mit Ebay zusammentut. Ebay ist ja ein globaler Marktplatz für alle möglichen Sachen, natürlich auch für Kunst. Das eigentliche Dilemma tut sich an einer anderen Stelle auf – in der Ankündigung dieses sale nämlich; dort heißt es: „Für die Kunstsammler unter den 171 Millionen aktiven Käufern bei Ebay bietet der Verkauf die Gelegenheit, ein Werk von einem der anerkanntesten zeitgenössischen Künstler zu erwerben.“ Ist das tatsächlich so? Weder für die tausend Drucke noch für die tausend Güsse ist, jedenfalls soweit ersichtlich, vermerkt, dass sie von Ai Weiwei signiert wären oder auch nur numeriert. Werden da nicht Leute, die eben grade nicht Kunstsammler sind, veranlasst, gar nicht wenig Geld in die Idee zu investieren, nun ein bedeutendes Werk eines berühmten Künstlers zu besitzen? Dem Stil, den man Ai Weiwei wünscht, entspricht das nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Gropp, Rose-Maria (rmg)
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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