Galerieausstellung

Sie kommen aus der Kleinstadt

Von Georg Imdahl
 - 10:00

Man könnte eine Menge bekannter Namen fallenlassen – Larry Bell und Rachel Harrison, Dan Graham oder Jessica Stockholder –, um dieses sperrige Werk irgendwie in der Kunst der letzten Jahrzehnte zu verorten. Das sich dann aber doch nicht so einfach einordnen lassen will: Denn die Bricolage der amerikanischen Künstlerin Sarah Braman ist reflektierter, als sie auf den ersten Blick erscheint. Das ist jetzt zu begutachten bei der hierzulande ersten Einzelausstellung der 1970 geborenen Maler-Bildhauerin, die in Amherst, Massachusetts, und in Brooklyn zu Hause ist.

Kleine sperrige Bastarde aus Gerümpel und Sperrmüll sind in der Düsseldorfer Galerie Linn Lühn verteilt: Ein Sessel ist in einem ausgehöhlten Baumstamm regelrecht verkeilt, die Sitzfläche malerisch mit mildem Blau getüncht und in ein abstraktes Bild gewendet; ein schlankes Beistelltischchen dient als Sockel für eine einigermaßen absurd zusammenmontierte Box aus getöntem Glas und bemaltem Sperrholz. Ein ähnliches Behältnis für einen leeren Raum ruht auf einem gekippten Hocker. Ein Aquarium ohne Wasser wiederum, beklebt mit dem Foto eines Himmels irgendwo in dieser Welt, schneidet sich förmlich in einen kompakten Holzblock. An der Wand hängt schließlich eine Sperrholzplatte mit ornamentaler Maserung als Malgrund für das in schwarzen Versalien geschriebene Wort „wrong“. Und jenes „falsch“ ist in dem Bild genau richtig.

All diese Objekte buhlen gewiss nicht um Beifall, sie genügen sich selbst. Sie sind rustikal und zugleich filigran, transparent und opak, abgerockt und doch erkennbar liebevoll figuriert. Formalismus kehren sie hervor, um ihn immer wieder sogleich ins Ironische und Skurrile zu drehen. So fängt man alsbald an, diese Assemblagen nicht nurmehr als Kuriosa zu betrachten, sondern die Nuancen in ihnen wahrzunehmen, sie als Bild-Skulpturen im Raum anzusehen. Man mustert zum Beispiel das überall auftauchende schräge Violett, zweifellos eine Lieblingsfarbe Bramans – auf industriellen Oberflächen ebenso wie als Resultat von Malerei. Bevor man sich an all diesem aber allzu leicht delektiert, erinnert die Herkunft der Dinge dann doch wieder an ihre einstige Existenz im kleinstädtischen Alltag in den Vereinigten Staaten, wo man in schrumpfenden Städten bisweilen allerlei aufgetürmten Hausrat auf der Veranda sieht: und nicht sicher sein kann, ob diese noch bewohnt oder längst verwaist ist. (Preise von 15 500 bis 22 000 Euro. Bis zum 13. Januar 2018.)

Quelle: F.A.Z.
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