Kunstmarkt
Frank Stella in Düsseldorf

Ein Boogie-Woogie der Formen

Von Magdalena Kröner, Düsseldorf

Sie hängen an schmucklosen, funktionalen Haken: die neuen Arbeiten von Frank Stella. Es sind Haken aus der Autoindustrie, von denen aus seine schwerelos wirkenden Skulpturen in zahllosen Arabesken und Schwüngen von der Wand weg in den Raum hinein explodieren. Diese Lakonik ist typisch für den amerikanischen Künstler, der in Düsseldorf seine sechste Einzelschau mit neueren Skulpturen und „Polychromen Reliefs“ bei Hans Strelow eingerichtet hat. Die Arbeiten bestehen aus Materialien, die man von Stella seit den achtziger Jahren kennt, als er den Sprung von der Leinwand in die Dreidimensionalität wagte: Es ist rostfreier Stahl, Drähte und Autolack.

Und doch winden sich diese zwischen 2008 und 2010 entstandenen Werke virtuoser von der Wand weg und lassen darin scheinbar jede Begrenzung durch die Erdanziehung hinter sich. Möglich macht dies Stellas neues Lieblingsmaterial: ProtoGen, ein schier unbegrenzt formbares Kunstharz. Ursprünglich fand das Verfahren des „Rapid Prototyping“ vornehmlich Anwendung in Industrie und Architektur. Hier können aus handgemachten, am Computer verfeinerten Entwürfen Formen in gewünschter Dicke gefräst werden, die sich zudem in jede nur denkbare Spiralform verdrehen und verbiegen lassen.

Versehen mit aufgesprühten, irisierenden Autolacken balancieren Stellas Skulpturen auf der feinen Grenze zwischen Fundstück, genormtem, vorgefertigtem Element und genuiner skulpturaler Erfindung, ohne jedoch zum Gimmick zu werden. Dafür sorgen bei aller Polychromie von Arbeiten wie „K. 81“ (380.000 Dollar) vor allem die strengeren, wie ausgebleicht wirkenden Setzungen in Skulpturen wie „K. 43“, die einen hermetischen Kern in sich bergen und das Kunststoffmaterial in seiner Undurchdringlichkeit und Künstlichkeit ausstellen (320.000 Dollar).

Der amerikanische Bildhauer und Maler, der am 12. Mai seinen 75. Geburtstag feiern wird, erzählt, wie er sein neues Lieblingsmaterial entdeckte: „Alles fing an, als ich am Strand in Brasilien einen Sonnenhut fand, der wie eine Spirale aus einem Stück Schaumstoff ausgeschnitten war. Ein tolles Ding! Ich wollte solche Formen in meiner Arbeit haben - und begann mit Rapid-Prototyping-Verfahren zu experimentieren und es für meine Zwecke zu nutzen. Es stellt eine Kohärenz her, die ich sonst kaum erreichen könnte und macht es mir möglich, Formen zu entwickeln, die beim Ausprobieren mit Papier nie umzusetzen wären.“

Skulpturen im absurden Tanz

Neben der neuen Technologie, dem Wunsch, den Raum zwischen Malerei und Skulptur, zwischen Gemälde und dreidimensionalem Objekt zu überbrücken, ist seine Arbeit auch immer ein Vergnügen am Spielerischen: „Circus of Pure Feeling for Malevich“, ein Arrangement von insgesamt sechzehn kleineren, freistehenden „ProtoGenic“-Skulpturen, auf vier quadratische Tische verteilt, orchestriert Stella als humorvolle Hommage an die Strenge der schwarzen Quadrate des suprematistischen Künstlerkollegen.

Die kleinen Skulpturen vollführen absurde Tänze und weigern sich, irgendeine Form höherer Wesen außer sich selbst anzuerkennen (je 1,5 Millionen Dollar). „Frank Stellas Kunst ändert sich nie, aber sie steht nie still“, schrieb die New Yorker Kritikerin Roberta Smith einmal.

Preise von 160 000 Dollar bis 1,5 Millionen Dollar. Bis zum 12. Februar.

Quelle: F.A.Z.
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Düsseldorf | Dollar | Skulptur