Münchner Auktion I

Katzenkirmes im Saal

Von Brita Sachs
 - 13:32

Ein altes Schwarzweißfoto zeigt das von Campendonk 1918 gemalte „Mädchen mit Katze“ abgestellt unter einem Nolde-Bild im Depot „entarteter“ Kunst im Berliner Schloss Schönhausen. Die Beschlagnahme des farbstarken Werks erfolgte 1937 im Jenaer Kunstverein, der es knapp zwanzig Jahre zuvor durch Vermittlung Walter Dexels angekauft hatte. Aus dem NS-Depot ging es an den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, der es in einer Gruppe von 42 Werken der Moderne im Tausch gegen wenige ältere Arbeiten vom Deutschen Reich erhielt. Nachdem Cornelius Gurlitt das Gemälde 1985 bei Christie’s versteigern ließ, bewahrte es die Kunsthalle Emden während der vergangenen zehn Jahre als Dauerleihgabe einer Privatsammlung: Nun steht es in Karl & Fabers Auktion Moderne und Gegenwartskunst am 31. Mai und 1. Juni zum Verkauf – mit einer Taxe von 600 000 bis 800 000 Euro.

Von Campendonk gibt es auch die „Friedhofskatze“ im wilden Sprung, die er 1913 zeichnete (Taxe 25 000/30 000 Euro). Und noch eine Katze: Die große Auswahl an Papierarbeiten gipfelt in Picassos Tuschpinselzeichnung „Femme et Chat“ von 1954 (70 000/100 000). Erstmals auf dem Markt erscheint Max Pechsteins Stillleben mit Putto und einer Vase voller Calla von 1919; nachdem der Berliner Sammler Carl Steinbart es direkt beim Künstler erworben hatte, war es in zwei Familien weitervererbt worden (180 000/220 000). In der Familie blieb auch Noldes Aquarell „Weiße Lilien, rote Blüten vor blauem Grund“, seit es Ludwig Erhard 1967 von deutschen Industrievertretern zum Siebzigsten geschenkt bekam (70 000/90 000). Statt Blumen leuchten bei Adolf Erbslöh frischgrüne Bäume, die er 1911 auf dem Gemälde „Gebirge“ vor dunkle Bergzacken pflanzte (70 000/90 000). Alexander Kanoldt, sein einstiger Gefährte bei der „Neuen Künstlervereinigung München“, schildert zwei Jahre später San Gimignanos Geschlechtertürme als drohende Silhouette vor grauem Himmel (75 000/85 000). Auf Alfons-Walde-Fans wartet ein „Bergbauernhof“ zur Schneeschmelze, samt Bäuerin mit Kind auf dem Arm (170 000/200 000).

Die Moderne beginnt den Teil ausgewählter Werke mit Rupprecht Geigers „Bild E III (Caretera)“ von 1952, das geometrische Formen in hellen Räumen schweben lässt, dazu ein dicker roter Punkt (35 000/40 000). Ein späteres Geiger-Werk bettet eine weiße Rundform in sonniges Gelborange (30 000/35 000). Neben Hoehme oder Thieler tritt auch Kirkeby mit gestisch expressiven Werken aus den Achtzigern an, und Katharina Grosses fast drei Meter hohes Sprühfarbenwerk von 2004 scheint dazu wie ein fernes Echo (35 000/40 000). Wenn der Zufall mitgestalten soll, schwingt Gerhard Richter den Rakel: Sein Weiß, Orange- und Grüntöne ineinander schlierendes Bild aus der „Fuji“-Serie soll – als eines von 110 numerierten Exemplaren mit Unikatcharakter – 350 000 bis 400 000 Euro bringen. Jiri Georg Dokoupil geht mit brennenden Kerzen auf die Leinwand los; eine frühe Arbeit in dieser Ruß-Technik, „Pajaros con dos personas“ von 1989, zeigt Betrachter hinter Dutzenden Vogelkäfigen (15 000/20 000 Euro). Poetischer installierte Kounellis 1993 bunte böhmische Gläser neben einer Kette aus waagschaleartigen Elementen, auf die er Kaffee häufte (40 000/50 000).

Zeitgenössische Werke unter einem Schätzpreis von tausend Euro verlagerte Karl & Faber jetzt in einen Online-Katalog, versteigert werden sie im Rahmen der Auktionen.

Quelle: F.A.Z.
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