Auktionen bei Lempertz

Stuhl für Abfahrt mit Helm

Von Richard Hagemann
 - 10:00

Im dunkelgrünen Janker, mit markanten Gesichtszügen und roten Wangen porträtiert Emil Nolde 1918 einen „Jäger“. Das Gemälde ist wohl in seinem Atelierhaus in Seebüll entstanden, wie die goldene Buddhastatue hinter der linken Schulter vermuten lässt. Wenn Lempertz am 1.Juni in Köln moderne Kunst versteigert, soll das Ölbild zwischen 350.000 und 450.000 Euro einspielen. Unter mehreren Nolde-Aquarellen findet sich eine um 1930/35 entstandene, leuchtende Darstellung seiner nordfriesischen Heimat, auf dem Passepartout von seiner Frau Ada „Am Nachmittag“ beschriftet (Taxe 130.000/160.000 Euro). Dem Norden fühlte sich auch Paula Modersohn-Becker verbunden. 1898 zog sie nach Worpswede, wo sie um 1901 „Kinder vor Bauernhaus“ in Öl auf Malpappe festhielt. Auf der Rückseite befinden sich „Birkenstämme und Haus“ und Otto Modersohns Bestätigung von 1920: „Dieses Bild kommt von Paula Modersohn-Becker“. Die Schätzung lautet auf 300.000 bis 400.000 Euro.

Mit 400.000 bis 500.000 Euro trägt die höchste Taxe bei der Moderne Alexej von Jawlenskys expressiv farbiges „Heilandsgesicht“ von etwa 1919. Dagegen wirkt sein „Mystischer Kopf: Erde“ aus demselben Jahr naturnah anatomisch (200.000/250.000). Von spezieller Intensität ist Wilhelm Lehmbrucks Terrakotta-„Büste der Knienden (Geneigter Frauenkopf)“; 1912/14 in drei Exemplaren entstanden, liegen die Erwartungen dafür nun bei 250.000 bis 300.000 Euro. Gewohnt impressionistisch-schwungvoll malt Max Liebermann „Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten“ im Jahr 1926 (400.000/450.000). Von Ernst Wilhelm Nay sind sechs Werke im Angebot, darunter „Mit Tropfenketten“ von 1952 (150.000/180.000); das einen mal 1,2 Meter große Ölbild wurde zuletzt 2004 bei Grisebach in Berlin für 115.000 Euro an eine Privatsammlung zugeschlagen. Für 310 Moderne-Lose gibt Lempertz eine mittlere Gesamttaxe von 5,8 Millionen Euro an.

Teure Skulpturen aus Eisen und Zinn

Am 2.Juni folgt die zeitgenössische Kunst, aufgeteilt in zwei Kataloge. Norbert Bisky zeigt athletische Beachboys angesichts einer „Havarie“ im Jahr 2010 (50.000/60.000) und in für ihn typisch hellen Farben 2001 „Alle kommen durch“ (30.000/40.000). Für Marina Abramovics zwei Meter hohe Eisenskulptur mit Amethyst-Findling aus der Serie „Chairs for departure with helmet“ von 1991 sind 100.000 bis 150.000 Euro veranschlagt.

Zum Aufruf kommt auch eine monumentale Messing- und Zinnplastik von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, die lange Jahre in Berlin öffentlich ausgestellt war; geschätzt ist „Afrika IV“ von 1962 auf 300.000 bis 400.000 Euro. Teuerstes Los der Gegenwartskunst ist eines der gesuchten „Achrome“ Piero Manzonis, um 1958, auf denen monochrome Farbflächen durch achrome Strukturen erweitert werden; die angebotene Arbeit mit Faltungen der Leinwand erfordert 400.000 bis 500.000 Euro.

Monochrome Flächen konfrontiert auch Günther Förg miteinander auf zwei seiner unbetitelten „Bleibilder“ von 1990: Kobaltblau mit Türkis und Grau mit Orange (je 150.000/200.000). Die mittlere Schätzung für insgesamt 303 Zeitgenossen-Lose liegt bei 4,1 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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