Auktionen bei Van Ham

Raoul Dufy sieht München

Von Richard Hagemann
 - 10:00
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Die Segelboote liegen auf der sonnenbeschienenen Seine, dahinter eine Hügelkette. Vom Uferweg aus malt Paul Gauguin 1884 die flirrende Sommerszenerie. Er hatte da Paris bereits verlassen und versuchte, in Rouen Kontakt zum kauffreudigen Bürgertum aufzubauen, wovon das Gemälde zeugt: „Les falaises de la Bouille“ ist der Frau eines wohlhabenden Holzhändlers gewidmet. Am 30.Mai soll das Bild in der Auktion mit Moderne und Zeitgenossen bei Van Ham in Köln 500.000 bis 700.000 Euro einspielen.

Aufmerksamkeit verdient die Sammlung des 2017 verstorbenen Kölner Unternehmers Friedrich Wilhelm Waffenschmidt. Aus ihr kommt auch das Spitzenlos der Moderne, Emil Noldes „Holzplastik und Blumen“, geschätzt auf 500.000 bis 800.000 Euro; die Darstellung einer Yoruba-Reliefplastik belegt Noldes Begeisterung für ethnologische Objekte. Dieselbe Provenienz tragen Ernst Ludwig Kirchners „Villen“ von 1916 (Taxe 200.000/300.000 Euro) und Lovis Corinths „Herbstblumen in Vase“ von 1924 (130.000/180.000).

Wie auch Max Liebermanns „Gartenlokal an der Havel unter Bäumen“, um 1920/22, das aus jüdischem Besitz direkt an Hildebrand Gurlitt gelangt war; nach der Einigung mit den Erben kann es nun versteigert werden (300.000/500.000). Aus anderer Quelle kommt Raoul Dufys Gemälde „München“, wo er 1909 expressiv seine Eindrücke beim Besuch dort verarbeitet (120.000/180.000). Im magisch-realistischen Gemälde „Die Dangaster Pferderennbahn“ von 1934 hält Franz Radziwill seinen Wohn- und Rückzugsort fest (70.000/100.000).

Internationale Marktstars unter den Zeitgenossen

Bei der Kunst nach 1945 richtet sich das Augenmerk auf Günther Uecker, für dreizehn Lose, angeführt von drei seiner Nagelbilder: einem 42 mal 42 Zentimeter kleinen Werk ohne Titel von 1978, „Weiß-Weiß“ von 1968 in ähnlichem Format (Taxe je 200.000/300.000) und einer „Spirale“ von 1972 (180.000/200.000). Für „Molain“ hat Imi Knoebel 2002 über einem Quadrat aus vier Aluminiumplatten mit Acryl bemalte Leisten zum bunten Raster geschichtet (250.000/350.000).

2013 schuf Ilya Kabakov die Werkserie „Vier Gemälde über die Sonne“; das erste Bild der Reihe wird aus einer französischen Privatsammlung eingeliefert (300.000/400.000). Aus verchromtem, bemaltem Stahl besteht John Chamberlains handliche Skulptur „Tongue Fu“, so viel wie Zungenfertigkeit (160.000/180.000). Anselm Kiefer bezieht sich in seiner Mischtechnik „Samson“ von 2011 auf die Gestalt des Alten Testaments (100.000/ 150.000).

Der aktuelle rumänische Marktstar Adrian Ghenie führt bei der zeitgenössischen Kunst in einen dunklen, kargen Betonraum; das Gemälde ohne Titel von 2007 ist auf 150.000 bis 200.000 Euro taxiert. Ebenfalls 2007 lässt Karin Kneffel auf ihrem drei Meter breiten Querformat Innen und Außen verschwimmen, nur gehalten von einer im Fenster gespiegelten Stehlampe (100.000/150.000). Vom israelischen Künstler TalR kommt das farbenfrohe Großformat „Old Gun in New Town“ aus dem Jahr 2008 (30.000/ 50.000). Für 366 angebotene Lose nennt Van Ham eine Gesamtschätzung von 7,5 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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