Kölner Ergebnisse I

Lob der Kaffeemühle

Von Richard Hagemann
 - 10:00

Freud und Leid liegen häufig nahe beieinander, auch in der eigenen Familie, das zeigte sich zum Auftakt der Herbstauktionen bei Lempertz in Köln: Während Jan Brueghel d. Ä. mit seiner blauleuchtenden „Flusslandschaft mit Fischern und einem Pferdewagen“ – zur unteren Schätzung von 1,2 Millionen Euro – auf dem Spitzenplatz bei der Alten Kunst beharren konnte, fand sich für die 1620 von seinem Bruder Pieter Brueghel d. J. in Öl auf Holz gemalte „Winterliche Dorflandschaft mit Gasthaus zum Schwan“ kein Bieter, der bereit war, die anvisierten 500 000 bis 600 000 Euro dafür zu investieren. Besser erging es da der „Madonna mit Kind und dem Erzengel Michael“, die Tommaso del Mazza, genannt Maestro di Santa Verdiana, als Teil eines Altarwerks vor goldenem Grund plazierte: Mit dem Zuschlag erst bei 750 000 Euro überstieg sie weit ihre Erwartungen von 140 000 bis 160 000 Euro. Ebenfalls noch oberhalb der Schätzung liegt Joachim Wtewaels „Venus und Adonis“ mit 320 000 Euro (Taxe 200 000/300 000). Das von Jan van Dornicke und seiner Werkstatt 1518 ausgeführte „Triptychon mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige sowie der Geburt und der Beschneidung Christi“ kam auf 280 000 Euro (280 000/ 320 000).

Verhalten agierten die Käufer bei der Kunst des 19. Jahrhunderts. Das Spitzenlos des Abends, Oswalds Achenbach „Fontana di Trevi bei Nacht“ von 1884, wurde knapp unter Taxe bei 75 000 Euro (80 000/90 000) zugeschlagen. So konnte sich Thomas Somerscales Vedute „Die Bucht von Valparaíso in der Abenddämmerung“, 1897 entstanden, nach vorne schieben: Ein Gebot von 120 000 Euro (15 000/20 000) war sie dem neuen Besitzer wert. Das 1842 von Michael Neher gemalte „Iller Tor in Kempten“ fand für 80000 Euro (30 000/40 000) einen Liebhaber. Jean François Millets „Porträt einer Dame (Madame Lefranc)“ konnte seine obere Schätzung von 25 000 Euro gut verdoppeln, beim Zuschlag von 52 000 Euro.

Ernst Wilhelm Nay auch bei Lempertz gefragt

In der Moderne-Abteilung erfüllte das Toplos die Erwartungen: Georges Braques „Le moulin à café“ von 1942 wurde bei 820 000 Euro (400 000/600 000) zugeschlagen, inklusive Aufgeld kostet das Gemälde 1,09 Millionen Euro. Auch die an zweiter Stelle gesetzte Ostsee-Szenerie von Max Pechstein, „Zwei Kutter im Hafen von Leba“ aus dem Jahr 1922, wurde mit 410 000 Euro ihrer Taxe von 400 000 bis 500 000 Euro gerecht. Unverkauft blieb Pechsteins „Das blaue Kleid: Bildnis von Frau Dr. Plietzsch“ von 1921 (200 000/250 000), und auch Jawlenskys „Stillleben mit Serviette“ von 1906 fand keinen Käufer (300 000/400 000). Dieses Schicksal traf in der Auktion auch Lovis Corinths Blumenstillleben „Tulpen, Flieder und Kalla“ von 1915 (250 000/ 350 000) und Edvard Munchs Farbholzschnitt von 1899 „Zwei Menschen. Die Einsamen“. Dagegen avancierte Corinths Gemälde „Ariadne auf Naxos“ von 1913 bei 200 000 Euro (150 000/ 200 000). Victor Servranckx’ „opus 9-1927“ brachte 220 000 Euro (200 000/ 240 000). Ernst Wilhelm Nay erwies sich auch bei Lempertz als gefragt: Seine „Adam und Eva“, 1940 in Öl auf Leinwand gemalt, verdoppelten ihre Schätzung auf 110 000 Euro (40 000/60 000).

Comics sind nicht das originäre Metier von Gerhard Richter, bei der zeitgenössischen Kunst investierte ein Bieter dennoch 105 000 Euro (100 000/ 200 000) in seine Bildergeschichte „Comic Strip“, 1962 in ein Notizbuch gezeichnet (F.A.Z. vom 24. November). Weit davor rangiert Richters „Teyde-Landschaft (Skizze)“ von 1971, die bei 800 000 Euro (800 000/1 Million) zugeschlagen wurde. Josef Albers’ 1953/55 in Öl auf Masonit gemalte „Study to Homage to the Square: Warm Welcom“ blieb mit 230 000 Euro (250 000/300 000) leicht hinter den Erwartungen zurück. Emil Schumachers energiegeladenes Gemälde „Paripa“ aus dem Jahr 1961 behauptete sich bei 180 000 Euro (150 000/ 180 000). Begehrt bleibt weiterhin der rumänische Maler Adrian Ghenie: Seine drei düsteren Gestalten um ein Auto herum, ein Kleinformat „Ohne Titel“ von 2005, stieg auf 120 000 Euro (60 000/ 70 000). Rebecca Horns unbetiteltes Rad aus Papageienfedern von 1995 erreichte 100 000 Euro wie auch „Bianco“ , von Agostino Bonalumi aus dem Jahr 1968 (Taxe jeweils 100 000/120 000).

Preissprünge – wie im Fall der um 1911 entstandenen Fotografie von Heinrich Kühn, die kunstvoll die Brechungen des Lichts durch ein Glas und eine gefüllte Karaffe zeigt und bei 28 000 Euro (6000/8000) zugeschlagen wurde – sorgten mit 850 000 Euro für das beste Ergebnis für Fotografie jemals bei Lempertz. Trotz der Rückgänge überstieg auch die Alte Kunst die Erwartungen von gut sieben Millionen Euro mit dem gemeldeten Umsatz von 8,5 Millionen Euro. Die moderne und die zeitgenössische Kunst konnten mit 5,2 und 4,95 Millionen Euro die in sie gesetzten Hoffnungen leicht übertreffen. Wohlgemerkt – bei den Umsatzsummen ist – das gilt generell für alle Auktionshäuser – stets das Käuferaufgeld in Höhe von etwa 25 Prozent des Zuschlagpreises eingerechnet.

Quelle: F.A.Z.
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