Koller-Auktion

Drei Mönche und ein Akt

Von Richard Hagemann
 - 10:00

Eng umschlungen zeigen sich „Christus und Johannes als sich umarmende Knaben“ bei der Altmeisterauktion des Zürcher Auktionshauses Koller am 23. März. Die Arbeit aus der Werkstatt des Antwerpener Malers Joos van Cleve lässt sich direkt auf ein Motiv Leonardo da Vincis zurückführen und überzeugt vor allem durch ihre sinnliche Wiedergabe des rosigen Inkarnats und der Stofflichkeit. Angeboten wird das kleine Ölgemälde für 30 000 bis 40 000 Franken.

Angeführt wird die Sektion von einem großformatigen Porträt des umtriebigen Genueser Staatsmannes Paolo Gregorio Raggi, der 1547 das Amt des Gouverneurs von Korsika bekleidete. Seine weitverzweigte und einflussreiche Familie ließ den Renaissancemenschen um 1638 postum von Bernardo Strozzi für die Gemäldesammlung ihres Stadtpalastes in dann schon barockem Stil auf die Leinwand bannen. Die Schätzung dafür reicht von 180 000 bis 250 000 Franken. Dahinter folgt eine goldgrundierte Holztafel von 1420 mit der Darstellung des „Thronenden Heiligen Petrus als Papst“, dem der aragonische Meister von Langa sechs Apostel zur Seite gestellt hat (Taxe 150 000/250 000) und „Eine Heringsverkäuferin mit Dienstmädchen in einer Nische“, die der Rembrandt-Schüler Gerrit Dou 1651 festhielt (150 000/200 000).

Stillleben aus Frauenhand

Mit Clara Peeters „Stillleben mit Katze, Fischen, Austern und Flusskrebsen“ ist auch das Werk einer Pionierin der Stilllebenmalerei zu Beginn des 17. Jahrhundert vertreten. Der beherzte Griff der braun gescheckten Katze nach einem Flussbarsch verleiht dem Arrangement von Karpfen, Flussbarschen, Krebsen und Austern eine starke Lebendigkeit. Die darin gesetzte Erwartung von 100 000 bis 150 000 Franken gilt ebenfalls für ein um 1633 entstandenes Landschaftsgemälde aus der Hand Meindert Hobbemas, das eine „Bewaldete Flusslandschaft“ mit Haus, Passanten und einem Angler zeigt.

Am gleichen Tag offeriert Koller auch Gemälde des 19. Jahrhunderts. Das unbestrittene Glanzlicht der Auktion ist ein „Dämon“ des russischen Avantgardisten Kuzma Petrov-Vodkin, eine kraftvolle Melange aus russischer Ikonenmalerei und modernem Symbolismus. Die Komposition von 1904 besticht vor allem durch ihren expressiven Pinselduktus; 500 000 bis 700 000 Franken sind dafür aufgerufen. Deutlich dahinter rangiert die „Waldlandschaft im Abendrot“, die sein russischer Landsmann Ivan Fedorovich Choultsé 1915 anfertigte. Die Arbeit, die wohl direkt vom Künstler an die Familie der heutigen Besitzer ging, wird auf 50 000 bis 70 000 Franken geschätzt.

Dass das Leben in Klosterbibliotheken nicht nur aus trockener Gelehrsamkeit bestehen muss, zeigt Eduard Grützners „Heimliche Studie“ von 1892. Ganz entgegen ihrem tugendhaften Streben erfreuen sich die Mönche im weißen Habit an den ganz weltlichen Vorzügen einer weiblichen Aktdarstellung (40 000/60 000). Ernster geht es dann allerdings wieder bei Leo von Klenzes streng klassizistischen Blick in eine „Italienische Klosterhalle mit Benediktinermönchen und Ausblick auf Capri“ zu. Das Gemälde von 1855 fängt das flirrende Licht des Südens ein und kann als Allegorie auf das wissenschaftliche Streben der Mönche gelesen werden, wovon ein Fernrohr, Globen und verschiedene andere naturwissenschaftliche Instrumente zeugen (25 000/35 000).

Quelle: F.A.Z.
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