La Biennale Paris

Künftig in jedem Jahr mit auf dem Messekarussell

Von Bettina Wohlfarth/Paris
 - 10:22

Wenn es einen Ort gibt, wo eine große internationale Kunst- und Antiquitätenmesse geradezu notwendig hingehört, dann ist das Paris mit seinem historischen Grand Palais. Schon deshalb ist es schwer begreiflich, dass Insider-Querelen die Fundamente dieser 1956 gegründeten Kunstmarktschau ungeniert erschüttern. Seit einigen Jahren sucht die „Biennale des Antiquaires“ – jetzt umbenannt in „La Biennale Paris“ – zwischen zerstrittenen Händlern ihren Weg in die Zukunft. Und es ist fragwürdig genug, dass eine Gruppe von Händlern nun eine zusätzliche Messe für Altmeistergemälde und Skulpturen gegründet hat: Anfang November wird im Börsenpalast die erste Ausgabe der „Fine Arts Paris“ stattfinden. Ihre Schönheit hat die Biennale trotzdem nicht eingebüßt. Zwischen den immensen Säulen des Grand Palais unter der gläsernen Kuppel grüßt ein kostbar gerüsteter Samurai auf schnaubendem Ross, der wie ein Phantom aus einer anderen Welt in der Mitte der Halle schwebt. Er kündigt das Programm an: alle Kulturen und Künste der Welt vom Altertum bis zur Moderne in prächtigen Messeständen. Die Samurairüstung gehört der eminenten Sammlung Barbier-Mueller, die die begleitende Ausstellung bestückt.

Von dieser ihrer 29.Ausgabe an wird die Biennale jährlich antreten. Angeblich schadete ihr der Zweijahresrhythmus im Messekarussell; dennoch wurde der Begriff „Biennale“ beibehalten: Er sei „die DNA dieser Messe“ und von ihrer Geschichte nicht zu trennen, erklärt Mathias Ary Jan, der neue Präsident des „Syndicat National des Antiquaires“; dem Branding muss nun ein dauerhaft erfolgreiches Konzept folgen. Zur wichtigsten Reform gehört ein neuorganisiertes Kontrollkomitee, aus dem sich der Verband der Antiquitätenhändler ganz zurückzieht. Händler, die auf der Messe ausstellen, dürfen diesem Komitee und seinem etwa hundertköpfigen Expertenteam, das vorab jedes auszustellende Werk auf Qualität und Echtheit prüft, nun nicht mehr angehören. „Das ist eine Palastrevolution“, sagt der auf Altmeister spezialisierte Pariser Händler Alexis Bordes, der sämtliche Neuerungen energisch unterstützt. Nach einer Reihe von Skandalen um gefälschte französische Antiquitäten aus dem 18.Jahrhundert gab es Handlungsbedarf. Die Kontrollen der Biennale sind nun strenger als die von Tefaf in Maastricht.

Auffällig wenig Malerei

Bei Alexis Bordes steht ein kleines Watteau-Gemälde auf einer Konsole, daneben liegt eine Lupe. Die feine Pinselführung ist ein Vergnügen: die lebendige Mimik der fünf Figuren dieser theatralischen Karnevalsszene, die Faltenwürfe der Kleidung und das Fell eines grauen Kätzchens, das zusammengerollt im Vordergrund schläft (450 000 Euro). Die Malerei ist auffällig weniger als im Vorjahr vertreten. Wichtige Altmeister-Galerien wie De Bayser, Terrades, De Jonckheere und Maurizio Nobile oder Applicat-Prazan und Landau für die Moderne sind der Biennale ferngeblieben. Mit gut neunzig Teilnehmern hat sie sich zudem deutlich verkleinert; unverändert ist ein Drittel Aussteller aus dem Ausland. Bei Eric Coatelem aus Paris fällt ein rätselhaftes Vanitas-Stillleben mit einem Himmelsglobus auf: Es wurde 1637 vom Elsässer Sebastian Stoskopff gemalt, die dargestellten Dinge symbolisieren die fünf Sinne (1,3 Millionen Euro). Zu den Vorbesitzern gehört die Familie Lessing, das Gemälde hing deshalb lange Zeit in deren brandenburgischem Barockschloss Meseberg.

Sammler aus Asien oder Amerika, die 2016 aus Furcht vor Terroranschlägen wegblieben, reisen wieder nach Paris; auch deshalb ist das Echo der Händler durchwegs positiv. Wie sehr sich Amerikaner für geschichtsträchtige Werke interessieren, zeigen vier großformatige Gobelins bei der Pariser Galerie Chevalier: Die Wandbehänge mit Jagdszenen wurden um 1670 im Auftrag Jean-Baptiste Colberts in der Gobelin-Manufaktur gewebt. Er wünschte sich die genaue Reproduktion von Szenen aus einem berühmten Ensemble mit dem Titel „Les chasses de Maximilien“, das einst vom Haus Habsburg in Auftrag gegeben wurde und heute im Louvre hängt. Vor 21 Jahren kaufte Bill Gates die vier Colbert-Gobelins auf der Pariser Biennale – und hat sie nun der Galerie Chevalier wieder zum Verkauf gegeben, für rund vier Millionen Euro.

Die Münchner Kunsthandlung Röbbig zählt zu den führenden Experten für frühe Meissen-Porzellane. An ihrem Stand überrascht eine weiße, lebensgroße Porzellanplastik von einem Fuchs, der ein Huhn im Maul trägt. Die unglaublich lebendige Skulptur wurde um das Jahr 1730 für das Japanische Palais von August dem Starken hergestellt (1,4 Millionen Euro). Als erste europäische Porzellanmanufaktur stand Meissen bei der französischen Aristokratie hoch im Kurs. Auch Gismondi aus Paris wartet mit einer prächtigen Standdekoration auf: Dunkelrote Lack-Boiserien mit Landschaftsmotiven tauchen die erlesenen Stücke, vor allem Möbel mit Pietra-Dura-Mosaiken, in die Atmosphäre ihrer Entstehungszeit. Zu ihnen gehört auch ein reich ornamentierter Präsentationsschrank mit Chinalack-Bemalung vom Anfang des 18.Jahrhunderts (knapp unter 1 Million Euro).

Die Biennale ist nicht in Sektoren aufgeteilt, der Besucher flaniert im freien Assoziieren zwischen den Künsten und Jahrtausenden. Die Galerie Eberwein aus Göttingen und Paris zum Beispiel ist auf antike Kunst aus dem ägyptischen Kulturkreis spezialisiert. Dort strahlen die Farben einer Mumienmaske nach mehr als 2600 Jahren noch immer kraftvoll (160 000 Euro). Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Galerien mit Art-Déco-Kunst und Möbeldesign der Moderne. Die Pariser Galerie Lacoste zeigt mehrere hochelegante Stücke von Jean Royère, dazu ein Sesselpaar von Diego Giacometti (600 000 Euro). Die Präsenz der großen Pariser Juwelierhäuser in überdimensionierten Boutiqueständen gehörte in der Vergangenheit zu den Streitpunkten der Biennale. Sie sind endgültig den dezenteren Ständen unabhängiger Luxusjuweliere wie Boghossian und Nirav Modi gewichen. Auch das tut dem Gesamteindruck der Biennale gut.

Im Grand Palais, Paris. Bis Sonntag, den 17.September, täglich von 11 bis 21 Uhr, Eintritt 35 Euro, Katalog 45 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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