Kölner Auktion I

Manigfaltige Gegenden

Von Felicitas Rhan
 - 10:00

Das nur elf mal neunzehn Zentimeter kleine Blatt hat es in sich: Die aquarellierte Federzeichnung zeigt in blassblauen Farben einen Fluss, der sich sanft durch eine idyllische Hügellandschaft zieht. Johann Wolfgang von Goethe fertigte die „Tiberlandschaft“ auf seiner Italien-Reise 1787 an; sie gehört zu einem zehnteiligen Zyklus und ist die erste Arbeit aus der Reihe, die im Kunstmarkt auftaucht. Am 19. Februar 1787 schrieb der Dichter in einem Brief an Carl Ludwig von Knebel: „Ich schicke 10 Stückgen manigfaltiger Gegenden, die vielleicht nicht 3000 Schritte auseinander liegen. Ich hatte ihrer noch viel gezeichnet um die Abänderung der Gegenstände recht fühlbar zu machen, sie wurden aber nicht fertig.“ Die Zeichnung ist rückseitig von Goethe betitelt – darunter befindet sich das Testat: „von Goethes eigener Hand Al. v. Humboldt 1851“. Das legt nahe, dass das Blatt entweder als Geschenkblatt Goethes an Alexander von Humboldt selbst oder seinen Freundeskreis gelangt ist. Es wird für eine Taxe von 40 000 bis 60 000 Euro bei Van Ham am 19. Mai in Köln offeriert.

Insgesamt werden für die 227 Lose der Auktion mit Alter Kunst 1,5 Millionen Euro erwartet. In der Sparte des 19. Jahrhunderts findet sich außerdem ein monumentales, zwei Meter breites Gemälde von dem in Odessa geborenen Maler Franz Roubaud. Es zeigt die „Schlacht bei Polozk“ auf Napoleons Russland-Feldzug und kommt marktfrisch aus einer süddeutschen Privatsammlung (Taxe 80 000/100 000 Euro). Einen einzelnen Reiter schickt der indonesische Prinz und Dresdner Hofmaler Raden Saleh in den Kampf mit einem Löwen; das Gemälde mit dem Lieblingsthema des Künstlers entstand um 1849 (30 000/50 000). Exotische Landschaften zeigt auch der deutsche Orientalist Gustav Bauernfeind auf zwei Ölbildern: Ein weites Panorama öffnet sich im „Weg nach Bethlehem“ (70 000/90 000), während auf einer Studie „Der Vorhof der Omaijaden Moschee in Damaskus“ in leuchtend gelben Tönen dargestellt ist (8000/10 000). Ebenfalls farbintensiv, beinahe grell kommt das Bildnis „Primavera Fiorentina“ von Plinio Nomellini daher. Es zeigt die Familie des Künstlers im üppig prachtvollen Frühlingsgarten (60 000/80 000).

Bei den Alten Meistern fällt Roelant Saverys Gemälde auf Holz von 1624 auf: Die paradiesisch anmutende Gegend ist mit zahlreichen Tieren im Vordergrund bestückt. Dahinter erstreckt sich eine phantastische Berglandschaft mit Turmruine, in deren Innerem man nur schemenhaft Figuren erkennen kann. Dort, im fast bedeutungslosen Bildhintergrund, findet, dem Titel des Werks gemäß, die eigentliche Handlung statt: „Orpheus und die thrakischen Weiber“ (80 000/120 000). Die wunderschöne „Verkündigung an Maria“, um 1505 entstanden, stammt von der Hand des Meisters des Hausbuchs: Auf 42 mal 34 Zentimetern malte er eine anmutige Muttergottes, die bei ihrer Andacht vom Erzengel Gabriel und dem Heiligen Geist überrascht wird (100 000/120 000).

Quelle: F.A.Z.
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