Feuilleton
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18.06.2011
Liste 16 in Basel

Netzlastig

Von Tilo Richter, Basel
Seth Picks Gemäld
Foto: Alte Neue Brücke

Das Procedere ist an beinahe jedem Stand dasselbe: Kaum fragt man nach einer Künstlerin, zücken die Galeristen ein mit Bildern vollgestopftes iPad und lassen die Finger tanzen. Hinter jedem ausgestellten Kunstwerk lauern Hunderte weitere Arbeiten, die auf Zuruf virtuell präsentiert werden; Mittelpunkt bleiben aber zum Glück die ausgestellten Originale. 64 Galerien aus neunzehn Ländern gehen für die Liste - The Young Art Fair in ihrer sechzehnten Ausgabe an den Start.

Um die Chance, neben der Art Basel ausstellen zu dürfen, haben sich 350 junge Kunstgalerien beworben. Aus Deutschland sind elf Aussteller nach Basel gekommen, die meisten von ihnen sind in Berlin zu Hause. Der Charme der Liste liegt in den frischen Arbeiten junger Künstler und auch in den spröden Industrieräumen der ehemaligen Brauerei Warteck.

In den Blickpunkt rückte die Zürcher Galerie RaebervonStenglin, die den zum zweiten Mal verliehenen Redtoo Art Price erhielt: Eindrucksvoll ist dort Sofi Hulténs Videoarbeit „Past Particles“ von 2010, in der tausend Teile aus einer gefundenen Werkzeugkiste akribisch abgefilmt werden (Preise von 3000 bis 12.000 Franken). Kilian Rüthemann schuf vor Ort „Target as Frontside“, eine geometrische Installation zerschlagener Neonröhren (Preise bis 20.000 Franken).

Die Glasgower Galeristin Hannah Robinson von Mary Mary entschied sich für eine Einzelschau von Nick Evans, der eine Serie großformatiger biomorpher Gipsskulpturen im Kaskadenkondensator des Warteck plazierte, die für je 7000 Pfund angeboten werden. Am Stand von Elisabeth Dee aus New York kann man eine wunderbare Entdeckung machen: Sie zeigt von Mark Barrow irritierend mit Acryl übermalte, grob gewebte Stoffe (Preise 10.000 bis 15.000 Dollar), die in ihren zarten Farben und gebrochenen Mustern eine beinahe magische Ausstrahlung haben.

Drucke im Zeitraffer

Für Ian Tweedy, wie Barrows Jahrgang 1982, konnte man sich in Basel schon 2010 begeistern: Jetzt hängt bei Monitor aus Rom eine Serie von Ölbildern auf altem Papier aus dem 18. Jahrhundert. Die vier Blätter „Mucha and Machine“ (je 6000 Euro) beziehen sich in ihrer Bildsprache auf den tschechischen Jugendstil-Künstler Alfons Mucha. 120 Radierungen des immer abgewandelten Motivs eines liegenden Toten nach Andrea Mantegna präsentiert Ciprian Muresan am Stand von Andreiana Mihail aus Bukarest.

Die mit 35.000 Euro ausgezeichnete Arbeit enthält zudem ein Zeitraffer-Video aller Drucke. Nicht Mantegna, sondern byzantinische Kunst nimmt Stelios Faitakis als Bezug. Nachdem die Kunstwelt Faitakis Wandbild am griechischen Pavillon der Biennale in Venedig bewundert hat, kann man jetzt bei The Breeder aus Athen das figurenreiche „Welcome to the Future“ (42.000 Euro) sehen.

Mit „Spoken Movie 5“ von 2010 lädt Wojciech Bakowski am Stand der polnischen Galerie Stereo zu einem abgeschotteten Kunstgenuss ein. Wer mag, kann sich in eine winzige Box begeben, um dort seinen Worten zu lauschen, während ein grafischer Animationsfilm läuft. Diese Arbeit bezieht sich wie der ganze Messeauftritt von Stereo auf das Werk des amerikanischen Komponisten Alvin Lucier und minimalistische Filmkunst der dreißiger Jahre. Bakowskis Video ist mit Musik von David Szczsny (7000 Euro). Aus Frankfurt hat die Galerie Alte Neue Brücke unter anderem rätselhafte figürliche Malereien von Seth Pick mitgebracht, so dessen „Fancy Dress“ von 2011 für 2400 Euro.

Sofia Hultén, „The Nature of Things is in the Habit of Concealing ItSofia Hultén, „The Nature of Things is in the Habit of Concealing Itself” von 2011, diverse Materialien, 600 mal 30 mal 30 cm, bei RaebervonStenglin (bis 12.000 Franken)
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Liste 16. Bis zum 19. Juni in Basel, Burgweg 15. Am Samstag, den 18. Juni, von 13 bis 21 Uhr, am Sonntag, den 19. Juni, von 13 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 20 Franken, das Messemagazin 15 Franken.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Alte Neue Brücke