Kunstmarkt
Münchner Auktion II

Mit Bauch

Von Brita Sachs

Werke deutscher Expressionisten, vornehmlich Arbeiten auf Papier, bestücken am 31. Mai die Anfangs-Suite von Neumeisters Auktion mit Kunst der Klassischen Moderne bis heute. Da wäre Karl Schmidt-Rottluffs Holzschnitt „Frau mit aufgelöstem Haar“ von 1913 (Taxe 14 000/16 000 Euro), und da wären auch Mohnblüten, von Erich Heckel 1928 meisterlich in diversen Zuständen mit dem Tuschpinsel gezeichnet (12 000/15 000), während Ernst Ludwig Kirchner für „Berganemonen“ den Aquarellkasten zur Hand nahm, um in Pink und Violett zu schwelgen (28 000/30 000). Tsuguji Foujita, der japanische Vertreter der École de Paris und Maler schöner Mädchen, zeichnet 1960 das „Portrait d’Odette“ mit freien Schultern (20 000/25 000).

Das Angebot der Nachkriegskunst enthält Ölgemälde von Fritz Winter, Rolf Cavael, Pierre Soulages oder Theodor Werner, aber auch ein Op-Art-Gemälde von Victor Vasarely aus dem Jahr 1983: „Kurt“, so sein Titel, trägt offenbar Bauch, denn das Kreis-Quadrat-Raster schiebt sich optisch kugelförmig aus der Mitte vor (60 000/80 000). Höchstbewertetes Los ist mit 70 000 bis 90 000 Euro Gottfried Helnweins hyperrealistische Darstellung nächtens stürmender Soldaten „Ohne Titel (Night 1)“ von 1991. Fotografisch exakt fällt auch Richard Haas’ Ölbild „St. Patrick’s Rockefeller Center“ aus, auf dem der Maler den Blick in die New Yorker Gipfellandschaft auf Höhe der Turmhauben von St. Patrick’s gibt (9000/12 000).

Die Augen geschlossen, den Kopf leicht in den Nacken gelegt, umgibt William Kentridges auch handwerklich eindrucksvolle Kaltnadelradierung „Head (Green)“ eine Atmosphäre zwischen Meditation und Ohnmacht (35 000/45 000). Unbeschwert hingegen ist Andy Warhols Entwurf für eine Grußkarte mit Röschen und Schnörkelrahmen, ein Aquarell auf Karton, das auf 20 000 bis 25 000 Euro taxiert ist.

Quelle: F.A.Z.
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Ernst Ludwig Kirchner