Vorschau Neumeister-Auktion

Ziffers Leidenschaften

Von Brita Sachs
 - 10:00

Alfred Ziffer galt als einer der besten Kenner deutscher Porzellane und Fayencen. Entsprechendes Interesse wird die Auktion der Sammlung des im Oktober2017 gestorbenen Kunsthistorikers wecken, die Neumeister in München am 18.Mai vornimmt. Denn den rund 230 Lose fassenden Sonderkatalog mit europäischem Kunsthandwerk bestücken größtenteils Objekte aus Ziffers keramischen Lieblingsstoffen. Zahlreiche Veröffentlichungen und mehrere Ausstellungen haben das Renommee dieses Forschers ebenso untermauert wie seine Tätigkeiten als Kurator von Porzellansammlungen und als Redakteur der Fachzeitschrift „Keramos“. Nicht zuletzt suchten Museen und Handel immer wieder sein Urteil.

Die angebotene Fülle spiegelt das Naturell eines leidenschaftlichen Sammlers, dem es nicht nur ums Spitzenstück ging, sondern um eine Materie in vielen Facetten, eines Kenners, der mit den Dingen lebte, sie in Vitrinen um sich hatte und auch mal von seinen diversen Nymphenburger Servicen speiste.

Die Nymphenburger Manufaktur stellt den Löwenanteil: Beginnend mit Rokokowerken wie einer um 1760/65 mit Blumen und Tierchen bemalten Kompottschale (Taxe 1800/2000 Euro) oder der von F.A.Bustelli entworfenen Figur „Kammerzofe mit Hündchen“ (2000/ 2400) verdichtet sich die Offerte bei Entwürfen der Moderne, der Ziffers besonderes Augenmerk galt.

Namhafte Gestalter wie Hermann Gradl, Adelbert Niemayer, Paul Ludwig Troost, Josef Wackerle oder Paul Scheurich stehen hinter all den prachtvollen Vasen, Ziertellern, Schreibzeugen, Leuchtern und Figuren, darunter schneeweiße Pfauen von Theodor Kärner (600/800 und 1000/1200). Eine Hauptperson blieb für Ziffer Wolfgang von Wersin seit seiner Dissertation über den Designer; dessen goldgestreifter Bodenvase mit gerippter Wandung gilt eine Taxe von 3000 bis 4000 Euro. Neben seinen bekannten Servicen „Helena“, „Helios“ und „Lotos“ in Korallenrot und Gold tritt Wersin mit Entwürfen für Majolika, aber auch Glas, Metall und Möbel für namhafte Manufakturen bis in die fünfziger Jahre in Erscheinung.

Quelle: F.A.Z.
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