Münchner Ergebnisse III

Falstaff im Wäschekorb

Von Brita Sachs
 - 10:00

Auf Spitzwegs klassische Themen war wieder einmal Verlass: Der Soldat mit Strickzeug, hier ein Invalide mit hölzernem „Stelzfuß“, neben einer von Vögeln bewohnten Kanone als Symbol friedlicher Zeiten, brachte Neumeister mit 85 000 Euro (Taxe 80 000/120 000) den höchsten Zuschlag bei der Alten Kunst. Dicht folgt eine Vorstudie Spitzwegs zu seinem Gemälde „Spanisches Ständchen (Serenade aus dem Barbier von Sevilla)“ in der Münchner Schack-Galerie: Die nächtliche Szene nahm ein Bieter im Saal zum mittleren Schätzwert von 80 000 Euro. Beide Bilder kamen mit der schwerpunktmäßig aus süddeutscher Genre- und Tiermalerei des 19. Jahrhunderts gefügten Sammlung Karl Wormser ins Haus. Ihr entstammten auch „Die lustigen Weiber von Windsor“ – soeben wird Falstaff im Wäschekorb versteckt –, ein Werk, das der vor allem für beleibte trinkende Mönche bekannte Eduard von Grützner 1872 signierte; zur oberen Taxe von 50 000 Euro fand es seinen Shakespeare-Fan. Wie der Sammler Wormser schätzten offenbar auch manche Bieter Hermann Kaulbachs süßlich putzige Kinderbilder; sie ließen sie sich bis zu 24 000 Euro kosten, gut oberhalb der Schätzung.

Die dem Brügger Maler Adriaen Isenbrant zugeschriebene, vor einer Nische im Renaissancestil thronende Maria mit zierlichem Kind brachte, in der regulären Auktion mit Alter Kunst, 44 000 Euro (20 000/30 000). Hirtenkinder, die ihre Ziegenherde nahe von Schloss Nymphenburg unter weißblauem Himmel hüten, malte Wilhelm von Kobell 1831; das Ölbild blieb mit 28 000 Euro etwas unter dem Schätzwert von 30 000 bis 40 000 Euro.

Die Abteilungen zur Angewandten Kunst verzeichneten für einen „Trenck-Becher“ 18 500 Euro (8000/10 000): Friedrich Freiherr von der Trenck, Ordonanzoffizier Friedrichs des Großen und Gerüchten zufolge der Liebhaber von dessen Schwester Amalie, vertrieb sich die Festungshaft in Magdeburg – er saß wegen Landesverrats ein – mit dem Gravieren von Sinnbildern und Inschriften in große Zinnbecher. Ein Augsburger Silberteller aus dem Tafelservice Kurfürst MaximiliansI. von Bayern erzielte 16 000 Euro (12 000/15 000), und ein in Venedig um 1700 überreich geschnitzter, von vier Schildkröten getragener Wandtisch kam auf 20 000 Euro (8000/12 000).

Papierarbeiten der Klassischen Moderne reüssierten mit einem Pastell Liebermanns von seinem Nutzgarten in Wannsee samt einer den Weg harkenden Gärtnerin; es bestätigte mit 27 000 Euro die Schätzung. So auch, mit 15 000 Euro, Lesser Urys sonniger „Landweg“ in derselben Technik. In der zeitgenössischen Offerte tat sich dann erneut ein Klassiker hervor, als drei Blatt von Warhols Offsetlithographie „Liz“, versehen mit Copyright- und Estate-Stempeln, von 1500 auf 31 000 Euro kletterten.

Quelle: F.A.Z.
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