Moderne bei Neumeister

Adler, flieg

Von Brita Sachs
 - 08:00

Das Münchner Auktionshaus Neumeister begeht das sechzigste Jahr seines Bestehens und Katrin Stoll, geborene Neumeister, ihr zehnjähriges Jubiläum als Geschäftsführerin. Nicht zuletzt ihr verdankt das Haus den Ausbau der Moderne-Abteilung. Am 8. Juni geht diese in eine neue Runde: Es beginnt mit einer farbflirrenden Impression aus dem Pariser Jardin du Luxembourg, „Sommer im Park“, um 1907, des frankophilen Amerikaners Maurice Brazil Prendergast (Taxe 100.000/150.000 Euro). Mit der tänzelnden Aktfigur „Schlangenbändigerin“ von Fritz Klimsch folgt eine dreiviertel-lebensgroße Bronze, die Noack um 1899 goss (60.000/ 80.000).

Als drittes Hauptlos gilt Gabriele Münters „Dorfstraße“ von 1908; eine rasche Murnau-Ölstudie, die seit 1982 in süddeutschem Familienbesitz war (150.000/200.000). Das dichte Angebot der Papierarbeiten durchbricht das „Monokel“ von Josef Scharl, dem in diesem Brustbild eines preußischen Militärs mit Augenglas 1929 eine psychologische Studie in Öl gelang (15.000/ 20.000). Die Erwartungen für Vasarelys „Sigle Olympique/Variante „verte-rouge“ von 1972/73 liegen bei 30.000 bis 40.000 Euro, und Chagalls 105 Radierungen starke Bibel-Illustrationen rechnen mit 50.000 Euro.

Die Zeitgenossen-Strecke erblüht mit Blatt 5 und 7 der Farbserigraphie-Reihe „Flowers“ von Andy Warhol (Taxe je 28.000/30.000). Der Schwerpunkt bleibt bei Auflagenwerken und Multiples, darunter Stephan Hubers „Pelmo“, eine schöne dreiteilige Leuchtkastenarbeit mit Bergmassivbildern (Auflage 5; 14.000/16.000). Eine kleine Strecke mit Zeichnungen und Gemälden von Markus Lüpertz gipfelt im vor dreißig Jahren gemalten „Triumph der Linie. Eins Mal Eins“ (10.000/15.000). Bei Cornelia Schleime triumphiert ein „Adler“, der auf fast drei Meter breiter Leinwand auf den Betrachter zuzufliegen scheint (48.000/50.000).

Und es gibt noch zwanzig Lose afrikanische Kunst, Figuren, beschnitztes Gerät und vor allem Masken, das Gros im mittleren vierstelligen Bereich. Gern würde man mehr über Provenienzen lesen, wie bei dem höchsttaxierten Objekt, einer mit Kaolin und schwarzem Pigment gefärbten Okuyi-Maske der Punu in Gabun, die ein französischer Offizier 1920 nach Europa brachte (35.000/40.000).

Quelle: F.A.Z.
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