Auktionen bei Ketterer

Überwiegend heiter bis sonnig

Von Brita Sachs
 - 08:00
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Vom 7. bis zum 9.Juni auktioniert Ketterer Lose von der Klassischen Moderne bis heute. Den Hauptveranstaltungen gehört der dritte Tag, mit Bildern voller Sommer, Wasser und Sonne: Diese geht 1913 bei Koloman Moser hellgelb hinter dem Rax-Massiv unter (Taxe 80.000/ 120.000 Euro), und orangerot färbt sie bei Jawlensky den Abendhimmel 1928 über der „Meereslandschaft Borkum“ (200.000/300.000). Auch Jawlenskys „Gelbe Häuser“ von 1909 erstrahlen im Sommerlicht auf diesem Gemälde mit langer Ausstellungsliste (250.000/ 350.000).

Max Pechstein findet 1925 „Am Genfer See“ über Häuser und Wasser hinweg einen schönen Ausblick bis zu den schneebedeckten Alpen, der jahrelang als Leihgabe in der Kunsthalle Emden hing (140.000/180.000). An den Luzerner See zieht es Lovis Corinth 1924 schon früh ganz dringend zum Malen; zwei Ansichten entstehen damals. Eine bewahrt die Hamburger Kunsthalle, die andere, „Luzerner See am Vormittag“, befand sich zeitweise in der Wiener Privatsammlung Rudolf Leopolds und geht nun für 300.000 bis 400.000 Euro an den Start.

Eher selten nimmt Emil Nolde Motive wie den „Bergsee mit Wolkenspiegelung“ zum Motiv; dort schwelgt er mit dem Aquarellpinsel in funkelnden Komplementärkontrasten (100.000/150.000). Seine vertraute „Marschlandschaft“ durchfurcht Nolde bis zu den Wolken hinauf mit graphisch schwarzen Konturen auf einem Aquarell, das einst dem 1933 nach Kanada emigrierten Sammlerehepaar Hugo und Madeleine Simons gehörte (120.000/150.000).

Es gibt auch Porträts von Nolde, darunter eines seiner Frau Ada, sie aquarellierte er 1930/35 in leuchtenden Farben, wie sie mit runden erstaunten Augen schräg aus der Bildfläche blickt (150.000/250.000). Einmal bricht aber doch der Winter in die Offerte ein: Alfons Walde hüllt das Dorf Aurach bei Kitzbühel in dicken Schnee (200.000/300.000).

Starlose bei der Kunst nach 1945

Die höchsten Taxen stehen hinter Losen der „Kunst nach 1945“. Als Nummer eins versucht sich dort Günther Ueckers Nagelfeld „Woge, Japan“ von 1995 an 600.000 bis 800.000 Euro: Im Titel drückt es Bewunderung für Hokusais berühmten Holzschnitt „Große Welle vor Kanagawa“ aus. Dicht bestückt ist die Abstraktion deutscher Malerei der Nachkriegsjahrzehnte mit Fred Thieler, K.O.Götz, Emil Schumacher und Ernst Wilhelm Nay, dessen „Purpurmelodie“ von 1951 aus der Serie der „Fugalen Bilder“ 200.000 bis 300.000 Euro ansteuert. Es gibt „Zero“ mit Uecker, Otto Piene, Heinz Mack oder Adolf Luther. Für den italienischen Zero-Zweig steht eine „Superficie blanca“ von Enrico Castellani, ein mit Leinwand über Metallstiften gebautes Bildrelief (250.000/300.000).

Auch eine Plastik zählt zu den Starlosen: Tony Craggs Bronze „Point of View“, deren zwei Meter hohe Gestalt zum Umkreisen verleitet und dabei immer neue Anlehnungen an menschliche Profile zeigt, soll 300.000 bis 400.000 Euro erlösen. Asger Jorns „Danseuse impertinente“ von 1955 wirbelt in Herzform, ist pure Bewegung (60.000/ 80.000). Wieder ist ein Werk Vasarelys im Angebot, sein „Dauve“ von 1977 lässt pulsierend Op-Art aufleben (200.000/ 300.000). Robert Rauschenbergs monumentales „County Sweep (Galvanic Suit)“, ein drei Meter breites Siebdruckgemälde auf spiegelndem Stahl, steht für eine starke Phase des amerikanischen Kunststars in den Achtzigern (250.000/ 350.000).

Ein unbetiteltes, 1994 gemaltes Rasterbild Sigmar Polkes lässt einen Konsumenten mit Einkaufswagen im Dschungel der Rasterpunkte ahnen (280.000/340.000). Arbeiten aus Gerhard Richters Ölbild-Unikat-Editionen scheinen weiterhin gefragt, jedenfalls spekuliert die Schätzung für ein Bild der Serie „Grün-Blau-Rot“, gefertigt für die Kunstzeitschrift „Parkett“, auf 200.000 bis 300.000 Euro und für eines der „Fuji“- Rakeleien sogar auf 250.000 bis 350.000 Euro. Wie bescheiden nimmt sich im Vergleich die Taxe von 180.000 bis 240.000 Euro für Konrad Klaphecks „Chefideologe“ aus, ein in Öl gemalter Unikat-Zwitter aus Bügeleisen und Wasserkessel.

In der mit sechzig Losen überschaubaren Offerte mit zeitgenössischer Kunst dominieren Werke von Künstlerinnen die Preisskala: Katharina Grosses knapp drei Meter breite, 1997 angelegte Farbfeldüberschneidungen von Rot, Türkis und Grün erfordern 90.000 bis 120.000 Euro. Ein Tigerfell, von Karin Kneffel ausgefeilt realistisch über wild floral gemustertem Teppich liegend gemalt, rangiert bei 75.000 bis 95.000 Euro, und Jorinde Voigts „Serendipity (16)“, in Blau, Blattgold und mehr Material auf Papier, bei 25.000 bis 35.000 Euro. Eine größere Werkauswahl Imi Knoebels liegt zwischen 8000 und 35.000 Euro, und wer Jeff Koons’ kleine sitzende Kitschballerina mag, wird für ein Exemplar der Auflage von 50 mit 60.000 bis 80.000 Euro rechnen müssen.

Quelle: F.A.Z.
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