Neumeister-Ergebnisse

Das Monster des Königs

Von Brita Sachs
 - 10:00
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Niemand weiß genau, wer das bezaubernde kleine Bild der heiligen Cäcilie malte, das den Auktionssaal von Neumeister in Spannung versetzte. Gezeigt ist eine junge Frau mit rotem Häubchen und Pelzumhang, die Hand mit dem Tintenfässchen stützt sie auf ein kleines Manual, das ihr als Patronin der Kirchenmusik beigegeben ist; sie hält im Schreiben inne und blickt versonnen vor sich hin. Der Katalog vermutete ihren Renaissance-Schöpfer im Umkreis des Antwerpeners Jan van Hemessen und taxierte das gut erhaltene Holztäfelchen auf 4000 bis 5000 Euro. Aber diese Rechnung war ohne die vielen Bieter gemacht: Am Ende hatte ein westdeutscher Händler am Telefon den Preis auf 52 000 Euro gehoben. Auch die Zuschreibung geriet ins Wanken: Am Rande der Auktion wurde vermutet, Jans Tochter Catarina van Hemessen könne die Autorin sein oder der etwa gleichzeitig in Holland tätige Meister der weiblichen Halbfiguren. Nicht hübsch genug war wohl ein rundlicher Kahlkopf (Taxe 6000/8000 Euro), den trotz großer Ausdrucksstärke niemand wollte. Da half nicht die einstige Zuschreibung an Pieter Bruegel d. Ä. und auch nicht die aktuelle an den Umkreis des Quentin Massys.

Ein „Monstre“ nannte Markgräfin Wilhelmine von Baden den Rudolph Wilhelm Eversmann: Der Höfling und enge Vertraute ihres ungeliebten Vaters König Friedrich WilhelmI. von Preußen begegnet uns auf einem Dreiviertelporträt aus der Werkstatt Antoine Pesnes als gutgenährter, äußerst selbstbewusster Herr in Samt und Seide. Eversmanns Bildnis stammt wie auch das – vom Bildnismaler Georg Lisiewski signierte – Gegenstück seiner Gattin Elisabeth aus dem Besitz von Nachfahren des Paars. Nicht auszuschließen ist, dass es sich bei dem Bieter im „Berlin Brandenburger Raum“ um eine öffentliche Institution handelt; der Zuschlag erging zur Untertaxe von 10 000 Euro.

Paul Emil Jacobs’ mit viel nackter Frauenhaut imaginierte „Szene aus einem Sklavenmarkt“ von 1839 reist zur oberen Schätzung von 60 000 Euro dorthin, wo sie spielt – nach Griechenland. In Süddeutschland bleibt Joseph Wopfners „Heuboot auf dem Chiemsee“ für privat gebotene 12 000 Euro (3000), und Spitzwegs stimmungsvolle Ölskizze der „Isarlandschaft bei Oberföhrung“ nahm ein Saalbieter für die geforderten 20 000 Euro. Fides und Spes stehen als eingelegte Figuren auf den Türen eines elegant dekorierten Fassadenschranks der Zeit um 1750. Als herausragendes Stück Regensburger Schreinerkunst brachte er es durch ein Privatgebot von 55 000 Euro (30 000/ 40 000) zum höchstbebotenen Los beim Kunstgewerbe. Es folgen eine, mit sechzehn Figuren komplette Commedia-dell’arte-Gruppe aus Nymphenburger Porzellan für 27000 Euro (14 000/ 16 000) und eine historistische Jardinière, deren überbordendes Dekor belgischem Handel 19 000 Euro (1400/1600) wert war.

Quelle: F.A.Z.
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