New Yorker Auktionen

Heilige und Sünderin

Von Rose-Maria Gropp
 - 10:00

Bei den Altmeister-Auktionen in New York hat Sotheby’s das wesentlich eindrucksvollere Angebot. Am 31. Januar kommen Werke aus dem Besitz des New Yorker Händler-Sammlers Otto Naumann zum Aufruf, die dessen erlesenen Geschmack spiegeln. Mit 400 000 bis 600 000 Dollar ist ein jugendlich kraftvoller Johannes der Täufer in der Wüste, den Giovanni Baglione 1610, unter dem Einfluss Caravaggios, malte, das Spitzenstück. Bei den 39 Losen finden sich ungewöhnliche Bilder wie eine heilige Irene, die den Kopf des heiligen Sebastian zärtlich im Arm hält: Das Gemälde des kaum bekannten Franzosen Paul La Tarte steht seinem Zeitgenossen Georges de La Tour nah (Taxe 20 000/30 000 Dollar).

In der Abendauktion bei Sotheby’s am 1. Februar finden sich keine spektakulären, aber gute Gemälde. Die höchste Erwartung gilt dem Porträt des Monsignor Cristoforo Segni, Maior Domus von Papst Innozenz X. Weil es, neben Pietro Martire Nero, mit Diego Velázquez bezeichnet ist, lautet die Erwartung auf drei bis vier Millionen Dollar. Stets attraktiv ist eine „Lucretia“ von Lucas Cranach d. Ä.; die hier Angebotene ist seit mehr als fünfzig Jahren in Familienbesitz (2/3 Millionen). Eine heilige Margarete, einst in der Sammlung des englischen Königs Kar lI. (F.A.Z. vom 16. Dezember 2017), wird Tizian und Werkstatt zugeschrieben (2/3 Millionen). Unter den Zeichnungen am 31. Januar ragt Goyas getuschtes Blatt „No llenas tanto la cesta“ heraus, das eine alte Frau mit einem übervollen Esskorb zeigt, als Mahnung vor dem Laster der Unmäßigkeit – dafür satt mit einer bis 1,5 Millionen Dollar dotiert.

Christie’s hat sich am 30. Januar ganz auf Zeichnungen beschränkt. Angeführt werden die 94 Lose von William Turners Aquarell „The Lake of Lucerne from Brunnen“. Die Ansicht des Panoramas über dem Vierwaldstättersee ist auf 800 000 bis 1,2 Millionen Dollar taxiert. Ihm folgt preislich eine ebenfalls aquarellierte Szene mit „Diana und Aktaion“ samt Nymphen des Giuseppe Cesari, genannt Cavaliere d’Arpino, entstanden wohl um 1620 (400 000/600 000). Hübsch ist das Köpfchen eines Mädchens mit schamhaft gesenktem Blick, das Jean-Baptiste Greuze als Studie für sein Gemälde „L’Accordée du village“, heute im Louvre, zeichnete (150 000/250 000). Für Liebhaber der Schwarzen Romantik gibt es Johann Heinrich Füsslis „Vision des Orestes“, in der ihm die Erinnyen den blutigen Leib seiner Mutter Klytämnestra entgegenschleudern (100 000/ 150 000).

Quelle: F.A.Z.
Rose-Maria Gropp
Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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