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Österreich-Bilanz 2017

Nicht ohne Schiele

Von Nicole Scheyerer, Wien
 - 10:00

Im Jahr 1918 fand die Epoche des Wiener Fin de Siècle ihr Ende, starben doch im letzten Kriegsjahr die Künstler Gustav Klimt, Egon Schiele und Koloman Moser. Anlässlich dieser Todestage eröffnen in der österreichischen Hauptstadt etliche Ausstellungen, und passenderweise führt auch die Auktionsbilanz 2017 ein berühmter Protagonist der Wiener Moderne an. Auf dem ersten Platz der Top Ten räkelt sich Egon Schieles „Liegende Frau“ von 1917 – auf einer marktfrischen Kreidezeichnung, die ihren Schätzwert von 700 000 bis 1,2 Millionen mit dem Zuschlag bei zwei Millionen Euro weit abhängte.

Ebenfalls mit Werken der Wiener Jahrhundertwende konnte das Kinsky die Plätze fünf und sieben im Ranking besetzen. Von Koloman Moser, der lange nur für seine Angewandte Kunst und kaum für seine Malerei gewürdigt wurde, punktete die violette Blütenpracht des Ölbilds „Schwertlilien“ (F.A.Z. vom 12. August) mit 480 000 Euro (Taxe 250 000/ 500 000). Von Schiele fand die frühe Ölstudie „Grüner Zaun“ Anklang: Die hochformatige Gassenansicht auf Malkarton führt an den Beginn von Schieles Laufbahn im Jahr 1907 zurück und spielte nichtsdestotrotz stolze 420 000 Euro (150 000/300 000) ein.

Sisi schenkte sich ihrem Franz - als Braut zu Pferd

Die Sparten Klassische Moderne und Zeitgenossen dominieren die Top Ten. Der berühmten Dargestellten und seiner Herkunft verdankt sich der Rang zwei für ein Werk aus dem 19. Jahrhundert: Das Reiterbild „Kaiserin Elisabeth als Braut zu Pferd“ von Carl Theodor von Piloty und Franz Adam (F.A.Z. vom 10. Juni 2017), das die junge Sisi ihrem „Franzl“ zur Verlobung schenkte, galoppierte auf unverhoffte 1,3 Millionen Euro (300 000/400 000). Das Porträt war bis zuletzt in des Kaisers Besitz und gelangte von dessen Erben auf den Markt.

Das Dorotheum setzte 2017 einen erfolgreichen Schwerpunkt auf das Informel und erzielte für den venezianischen Action Painter Emilio Vedova einen neuen Künstlerrekord: Vedovas expressives Großformat „Tensione N4V“ verdreifachte bei der mit Italienern stark besetzten Zeitgenossen-Auktion im Mai seine obere Taxe und war erst gegen ein Gebot von 650 000 Euro (Taxe 150 000/200 000) zu haben. Eine ähnlich ausdrucksstarke Malerei stellt „Patchy Quarrel“ aus der fruchtbarsten Phase des Cobra-Künstlers Asger Jorn dar. Das 1964 entstandene Bild wechselte erst bei 380000 Euro (150 000/200 000) den Besitzer; 2008 hatte es bei Christie’s noch halb so viel gekostet. Werke aus Josef Albers’ Serie „Homage to the Square“ fanden im Dorotheum mehrfach Anklang, so auch die Komposition „Earthen I“ von 1955, für die 420 000 Euro (170 000/220 000) bewilligt wurden.

Martin Böhm, der Direktor des Dorotheums, nennt zwar keine Umsatzzahlen, freut sich aber über das „stärkste Jahr“ in der Unternehmensgeschichte. Daran hatte auch die historisch zweitbeste Altmeister-Auktion des Hauses ihren Anteil, wenngleich ohne Millionenzuschläge: Bei Apollonio di Giovannis Tafelbild handelt es sich um eine Rarität, schmückte diese Holztafel doch einst einen „Cassone“, eine luxuriöse Hochzeitstruhe. Das in Tempera mit Gold gemalte, 157 Zentimeter lange Werk „Die Schlacht von Pharsalos“ schaffte es mit 550 000 Euro (400 000/600 000) in seinen oberen Schätzbereich. Eine Überraschung bescherte ein Doppelporträt aus der Antwerpener Schule, um 1620, als es anstatt der veranschlagten 30 000 bis 50 000 unverhoffte 380 000 Euro in die Kassen spülte. Ausgerechnet zu Halloween kam das Dorotheum ungewollt in die Schlagzeilen. Vor Beginn des „Tribal & Curiosity Sale“ sorgten mehrere Totenschädel-Kultobjekte aus Borneo, Neuguinea, Nigeria und den Philippinen für Debatten. Die auf 3000 bis 12 000 Euro taxierten Lose wurden daraufhin zurückgezogen. So viel Publicity hätte das Unternehmen viel lieber für den Spitzenpreis des Anatomiebuchs „De humani corporis fabrica libri septem“ von Andreas Vesalius geerntet: Die 1543 von dem italienischen Mediziner mit reichen Illustrationen herausgegebene Erstausgabe sauste vom Ausruf bei 180 000 Euro auf stolze 280 000 Euro und wurde so zum teuersten jemals im Dorotheum versteigerten Buch.

Auch Wolf-Dietrich Hassfurther in seinem Haus schaffte 2017 einen Spitzenpreis. Der seit fünfzig Jahren auf dem Wiener Parkett tätige Auktionator konnte das Gemälde „Der Maler (Selbstbildnis mit Palette)“ von Rudolf Wacker aus dem Jahr 1924 für stolze 450 000 Euro (150 000/300 000) veräußern und so Platz fünf der Top Ten erobern.

Zum Jahresende gab es noch Neuigkeiten aus dem Kinsky: Sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen kann das Auktionshaus mit dem neuen Miteigentümer Christoph la Garde begehen. La Garde wechselt von einer Personalberatung in den Kunstmarkt, ist dem Kinsky aber schon lange Zeit als auf Gegenwartskunst spezialisierter Sammler treu. Der fünfzig Jahre alte Manager wird sich auf Private Sales konzentrieren, und er will die Expansion der Sparten moderne und zeitgenössische Kunst vorantreiben.

Quelle: F.A.Z.
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