Berliner Ergebnisse

Prinzen daheim

Von Camilla Blechen
 - 16:22

Vor der Metamorphose des Berliner Stadtschlosses in ein Humboldt-Forum erfreuen sich malerisch festgehaltene Ansichten der verlorenen feudalen Interieurs aktualisierter Nachfrage. Im Rahmen der Frühjahrsauktion mit Kunst bei Bassenge in Berlin erzielte Friedrich Wilhelm Kloses Wiedergabe des Spielzimmers der preußischen Königskinder 38 000 Euro (Taxe 9000). Für 160 00 Euro (18 000) verkauft wurde Eduard Gaertners Blick in den Salon des Prinzen Waldemar. Ein 1853 von Johannes Rabe festgehaltenes Zimmer im Palais des Prinzen Albrecht, dessen opulente Bildersammlung auf einer himmelblauen Tapete hängt, stieg von 3500 auf 38 000 Euro. Von zahlreichen Bietern begehrt war die 1799 edierte Erstausgabe der „Caprichos“ von Goya mit dem Hauptblatt „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Zum Schluss übertrumpften 140 000 Euro (120 000), die ein privater Sammler bewilligte, die Gebote der Händler.

Das Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen investierte 26 000 Euro (12 000) in ein graphisch umgesetztes Motiv des Manieristen Giuseppe Arcimboldo, ein aus Küchengerät zusammengesetztes Porträt, dessen Original verschollen ist. Ebenfalls einen guten Preis erzielte Dürers Kupferstich „Der heilige Hubertus“: Das um 1501 entstandene „Meisterblatt“ war einem amerikanischen Sammler 34 000 Euro (15 000) wert. Gänzlich unerwartet stieg eine Ansicht der Grabeskirche in Jerusalem, ein Holzschnitt von Domenico dalle Greche, von 6000 auf 32 000 Euro, erworben von einem deutschen Enthusiasten. Zahlreiche russische Bieter bewarben sich um die „Schiffe in aufgewühlter See bei Mondschein“ des Marinemalers Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski; einer von ihnen bekam bei 95 000 Euro (50 000) Euro den Zuschlag für das – mit 28 mal 38 Zentimetern verhältnismäßig kleine – Ölbild aus dem Jahr 1843. Weniger Glück hatte Antonio Jolis Panorama „Der Golf von Bajae bei Neapel“: Auf 120 000 Euro taxiert, blieb das Großformat unverkauft. Dasselbe Missgeschick widerfuhr Lovis Corinths Halbakt der Schauspielerin Gertrud Eysoldt, taxiert auf 60 000 Euro, und Wilhelm Lehmbrucks für 40 000 Euro angebotenem Gips der „Kleinen Sinnenden“.

Als Spitzenstück aus der Kollektion eines amerikanischen Sammlers, der das Haus einen Sonderkatalog widmete, erzielte der optimistisch mit 150 000 bis 180 000 Euro bezifferte Holzschnitt eines „Liegenden Akts“ von Kirchner lediglich 115 000 Euro. Kirchners – ebenfalls 1909 entstandene – Kohlezeichnung „Dodo mit aufgestützten Armen“ überstieg dagegen mit 55 000 Euro die Schätzung von 30 000 bis 40 000 Euro. Ein Spätwerk von Käthe Kollwitz, die Lithographie „Saatfrüchte dürfen nicht vermahlen werden“, bewog einen Privatier aus Japan zur Investition von 65 000 Euro (70 000/90 000).

Im Rahmen der Buch-Auktion bei Bassenge hatte belgischer Handel 155 000 Euro (80 000) für eine kolorierte Weltchronik des Abraham Ortelius bewilligt. Zur Schätzung von 50 000 Euro übernahm ein privater Interessent die 1472 in der Mainzer Offizin des Peter Schöffer gedruckten Schriften des Bologneser Rechtsgelehrten Gratian. Das Frankfurter Freie Deutsche Hochstift erwarb für 38 000 Euro (35 000) ein etwas holpriges Huldigungsgedicht, das der Romantiker Novalis dem Göttinger Balladendichter Gottfried August Bürger im Mai 1789 als „Dero gehorsamster Diener Fridrich von Hardenberg“ übermittelt hatte. Die Verwaltung der bayerischen Schlösser, Gärten und Seen übernahm bei 7000 Euro (6000) einen Brief der Bayreuther Markgräfin Wilhelmine, der Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, an dessen Geistesbruder Voltaire.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Blechen, Camilla (C.B.)
Camilla Blechen
Redakteurin im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBerlin