Schweizer Auktionen

Kleiner Blauteufel

Von Felicitas Rhan
 - 09:59

Wie in jedem Jahr finden die umfangreichen Juni-Auktionen bei Kornfeld in Bern parallel zur Art Basel statt. Am 15. und am 16. Juni werden knapp 990 Lose versteigert, die Erwartungen belaufen sich auf 31,5 Millionen Franken. Diesmal stellt jedoch nicht das reiche Angebot der Schweizer Kunst die Spitzenwerke, sondern die Klassische Moderne: Allein von Picasso kommen 79 Lose, darunter das 27 mal 41 Zentimeter große Ölgemälde von 1953 „Maisons devant la colline“ mit einer Schätzung von 600 000 Franken und die zarte Federzeichnung einer spanischen Tänzerin „L’Espagnole devant le miroir“ (Taxe 300 000 Franken), die er auf dem Höhepunkt seiner „Blauen Periode“ im April 1903 in Barcelona fertigte; im folgenden Jahr ließ er sich dann endgültig in Frankreich nieder. Höhepunkt des Angebots bei Kornfeld ist – mit einer Erwartung von 1,5 Millionen Franken – Picassos komplette „Suite Vollard“, jene Folge von hundert Graphiken, die zwischen 1930 und 1937 entstand und die nach dem Pariser Verleger und Kunsthändler Ambroise Vollard benannt ist.

Juan Gris, Picassos Landsmann, malte 1916 auf eine Holztafel eine kubistische „Nature morte sur une table“, und auch Paul Klees „Kleiner Blauteufel – Blauteufelskopf“ von 1933 trägt abstrakte Züge; beide Bilder sind auf je 1,25 Millionen Franken geschätzt. Stark und selbstbewusst erstrahlt der Kopf einer Tahitianerin im Dreiviertelprofil auf der großformatigen Kohlezeichnung von Paul Gauguin, die der Künstler 1891/92 während seiner Zeit auf Tahiti festgehalten hat; die Schätzung liegt bei einer Million Franken. Emil Noldes „Begonien (Rot und Gelb)“ von 1929 leuchten mit dem fünf Jahre früher entstandenen Stillleben einer „Corbeille de fruits“ von Pierre Bonnard um die Wette (Taxe je 1 Million Franken). Und von Max Beckmann kommt auch bei Kornfeld ein 73 mal 54 Zentimeter großes Ölgemälde zum Aufruf: „Le Lac im Winter – Bois de Boulogne im Winter“ von 1939 ist eine schneebedeckte Landschaft ohne Personage; die Schätzung liegt bei 750 000 Franken.

Aus lackiertem Aluminium und galvanisiertem Stahl

Bei der Schweizer Kunst überzeugen die bekannten Vertreter: Alberto Giacomettis kleines dunkles Ölbild „Figurines“ von 1954 ist mit 900 000 Franken das höchsttaxierte Los der Sparte, gefolgt von Albert Ankers Sittenporträt „Suppe essendes Mädchen – Mädeli“ von 1898 (500 000), Cuno Amiets azurblauem „Stillleben“ von 1907 (400 000) und Félix Vallottons „Les Colliers“, einer reichhaltigen, 1919 entstandenen Nature Morte mit der Abbildung eines Gemäldes im Hintergrund, das vermutlich von seinem Malerfreund Pierre Laprade stammt (225 000).

Bei der Gegenwartskunst sticht eine unbetitelte Wandplastik aus lackiertem Aluminium und galvanisiertem Stahl von Donald Judd aus dem Jahr 1988 hervor (500 000) und Sam Francis’ Ölgemälde „Study for Moby Dick“ von 1958 (400 000). Gerhard Richters abstraktes „Rot-Blau-Gelb“ von 1972, hundert mal hundert Zentimeter groß, soll 350 000 Franken erreichen.

Beim Basler Auktionshaus Beurret & Bailly kommen am 21. Juni rund 460 Lose für eine Gesamterwartung von sieben bis neun Millionen Franken zum Aufruf, aufgeteilt in die Sparten Alte Kunst, Schweizer Kunst und Zeitgenossen: Das Spitzenwerk ist Ferdinand Hodlers Ölgemälde „Der Mäher“ von 1909/10, gemalt nach seinem Entwurf für die Hundert-Franken-Note, mit der die Schweizer Nationalbank 1908 Hodler beauftragt hatte und die auf begeisterte Resonanz stieß (1,3/1,6 Millionen).

Preislich folgt eine anmutige Szene „Rochers à Belle-Île“ von Henri Matisse aus dem Jahr 1897 (400 000/500 000) und Vallottons nackte Schönheit von „Les trois coussins rouges“ aus dem Jahr 1924 (300 000/500 000). Bei den Alten Meistern glänzt eine gut erhaltene, um 1300 entstandene Kalkstein-Büste aus Frankreich, die aus der Sammlung des Künstlers Maurice Denis stammt (100 000/150 000).

Quelle: F.A.Z.
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