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Wiener Ergebnisse

Sisi tut auch der Bilanz gut

Von Nicole Scheyerer/Wien
 - 10:02

Der Reiz von Kaiserin Elisabeth ist ungebrochen. Das bewies im Dorotheum ein jugendliches Sisi-Porträt, das die höchsten Zuschläge des ersten Halbjahrs in Österreich anführt. Dieses Verlobungsgeschenk für Kaiser Franz Joseph gelangte frisch auf den Markt, mit einer Taxe von 300 000 bis 400 000 Euro. Der Hammer für das Bildnis im Damensattel fiel erst bei 1,3 Millionen Euro. Die roten Signaturen stammen vom Historienmaler Carl Theodor von Piloty und vom Pferdespezialisten Franz Adam, von dem in Schloss Possenhofen bereits Gemälde hingen. Traditionell bedient das Dorotheum die Sammler habsburgischer Objekte mit seiner speziellen Sparte „Kaiserhaus“, wo 2015 schon ein Paar von Sisis Seidenstiefeletten für 75 000 Euro weggingen. Das Porträt der sportlichen Fünfzehnjährigen trat seinen Siegeszug allerdings in der schwächelnden Sparte 19. Jahrhundert an. Kaiser Franz Joseph hatte das Gemälde mehr als sechzig Jahre über seinem Bett hängen; seit seinem Tod 1916 blieb es in der Familie.

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Ein Künstlerrekord rangiert auf Rang zwei: Für 65 0000 Euro wurde die starke Abstraktion „Tensione“ von Emilio Vedova versteigert; das ist mehr als das Dreifache der Obertaxe von 200 000 Euro. Das Bild stellte einen Höhepunkt des Schwerpunkts mit Malerei des Informel dar, den das Dorotheum setzte. Den sechsten Platz der Top Ten errang das Ölbild „Study for Homage to the Square: EarthenI“, eine der Verschachtelungen von Josef Albers in Rot, Braun und Grün, das auf 420 000 Euro (Taxe 170 000/220 000) gekämpft wurde. Den neunten Platz – je 330 000 Euro – teilen sich eine kleine informelle „Composition“ von Nicolas de Staël (200 000/300 000) und Marino Marinis Bronze „Piccolo Miracolo“ (220 000/320 000).

Anspielungsreiches Sujet

Die Alten Meister stellen immer noch die prominenteste Abteilung im Dorotheum dar, auch wenn sie in den letzten Jahren oft von den Zeitgenossen überflügelt wurden. Im aktuellen Ranking belegt das Wiener Traditionshaus drei Stellen mit der Erfolgssparte: Auf eine 157 Zentimeter lange Holztafel, die einst den Deckel einer florentinischen Mitgifttruhe schmückte, malte Apollonio di Giovanni die vielfigurige „Schlacht vom Pharsalos“. Das Renaissance-Juwel gehörte im 19. Jahrhundert zur hochkarätigen Sammlung von Eugène Piot und gelangte später nach New York in die Berwind Collection. Für den Reichtum und die Bildung des ursprünglichen Auftraggebers spricht die Verwendung von Blattgold und die Wahl des seltenen antiken Sujets. Geschätzt auf 400 000 bis 600 000, spielte die „Cassone“-Tafel 550 000 Euro ein.

Für heiße Telefone sorgte im Dorotheum ein unbekannter Niederländer: Ein elegantes Paar, ein Herr mit weißer Halskrause und Hut und seine Dame mit Fächer, haben sich um 1620 von einem anonymen Vertreter der Antwerpener Schule porträtieren lassen. Die beiden 130 Zentimeter hohen Dreiviertelbildnisse schossen unerwartet in die Höhe bis zum siegreichen Gebot von 380 000 Euro (30 000/50 000), auf Rang sieben. Aus der Malerriege der Brueghels wird man in der Dorotheergasse immer fündig. In diesem Frühjahr machte Pieter Brueghel d. J. das Rennen: Das 22 mal 34 Zentimeter kleine, aus belgischen Privatbesitz eingebrachte Tafelbild „Die Vogelfalle“ mit seinem anspielungsreichen Sujet kletterte auf gute 340 000 Euro (200 000/300 000). Eine prächtige Nature Morte schickten bayrische Privatsammler nach Wien. Der große Realismus des „Stilllebens mit Blumenkorb und Früchten“ von Jean-Michel Picart überzeugte einst selbst den Sonnenkönig Ludwig XIV. Der aus Antwerpen stammende Künstler verwendete viel Aufmerksamkeit auf die Details und rahmte die Blütenpracht mit skulpiertem Steintisch und luxuriösen Vorhängen ein. Das Ölbild des Hofmalers konnte seine obere Taxe mit dem Hammerpreis von 320 000 Euro verdoppeln.

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Zwei einheimische Künstler unter den Top Zeitgenossen

Die Konkurrenz bei Im Kinsky kann im ersten Halbjahr mit zwei Spitzenwerken mithalten. Beide stammen aus der Klassischen Moderne, der stärksten Sparte im vor 25 Jahren gegründeten Unternehmen. Viel Freude löste im Juni eine neue Bestmarke für den Jugendstilkünstler Kolo Moser aus: 1911 begann der – lange Zeit vor allem als Kunstgewerbler bekannte – Secessionist die Schwertlilien im Garten seiner Villa in Nahsicht zu malen; er vollendete die lila Blumen drei Jahre später. Das marktfrische Bild enttäuschte die hohen Erwartungen von 250 000 bis 500 000 Euro nicht und lieferte mit 480 000 Euro einen neuen Auktionsrekord für den Künstler. Auch Egon Schiele war mit einem gefragten Frühwerk im Kinsky vertreten: Sein mit Öl auf Karton gemalter „Grüner Zaun“ zeigt einen Hof, in dem Hühner zwischen den Pflastersteinen nach Körnern picken. Das 1907 entstandene Hochformat kam mit dem Zuschlag bei 420 000 Euro (150 000/300 000) auf den sechsten Rang. Es sind nicht viele Ausreißer nach oben, die das Kinsky in der ersten Jahreshälfte zu verzeichnen hat; auch hausintern dominiert die Klassische Moderne: Von Schiele punkteten noch eine Kreidezeichnung mit der Vogelperspektive auf Krumauer Häuser, die sehr gute 270 000 Euro (80 000/160 000) brachte, und ein weiblicher Rückenakt für 250 000 Euro; beide Blätter gehörten einst dem Wiener Schriftsteller Otto Stoessl. Auch Gustav Klimts freizügiger „Liegender Halbakt mit angezogenem linken Bein“ von 1912/13 in blauem und rotem Farbstift spülte unverhofft gute 240 000 Euro (50 000/100 000) in die Kasse.

Zu den stets gefragten weiblichen Größen der frühen Moderne in Österreich zählt Olga Wisinger-Florian, von der bei der 118. Kinsky-Kunstauktion die mährische Alleeansicht „Der Fürstenweg in Raitz“ bei 115 000 Euro reüssierte. Bei den Zeitgenossen schafften es nur zwei Werke von einheimischen Künstlern in sechsstellige Höhe und erzielten je genau 100 000 Euro: Bruno Gironcolis golden bemalte Aluminiumfigur „HutnadelII“ und die monochrome Abstraktion „Champ d’énergie“ von Hans Bischoffshausen (Taxe je 40 000/80 000).

Auch Wolfdietrich Hassfurther mischt noch mit am Wiener Parkett: Sein Ein-Mann-Auktionshaus konnte immer wieder Höchstpreise für eine Handvoll österreichischer Künstler erzielen, allen voran für Alfons Walde. Aber nicht von dem Kitzbühler Bergspezialisten stammt der fünfte Platz des ersten Halbjahrs, sondern von Rudolf Wacker (1893 bis 1939). Der neusachliche Künstler der Zwischenkriegszeit wurde lange unter Wert gehandelt, aber Hassfurther setzte bei seiner letzten Auktion 25 für ihn eine neue Bestmarke durch. Das expressionistische Selbstporträt „Der Maler“ aus dem Jahr 1924, in dem sich Wacker wie ein trauriger Clown mit Palette vor der Leinwand festhält, ging für den Rekord von 450 000 Euro (150 000/300 000) an einen neuen Besitzer. Bereits 2008 hatte Hassfurther mit 275 000 Euro für das Gemälde „Bregenzer Achbrücke“ eine enorme Aufwertung des Vorarlbergers erzielt.

Quelle: F.A.Z.
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