Kunstmarkt
Spanien-Bilanz 2016

Ein Hauch von Melancholie

Von Clementine Kügler/Madrid
© Ansorena, F.A.Z.

Allein vier der zehn Spitzenlose im spanischen Auktionsjahr 2016 stammen von Joaquín Sorolla. Der produktive Maler führte schon die Hitliste des ersten Halbjahrs an, 325 000 Euro (Taxe 300 000) hatte der Monte Ulloa im Madrider Haus Goya im Februar gebracht. Im Dezember konnte die Firma Ansorena in Madrid doppelt nachlegen, allerdings gingen jetzt beide Werke bereits zur Schätzung weg: Für 250 000 Euro belegt das kleine pastellfarbene Ölbild „Eingang zum andalusischen Hof im Sorolla-Haus“, um 1918, Platz zwei der Top Ten Spaniens. Platz vier nimmt das Zwei-Meter-Breitformat „Preparando y arrastrando atunes“ ein. Die bewegte Szene, in der Männer große Thunfische hinter sich herziehen und verarbeiten, fand gegen ein Gebot von 200 000 Euro seinen neuen Besitzer. Das Gemälde besteht aus zwei Leinwänden – und ist ein alter Bekannter: In den Jahren 1997 und 2000 war es, für damals umgerechnet 200 000 Euro, vergeblich angeboten worden.

Auf Platz drei spielen sich Kinder gegenseitig einen Streich: Ein maskierter Junge erschreckt zwei in der Küche sitzende Mädchen so sehr, dass sie vom Stuhl fallen. „Travesuras infantiles“ des Italieners Gaetano Chierici, ein Ölbild von 1888, ist bei Balclis in Barcelona im Dezember bei 70 000 Euro aufgerufen und für genau das Dreifache, bei 210 000 Euro, zugeschlagen worden. Die Plätze fünf und sechs teilen sich gleichauf Salvador Dalí und Ramón Casas: Für Dalís Jugendwerk „Llac de Vilabertrán“ fiel der Hammer im April bei Fernando Durán in Madrid bei 170 000 Euro (160 000), und Ramón Casas’ „Joven con mantón“ fand, wieder bei Balclis, im Dezember einen neuen Liebhaber für ebenfalls 170 000 Euro (100 000). Seine junge Frau mit ihrem bestickten Seidentuch blickt den Betrachter melancholisch über die Schulter an.

Schaubilder zum Thema Rassenvermischung

Die Ränge sieben und acht nehmen der Andalusier Julio Romero de Torres und Marc Chagall gemeinsam ein. Chagalls „Malvenfarbener Vogel“ schwang sich bei Ansorena im September auf 150 000 Euro (110 000). Im selben Monat, nun aber wieder bei Durán, wechselte Romero de Torres’ „Retrato de la señorita de Alfonso“ von 1924 für schätzungsgemäße 150 000 Euro den Besitzer. Alfonso war ein gefeierter Fotograf, die Porträtierte seine Tochter; Romero de Torres setzt sie elegant vor eine Landschaft, ein Büchlein in der Hand, den aufmerksamen Blick leicht über die rechte Schulter dem Betrachter zugewandt. Im Mai war bei Alcalá in Madrid für 115 000 Euro Sorollas „Heiliger Franz Xaver“ im Nachverkauf abgegeben worden; die Taxe hatte bei 125 000 Euro gelegen. Das Bildnis nimmt Rang neun ein. Den zehnten Platz belegt eines der beliebten Schaubilder zum Thema Rassenvermischung aus der mexikanischen Schule. Das kleine Werk „Castas“ aus dem 18. Jahrhundert war, ebenfalls bei Alcalá, im Oktober auf 110 000 Euro (90 000) geklettert.

Im September bei Fernando Durán in Madrid erzielte Romero de Torres’ „Retrato de la señorita de Alfonso“ von 1924 seine Taxe von 150 000 Euro.
© Fernando Durán, F.A.Z.

Bereits außerhalb dieser Top Ten und unterhalb der 100 000-Euro-Grenze liegt der einzige Zeitgenosse, José Guerrero mit dem abstrakten Gemälde „Verde veronese“ von 1989, im Madrider Haus Segre im Dezember für 90 000 Euro. Genauso lautete der Zuschlag für ein weiteres Bild von Sorolla bei Alcalá im März, eine „Landschaft in Assisi, Bäuerin mit Federvieh“ befand sich lange Zeit im Besitz der Familie des Künstlers.

Der spanische Staat hat bei einer Reihe eher unspektakulärer Werke von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Das Das wertvollste Objekt ist ein Konvolut mit 1700 Greguerías (Aphorismen) und Briefen des Schriftstellers Ramón Gómez de la Serna. Fernando Durán hatte die Manuskripte im April für 35 000 Euro angeboten, der Staat hat sie für die Nationalbibliothek in Madrid erworben. Mit Ausnahme von Balclis in Barcelona stammen alle Zuschläge aus Madrider Häusern, weder Sevilla noch Bilbao sind dabei. Davon ließ sich die Gruppe Abalarte nicht entmutigen und eröffnete im Dezember mit Aragón Subastas in Saragossa ein neues Haus.

Quelle: F.A.Z.
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