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Spanien-Bilanz 2017

Bilder aus Cuzco und Manila sind teuer

Von Clementine Kügler, Madrid
 - 10:00

Das gerade vergangene Jahr begann und endete mit außergewöhnlichen Objekten und bescherte den wichtigen Auktionshäusern in Madrid und Barcelona Erfolge. Zum Rekord- und Spitzenlos avancierte das Diego Velázquez zugeschriebene kleine „Porträt eines jungen Mädchens“, das auch „Junge Immaculata“ genannt wird (F.A.Z. vom 5. August 2017). Es ging im ersten Halbjahr im Madrider Haus Abalarte, zur Schätzung von acht Millionen Euro, an einen spanischen Liebhaber. Das Bild darf nicht exportiert werden, weil es als nationales Kulturgut eingestuft ist.

Den zweithöchsten Preis des Jahres erzielten beim Auktionshaus Goya in Madrid im Dezember fünf Porträts von Mitgliedern der einflussreichen kreolischen Familie Vázquez de Acuña, die der peruanischen Cuzco-Schule des 18. Jahrhunderts zugeschrieben sind. Allein für das 200 mal 135 Zentimeter große Bildnis der Gemahlin des dritten Herzogs de la Vega de Ren, Francisca Bárbara Vázquez de Acuña, bewilligte ein anonymer Sammler 225 000 Euro. Diese Summe wäre schon den zweiten Platz in Spanien wert gewesen, doch der spendable Kunstfreund sicherte sich alle fünf Ölbilder zusammen: Die Schätzung dafür hatte bei 5000 bis 7000 Euro gelegen, der Hammer fiel erst bei 497 500 Euro. Das Haus hält sich bedeckt, der Käufer sei aber weder Spanier noch Peruaner. Auch das Museo de Perú in Lima ist, entgegen anderslautenden Berichten, nicht der neue Besitzer.

Zurück in die Heimat

Den dritten Platz im Ranking nehmen zwei Ölbilder mit ländlichen Szenen von 1899 aus der Philippinischen Schule ein. Sie wurden im Juli bei Segre in Madrid von 3000 auf 220 000 Euro angehoben. Obwohl seit einigen Jahren Sammler aus Manila Rekordpreise bezahlen, wenn es darum geht, Kunstschätze aus Spanien in ihre Heimat zurückzuholen, waren die Gemälde – ähnlich wie die fünf Porträts aus Peru – völlig unterschätzt.

Der heute 94 Jahre alte venezolanische Op-Art-Künstler Carlos Cruz-Díez belegt den vierten Platz: Seine zartgestreifte „Physichromie Nr. 694“ aus dem Jahr 1973 hat im Juli bei Fernando Durán in Madrid für 170 000 Euro (Taxe 120 000) den Besitzer gewechselt. Derselbe Käufer nahm auch noch das Werk eines anderen venezolanischen Op-Art-Künstlers, nämlich Jesús Rafael Sotos, bewegliche Assemblage „Blanc + blanc“ von 1970, für taxgemäße 140 000 Euro. Bei Durán waren noch zwei weitere Arbeiten aus den siebziger Jahren erfolgreich. Im Oktober und Dezember stritten dort mehrere Bieter um die begehrten Bilder von José Guerrero aus Granada: „Convergencia“ von 1976 kletterte auf 155 000 Euro (125 000) und das großformatige blaue „Oculto“ von 1979 auf 135 000 Euro (75 000). Ein weiterer Maler stammt aus Granada, allerdings lebte Alonso Cano im Barock: Sein „Tobias und der Engel“ wurde bei Abalarte im April, nach einem Bietgefecht, erst bei 150 000 Euro (35 000) zugeschlagen.

Subastas Balclis in Barcelona war mehrfach erfolgreich in seinen Auktionen, zum Beispiel mit dem französischen Maler Bernard Buffet: Dessen „Île de Bréhat“ von 1973 schaffte es im Oktober auf 130 000 Euro (80 000); das bedeutet Platz acht der Rangliste. Balclis hatte zuvor im Mai das Gemälde „Olivenhain auf Mallorca“ von Joaquim Mir aus dem Jahr 1901, entsprechend der Schätzung, für 125 000 Euro plazieren können. Der spanische Staat bewilligte dort, ebenfalls im Mai, 125 000 Euro für eine Tafel des Lluís Dalmau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts: Das „Martyrium des heiligen Baudilius“ wird im Museo Nacional de Arte de Cataluña (Mnac) in Barcelona ausgestellt werden.

Zu den Spitzenlosen gehört auch die farbig gefasste Holzskulptur eines San Pedro de Alcántara, die Pedro de Mena zwischen 1669 und 1688 gefertigt hat. Um diesen heiligen Petrus bewarben sich beim Auktionshaus Alcalá in Madrid im Oktober mehrere Interessenten, bis der Hammer erst bei 150 000 Euro (65 000) fiel.

Der Staat gibt sich restriktiv und spendabel

Einen hübschen Jahresabschluss wollte sich Fernando Durán mit einer außergewöhnlichen Büste von Kaiser Karl V. aus Carraramarmor gönnen. Verewigt hatten den Herrscher um 1555 in Mailand Vater Leone und Sohn Pompeo Leoni. Karl V. schenkte die Plastik dann seinem Hofchronisten Luis de Ávila y Zúñiga, dem Markgraf von Mirabel. Die Büste war bislang im Mirabel-Palast in Plasencia, in der Region Extremadura, ausgestellt. Dessen Besitzer sind heute Carlos Falcó, der Markgrafen von Griñón, und sein Bruder Fernando Falcó. Sie wollten den neunzig Zentimeter hohen Karl V. veräußern, versehen mit einer Schätzung von 400 000 Euro. Der Mirabel-Palast ist seit 1978 ein geschütztes Kulturgut, nicht aber die Büste; sie ist lediglich mit Exportverbot belegt. Dennoch hat die Regionalregierung der Extremadura ihre geplante Versteigerung verhindert. Das Auktionshaus, die Einlieferer und das regionale Kulturministerium einigten sich darauf, dass die Büste in den Palast zurückkehrt. Der ist seit 2011 zur Besichtigung geöffnet, und Karl V. als wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes habe dort seinen Platz, hieß es.

Mehr Glück hatte der Herzog von Alba, Carlos Fitz-James Stuart, mit einem Direktverkauf: Der Staat erwarb im November aus dem adligen Familienbesitz für die Staatsbibliothek in Madrid zwei einzigartige Handschriften und bezahlte 400 000 Euro dafür. Die eine ist ein kleines Manuskript aus dem 13. Jahrhundert, das vermutlich ein umherziehender Minnesänger benutzte. Die andere aus dem 15. Jahrhundert ist die spanische Übersetzung eines Textes von Papst Gregor I. über Hiob. Beide zusammen sind ein Schatz für die Bibliothek.

Quelle: F.A.Z.
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