Fragen an Maike Cruse, die Direktorin der Art Berlin

Stärker verkaufsorientiert

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Die neue Messe „Art Berlin. Fair for Contemporary and Modern Art“ findet als Nachfolgerin der „Art Berlin Contemporary (ABC) vom 14. bis zum 17. September in der Station Berlin zum ersten Mal statt. Rund 110 Galerien aus sechzehn Ländern nehmen teil, die Liste ist jetzt veröffentlicht.

Frau Cruse, die Art Berlin wird, wie gemeldet, von der Koelnmesse veranstaltet, die ja auch Trägerin der Art Cologne ist. Was bedeutet das genau?

Wir haben uns als ABC und Art Cologne zusammengetan und eine neue Veranstaltung mit dem Namen Art Berlin entwickelt, um den deutschen Kunstmarkt gemeinsam zu stärken. Damit werden die Erfahrungen und Expertisen beider Teams zusammengelegt und Synergien genutzt. Die Koelnmesse ist eine weltweit agierende Messegesellschaft, die die Veranstaltung langfristig aufbauen und stabilisieren will und infrastrukturell und finanziell auch die Möglichkeiten dazu hat.

Sie haben einmal gesagt, die vorherige Messe ABC sei „zu luxuriös gedacht“ gewesen. Soll die Art Berlin jetzt stärker verkaufsorientiert funktionieren? Kam dieser Wunsch nach einer „klassischen“ Messe in Berlin, zum Beispiel, auch von Galeristen und Sammlern?

Die ABC war ein sehr beliebtes und berlintypisches Projekt, das versucht hat, das Konzept Kunstmesse neu zu denken und eher als Ausstellung zu funktionieren. Nur Einzelpositionen zu präsentieren war auf die Künstler fokussiert und inhaltlich interessant, kommerziell war das eher schwierig. Die Galerien und Sammler haben sich eine Weiterentwicklung in eine klassische und stärker verkaufsorientierte Messe gewünscht, bei der man mehr Arbeiten präsentieren kann und sich als Sammler einen breiteren Überblick schaffen kann. Wir konnten diesen Schritt nur mit einem größeren Partner gehen und haben diesen in der Koelnmesse gefunden.

Wie sieht also das Profil der Art Berlin aus? Auf der Teilnehmerliste stehen ja eine Menge Namen internationaler Schwergewichte.

Wir haben das Segment stark verbreitert. Wir konnten viele ganz junge Galerien gewinnen, was sehr wichtig ist, denn die sind unsere Zukunft und arbeiten unter besonders schwierigen Bedingungen. Das mittlere Segment der etablierten zeitgenössischen Galerien ist sehr stark vertreten. Und dann haben wir auch – und das ist neu – Galerien aus dem Bereich der Moderne dabei.

Marc Spiegler, weltweiter Direktor der Art Basel, hat hier im Interview (F.A.Z. vom 6. Mai) betont, wie wichtig er gute Messen für einen gesunden Markt findet. Daniel Hug, der Direktor der Art Cologne, hat von einer „Kolonialisierung“ durch die Schweizer Messegesellschaft MCH Group, der die Art Basel gehört, gesprochen. Wie sehen Sie das?

Unser aller Bestreben ist, dass es sinnvolle Plattformen für unsere Galerien gibt, die den Kunstmarkt nachhaltig stärken. Je mehr davon funktionieren, desto besser. Galerien bauen Künstler auf und arbeiten mit ihnen im besten Fall ein Leben lang zusammen. Für den deutschen Markt, der eine große Kunstsammlerszene besitzt, aber durch die auf Bundesebene entschiedenen Gesetze der letzten Jahre auch geschwächt wurde, ist es eine zeitgemäße Entscheidung, Partnerschaften zu schließen und gemeinsam den Markt weiter aufzubauen. Aus Berlin kommen die zweitstärkste Galeriefraktion auf der Art Basel und zahlreiche Teilnehmer der Art Cologne: Ein stabiler Berliner Markt ist also auch für Basel und Köln qualitätsbildend – und vice versa. Diese Zusammenhänge sind uns allen absolut bewusst.

Gibt es ein Auswahlkommitee für die Art Berlin? Wenn ja, wer gehört dazu?

Wir haben schon lange über die Möglichkeit zu kooperieren gesprochen. Die finale Entscheidung kam allerdings erst kurzfristig, daher haben wir in diesem Jahr aus Zeitgründen Galerien zur Teilnahme eingeladen. Die Liste der eingeladenen Galerien wurde von Daniel Hug und mir bestimmt.

Die Fragen stellte Rose-Maria Gropp.

Quelle: rmg/F.A.Z.
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