Kunstmarkt
Wiener Auktionen

Tukanjäger

Von Nicole Scheyerer

Als sich der Wiener Auktionator und Experte Otto Hans Ressler 2013 aus dem Kinsky in den Ruhestand verabschiedete, war das kein endgültiges Adieu. Der Kenner des österreichischen Markts gründete die „Ressler Kunst Auktionen“ und veranstaltete im Frühjahr 2015 die erste Versteigerung der Firma. Mit dem Schwerpunkt auf mittelpreisige Werke heimischer Zeitgenossen fährt Ressler nicht schlecht. Am 20. Februar schwingt er zum sechsten Mal den Hammer im Loft der Fotogalerie Ostlicht, deren Eigentümer Peter Coeln zu den Gesellschaftern der jungen Firma zählt. Aufgerufen werden 225 Lose, darunter zahlreiche Graphiken und Editionen. Dabei ist auch eine frühe Kugelplastik von Erwin Wurm, die an die Pappmaché-Knödel seines Kollegen Franz West denken lässt, aber aus Beton ist (Rufpreis 9000 Euro). Von Wurms Kleiderskulpturen kommt ein säuberlich gefalteter Staubmantel in einer Glasvitrine von 1989 zum Aufruf (14 000). Des Künstlers Styropor-Objekt im Polo-Shirt „Mind-Bubble“ von 2007 stellt hingegen eine Art bekleidete Gedankenblase dar (35 000). Schon die Wiener Aktionisten erweiterten den Skulpturbegriff auf den menschlichen Körper hin. Von Otto Muehl sind sieben Silbergelatine-Abzüge ausschweifender Performances aus der Sammlung Francesco Conz vertreten (6500). Andy Warhol verarbeitete Aufnahmen des experimentellen Theaterstücks „Dionysus in ’69“, das die Mitglieder von The Performance Group als verknäulte, rotbeschmierte Leiber darstellt, zu einem eindrucksvollen Tableau (15 000). Düsterkeit herrscht bei Hermann Nitsch, von dem ein zwei mal drei Meter großes, schwarzes Schüttbild von 1992 zur Auktion gelangt (28 000).

Bei der Konkurrenz im Kinsky kommen am 1. März Zeitgenossen zum Aufruf. „Ma vie phantastique“ heißt Helmut Leherbs 1963 entstandenes Gemälde mit einem Paar, auf dem die Köpfe wie strahlende Monstranzen erscheinen (40 000/80 000). Als „Kostbarkeiten“ versteigert das Kinsky in der ersten März-Woche größtenteils niedrigpreisige Gemälde Alter Meister, des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne. Zu den Highlights zählen die dekorativen „Tukanjäger“ der Grazer Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth (20 000/40 000), und Wilhelm Thöny führt mit „Im Feld“, 1917 auf verschneite Almwiesen (35 000/70 000).

Quelle: F.A.Z.
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