Versteigerung von Dino-Skelett

Herbivor? Oder doch lieber karnivor?

Von Bettina Wohlfarth, Paris
 - 08:00

Nach Kunst, Wein, Automobilen und unbewohnten Inseln sind nun auch außergewöhnliche Fossilien zum trendigen Luxus-Investment geworden – allen voran die beinah mythischen Dinosaurier. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt sind stolze Besitzer je eines Dino-Skeletts. Der australische Schauspieler Russel Crowe verkaufte im April bei einer Auktion von Sotheby’s in Australien den Schädel eines Dinosauriers für 65.000 Dollar, den er Jahre zuvor Leonardo DiCaprio für 35.000 Dollar abgekauft hatte. Und Nicolas Cage ersteigerte 2013 bei der I.M.Chait Gallery in Beverly Hills den Schädel eines Tyrannosaurus für 276.000 Dollar, der sich dann allerdings als illegal eingeführtes Gut erwies. Cage gab ihn daraufhin an die Mongolei zurück.

Früher wurden die urzeitlichen Giganten vornehmlich von Museen und wissenschaftlichen Institutionen erworben oder von Mäzenen, die sich für die Paläontologie begeistern und ihr Skelett dann großzügig einer musealen Ausstellung zugänglich machen. Heute wollen vor allem private Sammler ihre Kollektion mit einer aufregenden symbolträchtigen Kuriosität bereichern. Aber auch für Firmen sind die Fossilien der Saurier zu einem originellen Werbemittel geworden.

Sotheby’s in New York war als eines der ersten Auktionshäuser dabei: Dort wurde 1997 ein Tyrannosaurus versteigert. „Sue“ hieß das außergewöhnliche, vollständig erhaltene Skelett, das bei umgerechnet 7,6 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Es wurde vom Field Museum in Chicago ersteigert, allerdings finanziert von einem privaten mäzenatischen Konsortium, zu dem Firmen wie McDonald’s und Walt Disney gehörten.

In Paris wurden 2018 schon zwei Skelette verkauft

In Frankreich werden die Dino-Fossilien aus so ferner Zeit seit fast zehn Jahren auktioniert. Das ist ein Nano-Bruchteil im Vergleich mit den Lebzeiten dieser Landwirbeltiere, die vor rund 235 Millionen Jahren erschienen und bis vor 66 Millionen Jahren die Erde bevölkerten. Beim Auktionshaus Aguttes in Neuilly bei Paris kam 2016 ein zweibeiniger, karnivorer Allosaurus für immerhin 885.000 Euro unter den Hammer. Den stolzen Preis bezahlte die Firma KléberRossillon, die naturhistorische Stätten wie den Nachbau der Chauvet-Höhlen verwaltet: Seither nutzt sie ihren Dino für Werbezwecke. Es ist aber doch eine Ausnahme, dass in diesem Jahr in Paris schon zwei Dinosaurier-Skelette in einer Auktion auftauchten. Am 11. April wurde bei Binoche und Giquello ein zwölf Meter langer Diplodocus, versehen mit einer Schätzung von 450.000 bis 550.000 Euro, für 1,18 Millionen Euro verkauft und ein kleiner Allosaurus, geschätzt auf 550.000 bis 650.000 Euro, für 1,15 Millionen Euro. Beide Fossilien gingen an denselben Bieter, einen australischen Privatsammler.

Die Preise für die fossilen Dinosaurier oder Teile von ihnen hängen vor allem, neben einer ganzen Portion Irrationalität auf Seiten der Bieter, von ihrer Vollständigkeit, ihrer Größe und entscheidend auch der Gattung ab. So sind – nach dem Motto: Je gefährlicher, desto reizvoller – fleischfressende Dinos teurer als ihre herbivoren Artgenossen. Aus diesem Grund hat das Exemplar, das bei Aguttes am 4.Juni versteigert wird – taxiert auf 1,2 bis 1,8 Millionen Euro und ausgestattet mit einer internationalen Ausfuhrgenehmigung –, beste Aussichten: Die Knochen sind zu siebzig Prozent erhalten, was viel ist, und auf eine Inox-Struktur montiert. Die spitzen Zähne im weit aufgerissenen Maul des karnivoren Urtiers wirken furchteinflößend, und auch die Dimensionen von neun Metern Länge und 2,6 Metern Höhe sind eindrucksvoll.

Das Skelett wurde 2013 in der Morrison-Formation im nordamerikanischen Wyoming bei Grabungen entdeckt. Weil diese Gesteinsformation im späten Jura entstand, finden sich dort immer wieder Dinosaurierfossilien. Beim Montieren der Knochen des Theropoden – eines zweibeinigen Fleischfressers, der vor etwa 157 bis 152 Millionen Jahren gelebt hat – wurden signifikante Unterschiede zu den bislang bekannten Gattungen festgestellt. Den Namen für diese neue Dino-Gattung darf der Käufer, im Rahmen der wissenschaftlichen Regeln dafür, dann selbst auswählen.

Die Auktion findet am 4. Juni statt, nur drei Tage bevor „Jurassic World: Das gefallene Königreich“, der fünfte Teil der „Jurassic Park“-Filmreihe, in die Kinos kommt. Einen spektakuläreren Ort dafür als den Eiffelturm hätte man in Paris nicht finden können. Dort wird das Theropoden-Skelett von heute an ausgestellt, im ersten Zwischengeschoss – und dort wird es dann auch versteigert werden, im Salon Gustave Eiffel: in 57 Metern Höhe und mit unverstelltem Blick auf Paris.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenParisVersteigerungLeonardo DiCaprioSotheby's HoldingsNicolas CageDollarDinosaurierWein