Kunstmarkt
Jahresbilanz Karl & Faber

Von verlorenen Bischöfen

Von Brita Sachs
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Der höchste Zuschlag der Münchner Herbstrunde 2016 fiel bei Karl & Faber. Er galt Alfons Waldes „Aufstieg“ von zwei Skifahrern in den Kitzbüheler Alpen, gemalt um 1929: ein begehrtes Sujet des österreichischen Künstlers, vor allem in der vorliegenden, vier kleine Skifahrer in der Ferne zeigenden Variante, die einstmals ein Werbeplakat des Tiroler Wintertourismus schmückte. 610 000 Euro (Taxe 500 000/600 000). Mit Aufgeld sind das 760 000 Euro, die ein österreichischer Händler, vermutlich im Kundenauftrag, bewilligte – und damit den bislang höchsten Auktionspreis für Walde bisher überhaupt. Auf Platz zwei rutscht so ein 2011 im Wiener Dorotheum für 500 000 Euro zugeschlagener Walde, auch dieser ein „Aufstieg“, jedoch ohne die vier im Hintergrund.
Der zweite Höhepunkt bei der Modernen Kunst kam direkt mit dem nächsten Los, Jean Metzingers verträumtem Maskenball „Fête galante: Trois grâces“; ihn bekam für 250 000 Euro (140 000/180 000) ein norddeutscher Sammler gegen einen Unterbieter aus Hongkong. Keine Hand hob sich für Metzingers „Nature morte“ mit Maske und Spiegel (130 000/150 000), auch Georg Schrimpfs schönes marktfrisches „Mädchen mit Spiegel“ ging zurück, vermutlich wegen zu forscher Taxe von bis zu 200 000 Euro. Karl Hubbuchs Bild einer Frau in Nahsicht beim Lippenanmalen vorm Spiegel von 1930/32 wechselte zur unteren Schätzung von 70 000 Euro an ein deutsches Privatgebot, während Otto Dix’ 1943 porträtierter „Herr Schaube“ für erwartete 50 000 Euro in eine schweizerische Institution reist. Als das im Saal und an zehn Telefonen meist bebotene Los der Sektion schnitt eine elegant Kreis und Vertikalen ausbalancierende Gouache-Komposition von František Kupka ab; für 19 000 Euro (9000/12 000) geht sie nach Tschechien.

Von Masaccio zu Filippino Lippi

Die zeitgenössische Offerte gipfelte in zwei der aktuell sehr gefragten Kissenbilder von Gotthard Graubner: 160 000 Euro (130 000/180 000) bot Schweizer Handel für ein großes grünes Exemplar dieser „Farbraumkörper“, und mit 95 000 Euro gönnte sich ein Münchner Sammler ein kleineres violettes Kissen weit über der Taxe von 60 000 Euro. Ein anderer ortsansässiger Sammler erstritt Richard Artschwagers auf faseriges Cylotex gemalte Amöbenform von 1969 für 27 000 Euro (15 000/20 000). Und es freute sich der Kurator der Münchner Pinakothek der Moderne über den für 100 000 Euro (90 000/120 000) gelungenen Ankauf von Jenny Holzers Textgemälde „Wish List Red“ zum Thema „alternative Verhörmethoden“.

Mit einem Überraschungscoup starteten die Alten Meister: Los Nummer eins, es zeigt die heiligen Bischöfe Ubaldus und Fridianus im Gespräch, stufte der Katalog als „florentinisch“ ein, wagte allerdings auch einen Hinweis auf Predellentafeln Filippino Lippis. Kurz vor der Auktion gelang die Sicherung dieser Vermutung durch eine alte Fotografie. Das 1496 entstandene Werk gehörte zur Pala di San Donato in Scopeto, deren große Mitteltafel mit der Anbetung der Könige heute die Uffizien in Florenz bewahren; die Predellenbilder sind verstreut, einige verschollen. 1901 noch als Werk Masaccios bei Christie’s ersteigert, blieb die Tafel seither in Privatbesitz und gelangte durch Erbfolge an den Einlieferer. Die Wiederentdeckung sorgte flugs für eine Anhebung der Taxe von 3000 auf 20 000 bis 30 000 Euro. Aber der Markt wusste es besser, raketenartig sauste der Preis auf 300 000 Euro, bewilligt vom Handel, wohl für eine amerikanische Privatsammlung. Unter italienischen Zeichnungen aus ehemaligem Besitz von Carmen Hertz Gräfin Finck von Finckenstein schnitt am besten ein Blatt des Genueser Barockmalers Lorenzo de’ Ferrari ab: Seine zwei munteren Amoretten stiegen dank Privatgebot von 1300 auf 11 000 Euro. Fünf Skizzen der Künstlerfamilie Dandini konnte die Staatliche Graphische Sammlung in München erwerben.


Ebenfalls in Bayern bleibt für 45 000 Euro (30 000/40 000) Gabriel von Max’ Äffchen, das unter dem Titel „Frühstück“ gerade über eine Libelle als Speisung nachdenkt. Doch zur Hauptattraktion beim 19. Jahrhundert gerieten, wie erwartet, die Werke Wilhelm Buschs aus der Sammlung Fritz Rehmert, Lippstadt. Knapp fünfzig Lose, in der Mehrzahl Gemälde, wechselten, sehr häufig zu Preisen oberhalb der Schätzung den Besitzer. Nicht weniger als neun Bilder und eine Zeichnung übernahm ein Privatsammler aus Norddeutschland, darunter die regenverwischte „Gewitterlandschaft mit Bauernhaus, Kühen und Fluss“, die mit 30 000 Euro (15 000/20 000) den derzeitigen Auktionsrekord für Busch hält. Ein regelrechter Run setzte auf die Zeichnung des berühmten Froschs ein: „Drei Tage war der Frosch so krank“, nun raucht er wieder sein Pfeifchen, Gott sei Dank. Ein Berliner Busch-Freund ließ sich das Blatt 14 000 Euro (1000) kosten.
Quelle: F.A.Z.
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Alfons Walde | Alpen