Auktionen bei Bassenge

Nicht ohne Melencolia

Von Camilla Blechen
 - 10:00

Auf furchtlose Bieter warten mehr als hundert Bilder und Objekte zum Thema „Memento Mori“, die das Berliner Auktionshaus Bassenge während der Auktionen mit Alter und Moderner Kunst vom 30. Mai bis zum 2. Juni anbieten wird. Das kulturhistorisch fesselnde Material aus unterschiedlichen Epochen und Weltgegenden entstammt mehrheitlich einer spanischen Privatsammlung; die Schätzpreise bewegen sich zwischen 120 Euro – für ein symbolistisches Exlibris des Italieners Alfonso Bosco – und 60.000 Euro für einen Frühdruck von Albrecht Dürers Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“. Bleierne Grabesstille verbreitet eine Louis-Jean Desprez zugeschriebene lavierte Federzeichnung mit einer ägyptisierend gewandeten Wächterfigur, taxiert auf 7500 Euro. Ebenfalls je 7500 Euro werden für zwei rätselvolle Lithographien des französischen Protosurrealisten Rodolphe Bresdin erwartet; Bresdins Radierung „La Comédie de la Mort“ steht bei 8000 Euro zu Gebot. Als Beobachter der Zeremonien auf einem mexikanischen Friedhof am „Tag des Todes“ ist der Fotograf Henri Cartier-Bresson präsent mit einem Vintage-Abzug (Taxe 2800 Euro).

Den Spitzenpreis der Sektion „Druckgraphik des 15. bis 17.Jahrhunderts“ soll mit 120.000 Euro das „am meisten besprochene und kommentierte Werk der Kunstgeschichte“ erzielen – Albrecht Dürers Kupferstich „Melencolia I“, in einem „äußerst harmonischen und samtenen, wohl noch zu Dürers Lebzeiten genommenen Abzug“. Die „Apokalyptischen Reiter“ aus der berühmten Holzschnitt-Folge von 1511 sollen 45.000 Euro bringen, ebenso wie das aufgeregt debattierende Quartett der „Eifersucht“. Den dreißig Dürer-Blättern folgen vierzehn von Rembrandt, darunter eine pittoreske „Windmühle“ (24000). Als Rarum gepriesen, gelangt Gerrit Pietersz. Sweelinks Radierung „Die Ruhe auf der Flucht“ zum Aufruf (45.000): Der 1566 in Amsterdam geborene Künstler hinterließ neben zahlreichen Bildern nur insgesamt sechs Radierungen von außergewöhnlicher technischer Brillanz, Wunschobjekte einschlägig orientierter Sammler.

Deutsche und österreichische Maler haben ihren Auftritt bei der Kunst des 19.Jahrhunderts. Der Berliner Wilhelm Hensel porträtierte Prinz Wilhelm von Preußen in Dragoner-Uniform (15.000), Franz Xaver Gruber monumentalisierte eine „Mariendistel“ (16.000), und August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Nachfolger Karl Blechens im Berliner Lehramt, nahm die Ruine der Abteikirche von Paulinzella ins Visier (9000). Der Wiener Hans Makart, eine Dame im Renaissance-Kostüm (9000) vor Augen, orientierte sich an Rembrandts Saskia-Darstellungen, der Dresdner Oskar Zwintscher an den Präraffaeliten, als er 1912 seine bildschöne Ehefrau Adele im attraktiven Hamsterpelz (35.000) verewigte.

Für Liebhaber von Miniaturen bietet sich die Chance der Wahl unter 130 kleinformatigen Porträts anonymer oder namhafter Modelle: Begehrlichkeiten dürfte Johann Heusingers Profilbildnis der Königin Luise – inklusive einer Haarlocke von ihr – auslösen, das für 5000 Euro zum Verkauf steht. Das Konterfei ihres Sohns Friedrich Wilhelm IV. im Schmuck des Schwarzen-Adler-Ordens soll 1500 Euro kosten. Muscheln und Schnecken faszinierten den österreichischen Sonderling Aloys Zötl; sechzehn Exemplare in Wasserfarben wären bei 6000 Euro abrufbar. Mit einer Taxe von 20.000 Euro übertrifft Fernand Khnopffs Porträt einer Belgierin, die unter dem Namen „Madame Jules Ricard“ literarischen Ruhm erlangte, Adolph von Menzels Brustbildnis einer alten Frau, das bei 7500 Euro steht.

In der abschließenden Auktion Moderner Kunst firmieren vier Gemälde aus dem Nachlass des jüngst verstorbenen Berliner Malers Johannes Grützke, darunter das Großformat „Vier alte Männer von einer Frau durchwoben“ (30.000). Offenbar in großer Eile, hielt Georg Tappert eine „Sitzende im Café“ (18.000) mit Ölfarben auf Leinwand fest. Ebenfalls Anfang der zwanziger Jahre amüsierte sich George Grosz über den Kult um „Lady Hamilton. Lord Nelsons Last Love“ (8000) und brachte seine Vision ihres textilfreien Körpers mit spitzer Feder zu Papier.

Erfreulicher anzusehen sind Otto Muellers „Fünf gelbe Akte am Wasser“ (30.000) auf einer Lithographie von 1921. Unter den stets gut absetzbaren Kleinplastiken locken August Gauls „Zwei kleine Löwen“, Renée Sintenis’ „Schönmachender Hund (Philipp)“ und Ewald Matarés „Kälbchen“ (Taxen 8000 bis 10.000 Euro). Dem Marktgiganten Günther Uecker darf man sich bei Bassenge auch mit kleiner Münze nähern: für Multiples und Prägedrucke zu Taxen zwischen 2500 und 6000 Euro.

Quelle: F.A.Z.
Camilla Blechen
Redakteurin im Feuilleton.
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