Vorschau Lempertz-Auktionen

Eine Soubrette, in Gedanken versunken

Von Richard Hagemann
 - 10:00

In den Auktionen mit Alten Meistern und Kunst des 19.Jahrhunderts bei Lempertz in Köln am 16.Mai kommen 28 Lose aus dem Nachlass von Joachim Kardinal Meisner zum Aufruf. Meisners Kennerschaft und Liebe zur Kunst zeigen sich in seinem Engagement für Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums. Dagegen bekundete er offen seine Ablehnung von Gerhard Richters Fenster im Kölner Dom. Spitzenwerk der Meisner-Lose ist ein kleiner Klappaltar aus dem 14.Jahrhundert, der eine Madonna mit Kind und Heiligen und eine Kreuzigung zeigt. Die Zuschreibung an den Meister des Tobias durch die Experten von Lempertz bedingt eine Schätzung von 120.000 bis 160.000 Euro. Meisner hatte das Werk aus dem Nachlass der Künstlerin Hildegard Domizlaff erhalten.

Stillleben und Landschaften dominieren das Altmeister-Angebot. Vorne rangiert ein „Stillleben mit Blüten und Blättern, Schmetterling und Eidechse“ des Niederländers Johannes Bosschaert, das seine kühle Akkuratesse auszeichnet (Taxe 200.000/250.000 Euro). Es folgen „Äpfel, Quitten, Pflaumen und Kirschen in einem Weidenkorb“ von Juan van der Hamen y León (120.000/1600.00). Gerret Willemsz. Heda präsentiert ein „Stillleben mit Hering, Römer, Wanli-Schale und einem Brot“als eines seiner „monochromen Banketjes“ in ihrem vom Grundton ausgehenden reduzierten Kolorit (100.000/120.000). Schwungvoller Pinselduktus zeichnet ein „Capriccio“ des Jahres 1770 von Francesco Guardi aus, im Spiel von Licht und Schatten in einer städtischen Phantasielandschaft mit zerfallenem Torbogen (180.000/200.000). Weitere Szenerien liefern Marten Ryckaert mit drei kleinen „Landschaftsbildern mit Figuren und Tieren“ (90.000/ 100.000) und Pierre Patel mit einer „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“ (120.000/150.000).

Zwei Gemälde zeigen den 1519 heiliggesprochenen Ordensgründer Franz von Paola: Jusepe de Ribera malt ihn um 1640 mit rotgeränderten Augen, den Blick gen Himmel gerichtet; die Tafel mit der Aufschrift „Charitas“ in seiner Linken verweist auf das Motto seines Ordens (100.000/140.000). Der venezianische Barockmaler Giovanni Battista Piazzetta verstärkt seine Darstellung durch ein Chiaroscuro, das die Andacht und Strenge des als Wundertäter Verehrten betont (80.000/90.000).

Eva Gonzalès, Schülerin Édouard Manets, schuf in „La Soubrette“ das einfühlsame Porträt einer Kammerzofe, die den Hausputz unterbricht und gedankenverloren das Tuch in ihrer Hand betrachtet; die Erwartung für das Ölbild von 1865/70 liegt bei 120.000 bis 140.000 Euro. Veduten und Landschaften dominieren das Feld des 19.Jahrhunderts. So richtet Felix Ziem den „Blick auf Istanbul und den Bosporus“ samt im Dunst des Sonnenuntergangs liegender Hagia Sophia (60.000/80.000). Jacob Philipp Hackert gibt den „Blick auf das Arnotal und Fiesole“ frei (70.000/90.000). Für Carl Gustav Carus’ kleinen Karton „Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein“ werden 30.000 bis 40.000 Euro aufgerufen, und Oswald Achenbach zeigt in seiner „Rom-Ansicht mit der Engelsburg“ einen Angler vor malerischer Kulisse (15.000/20.000); beide Gemälde werden zugunsten der Kardinal-Meisner-Stiftung versteigert.

Quelle: F.A.Z.
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