Kunstmarkt
Kölner Ergebnisse II

Wenn Schmetterlinge stören

Von Felicitas Rhan

Den Auftakt zu den Mai-Auktionen bei Lempertz in Köln machte die Alte Kunst: Obwohl von den 369 Losen nur weniger als die Hälfte zugeschlagen werden konnte, kam das Haus – dank gut laufender Kunstgewerbe-Auktionen – auf einen Gesamtumsatz von 7,5 Millionen Euro; erwartet waren insgesamt 5,8 bis 7,5 Millionen. Zum teuersten Werk wurde das Highlight unter den Alten Meistern, Joos van Cleves schönes kleines, zwischen 1525 und 1530 entstandenes „Bildnis einer Dame als Maria Magdalena“ mit dem Zuschlag bei 240 000 Euro (Taxe 220 000/ 250 000). Das Porträt erwarb ein russischer Sammler, der sich noch dreizehn weitere Lose zuschlagen ließ – darunter ein detailverliebtes „Früchtestillleben“ für 90 000 Euro (60 000/80 000), das Jan Mortel 1716 gestaltete, und zwei Tafelbilder vom Gebirgs- und Tiermaler Roelant Savery für 28 000 Euro und 70 000 Euro (je 30 000/40 000). Die nach seiner Italien-Reise 1779 entstandene „Landschaft mit sizilianischen Tempeln“ von Jacob Philipp Hackert blieb beim Zuschlag von 120 000 Euro (130 000/160 000) zwar unter der Schätzung, wurde aber trotzdem zum zweitteuersten Los bei der Alten Kunst. Die auffällige „Madonna mit Kind“ aus der Nachfolge von Jan van Eyck (150 000/170 000) blieb unverkauft wie auch Hendrick Vrooms stürmisches Seestück „Segelschiffe am Strand von Scheveningen“ (180 000/200 000).

Beim 19. Jahrhundert überraschte ein wohlbeleibter Pfarrer mit Hut, der verzweifelt versucht, mit seinem Spazierstock zwei lästige Schmetterlinge zu vertreiben: Das amüsante Ölgemälde „Gestörte Kontemplation“ von Carl Spitzweg war einem deutschen Sammler 80 000 Euro wert, das Vierfache seiner unteren Taxe. Auch Barend Cornelis Koekkoeks 33 mal 42 Zentimeter große Landschaft von 1855 „Waldrand mit Kuhtränke“ überstieg ihre Taxe erheblich; gegen ein Gebot von 125 000 Euro (40 000/50 000) ging das Bild in englischen Handel. Ludwig Langes dekoratives Gemälde „Das Tor der Athena Archegetis in Athen und die römische Agora von Westen“ reüssierte bei 80 000 Euro (28 000/35 000). Hinter ihren Erwartungen zurück blieben sowohl Oswald Achenbachs 1881 gemalte „Küstenlandschaft an der Bucht von Neapel“ mit 70 000 Euro (80 000/100 000) und die nur neun mal sechzehn Zentimeter kleine Federzeichnung von Caspar David Friedrich mit 35 000 Euro (40 000/50 000); verkauft wurden sie aber beide.

August Mackes idyllisches Familienporträt „Kaffeetafel im Garten“ von 1912, das Spitzenlos der Moderne-Offerte, wurde für 480 000 Euro (400 000/500 000) zugeschlagen, gefolgt von der lieblichen Straßenszene „La Place Saint-Pierre et le Sacré-Cœur de Montmartre“, die Maurice Utrillo 1938 in Öl festhielt: Das 41 mal 33 Zentimeter große Gemälde erreichte mit 220000 Euro (80 000/100 000) mehr als das Doppelte seiner oberen Taxe.

Von diesen Erfolgen abgesehen, lief die Auktion eher schleppend: Weniger als die Hälfte der 217 angebotenen Lose wurden zugeschlagen, nur fünf davon schafften ein Ergebnis über 100 000 Euro. Dennoch beläuft sich der Umsatz nach Angaben des Hauses auf knapp 3,3 Millionen Euro, erwartet waren 2,4 bis 3,4 Millionen. Emil Noldes dynamisch aquarellierten „Vormittagswolken“ von 1925 (90 000/100 000) blieb hängen, ebenso das farbgewaltige, 1933 entstandene „Blumenstillleben mit Buch“ von Philipp Bauknecht (100 000/120 000). Die lustigen Vögelchen auf Franz Radziwills Gemälde „Einmal nah, einmal fern“ von 1956 reüssierten bei ihrer Obertaxe von 40 000 Euro.

Bei den Zeitgenossen erreichte Josef Albers’ gelb-orangefarbene Studie „Homage to the Square“ von 1961 mit dem Zuschlag von 500 000 Euro das Doppelte ihrer Schätzung, und Gerhard Richters 1932 entstandene, kleine graue Ölskizze „Vorhang“ schaffte es auf 290000 Euro (250 000/350 000). Bei 100 000 Euro fiel der Hammer sowohl für Keith Harings 75 Zentimeter hohe „Pyramid Sculpture“ von 1989 (Auflage15 + 6 AP; 100 000/150 000) als auch für Marwans unbetiteltes Ölgemälde eines angeschnittenen Kopfs von 1976 (80 000/100 000). Christos Collage von 1992 „Mein Kölner Dom, wrapped“ – die Idee, das Kölner Wahrzeichen zu verhüllen, verfolgt der Künstler bereits seit 1980 – blieb unverkauft (100 000/150 000). Insgesamt setzen die Zeitgenossen 4,7 Millionen Euro um, bei einer Erwartung von 3,5 bis 4,3 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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