Auktionsüberraschung

Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf

Von Brita Sachs
 - 14:30

Als Karl Ferdinand Wimar seine „Indianer mit Pferden“ in der Prärie malte, hatte er noch keinen amerikanischen Ureinwohner leibhaftig gesehen. Die lebensnahe Szene entstand nicht einmal in Amerika, obgleich Wimar (1828 bis 1862) als Fünfzehnjähriger mit seiner Familie von Siegburg nach St. Louis ausgewandert war. Erst als er seine dort begonnene Künstlerausbildung in Düsseldorf fortsetzte, fand er zu seinem Lebensthema. Kleidung, Waffen, Federschmuck ließ er sich zwecks authentischer Schilderungen an den Rhein schicken und begann seine Erfolgsserie von Indianern bei der Jagd und auf dem Kriegspfad. Bei Art & Auktionen Scheublein in München entbrannte jetzt ein heißer Kampf um „Indianer mit Pferden“. Das Bild, wohl eine Vorstudie zum größeren, im St. Louis Art Museum befindlichen „Captive Charger“ von 1854, hing bei der Gräfin Landberg in Schloss Tutzing am Starnberger See, aus deren Nachlass es 1916 Helbing in München versteigerte. Nach hundert Jahren kam das Werk nun aus der Münchner Familie des damaligen Käufers auf den Markt zurück. Geschätzt auf bescheidene 6000 Euro, umworben von internationalen Bietern an vierzehn Telefonen, erzielte es stolze 115 000 Euro, inklusive Aufgeld bezahlt siegreicher Londoner Handel 150 000 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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