Zeichnungen der Gebrüder Fries

Zwei Meister von Licht und Schatten

Von Laura Henkel
 - 10:00

Die Zeichnungen der Brüder Ernst und Bernhard Fries sind ein Glücksfund der ganz besonderen Art. Als die rund achtzig Blätter aus dem frühen 19.Jahrhundert dem Galeristen Thilo Winterberg in die Hände fielen, wusste er zunächst gar nichts über deren Herkunft. Erst eingehende Recherchen ergaben den Namen des Kunstsammlers und Architekten Eugen Dreisch, der sie von der Ehefrau des verstorbenen Bernhard Fries erworben hatte. Nun haben die Galerien Joseph Fach in Oberursel und Winterberg Kunst in Heidelberg gemeinsam einen Katalog erstellt, der vorwiegend Natur- und Landschaftszeichnungen der beiden Brüder enthält – darunter einige Schätze.

Als Söhne des Bankiers und Gemäldesammlers Christian Adam Fries waren Ernst und Bernhard von Kindheitstagen an stets von Kunst umgeben. Die wohlhabenden Verhältnisse der Familie erlaubten es den Brüdern, eine künstlerische Ausbildung zu absolvieren und schließlich Landschaftsmaler zu werden. Ihre eingehenden Beobachtungen der Natur spiegeln sich im Werk der beiden Künstler wider, das überwiegend aus Bleistiftzeichnungen besteht. Thilo Winterberg sieht darin die höchste Form des künstlerischen Schaffens: „Kein anderes Kunstwerk entsteht so spontan wie eine Zeichnung.“ Diese Spontanität lässt sich auch im Schaffen der Fries-Brüder finden, das eine ganze Bandbreite an Zeichnungen aufweist, deren skizzenhafter Charakter den Eindruck vermittelt, sie hätten ihren Bleistift gerade erst kurz aus der Hand gelegt, um einen Moment innezuhalten.

Ernst Fries, der Ältere der beiden, entwickelte sich in seinem nur 32 Jahre währenden Leben zum hervorragenden Meister im Studium von Bäumen und Landschaften. Ein Großteil seiner Arbeiten ist in der Gegend um Heidelberg und während einer Reise entlang des Rheins entstanden. Ernst Fries machte es sich zur Aufgabe, die Besonderheiten in Form und Wachstum der Pflanzen so präzise wie möglich wiederzugeben: Das lässt sich zum Beispiel auf einem „Studienblatt mit Laubbäumen und Füchsen“ erkennen, das um 1820 vermutlich bei einem Spaziergang im Wald entstand (3500 Euro). Neben der detaillierten Zeichnung des Blattwerks und der Verästelungen einer majestätischen Baumkrone gewinnt das Blatt besonderen Charme durch die zwei Füchse, die sich auf den linken Rand der Zeichnung geschlichen haben. Einen hübschen Kontrast dazu bildet der „Künstlerfreund am Waldrand“, gezeichnet 1822 bei einer Reise an den Genfer See (9800 Euro).

So naturgetreu wie möglich

In der Sammlung finden sich auch diverse Blätter aus der Zeit von Ernst Fries’ mehrjährigem Italien-Aufenthalt zwischen 1823 und 1827, vor allem Stadtansichten und Landschaften. Besonders eindrucksvoll ist die Bleistiftzeichnung „Rom, Blick von den Caracallathermen auf San Giovanni in Laterano“ von 1824/25 (12800 Euro). Das Blatt „Faleri, etruskische Grabkammern“ von 1826 zeigt in akribischer Genauigkeit die in Fels gehauenen Kammer- und Schachtgräben, von reichlich Buschwerk gesäumt (14000 Euro). Fries war einer der wenigen deutschen Maler, die sich diesem Motiv im frühen 19.Jahrhundert widmeten.

Die Arbeiten seines deutlich jüngeren Bruders Bernhard zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass dieser sich verschiedener Stilformen bediente und so ein vielseitiges Œuvre schuf. Nicht zuletzt weil es an persönlichen Aufzeichnungen mangelt, können ihm heute nur schwer Arbeiten mit Sicherheit zugeschrieben werden. Anders als sein älterer Bruder, der sehr viel Wert auf Präzision in der Erfassung seiner Sujets legte, gestaltete Bernhard seine Natur- und Landschaftszeichnungen deutlich gröber und beschränkte sich oft auf Umrisse, wie die Feder- und Pinselzeichnung einer „Baumgruppe bei Narni“ zeigt (2200 Euro).

Bernhard Fries wollte Landschaften so naturgetreu wie möglich wiedergeben, ohne sich in Details zu verlieren. Einen guten Eindruck davon vermittelt sein Ölgemälde „Jäger auf einer Lichtung im Heidelberger Stadtwald“ von 1841/42, wo der Maler mit aufsteigenden Nebelschwaden über dem Neckartal der Landschaft kunstvoll Leben einhaucht (9500 Euro). Wie sein Bruder widmete sich auch Bernhard Fries italienischen Motiven auf Reisen. Doch obgleich die Zeichnungen der Brüder häufig ähnliche Ansichten zeigen, unterscheiden sie sich in ihrer künstlerischen Ausrichtung wesentlich voneinander. Gemein ist ihnen die Kunst, mit dem Bleistift eindrucksvolle Spiele von Licht und Schatten auf dem Papier zu erzeugen.

Der gemeinsame Katalog von Fach und Winterberg kostet 25 Euro. Die Blätter sind noch einmal vom 14. bis zum 18.April bei Winterberg Kunst in Heidelberg ausgestellt.

Quelle: F.A.Z.
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