Galerist Georg Kargl

Unermüdlicher Promotor

Von Nicole Scheyerer
 - 10:00

Bis zuletzt wollte er gestalten, interessante Positionen fördern und den Leuten seinen Kunstbegriff vermitteln: Der Wiener Galerist Georg Kargl lebte für seine Arbeit, auch noch, als er körperlich nurmehr schlecht dazu in der Lage war. Trotz Sauerstoffgerät nahm er persönlich an Messen wie der Art Basel oder der Frieze teil. Kargl wurde 1955 in eine niederösterreichische Baumeisterfamilie geboren; Architektur und Design zählten stets zu seinen Leidenschaften. Im Jahr 1976 begann er mit Antiquitäten des Wiener Jugendstils zu handeln, als diese Stilrichtung in seiner Heimat noch sträflich unterschätzt war. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Christian Meyer eröffnete Kargl eine Filiale in New York, und diese Stadt befeuerte sein Gespür für zeitgenössische Tendenzen. Mit ihrer Galerie Metropol in der Wiener Innenstadt sattelten die beiden 1988 auf Gegenwartskunst um und präsentierten Ausstellungen künstlerischer Großkaliber wie Bruce Nauman, Andrea Fraser oder Hanne Darboven.

Nach der Kunstmarktflaute der neunziger Jahre eröffnete der Galerist 1997 „Georg Kargl Fine Arts“. Der vernachlässigte Stadtteil des Freihausviertels erlebte durch sein Engagement und den Zuzug von Kolleginnen den Aufschwung zum schicken Galerienquartier. So speziell wie seine Räume in der Schleifmühlgasse – im straßenseitigen Entrée klein, im Souterrain groß wie eine Kunsthalle – war auch der Charakter der Galerie, die mit Namen wie Raymond Pettibon, Elizabeth Peyton oder Rudolf Stingel startete. Auf die Gestaltung des Projektraums Georg KarglBox durch den amerikanischen Künstler Richard Artschwager war der Galerist besonders stolz. Rund 140 Ausstellungen in zwanzig Jahren zeugen von der Produktivität dieser Institution, die nicht zuletzt durch ihre Gruppenausstellungen Impulse setzte.

Kargl war ein überaus kritischer Geist. Von sich selbst wie von den anderen verlangte er schonungslos stets mehr als das bisher Erreichte. Dafür bewies er auch Humor und teilte sein großes Wissen bereitwillig mit jedem, der sich ernsthaft interessierte. Im Gespräch blühte Kargl dann ebenso auf wie bei den Vernissagen von besonders aufwendigen Ausstellungen, für die er keine Kosten und Mühen scheute. Am vergangenen Dienstag ist der unermüdliche Kunst-Promotor mit 62 Jahren seiner langen Krankheit erlegen.

Quelle: F.A.Z.
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