Literatur

Arno Geiger erhält den Deutschen Buchpreis

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Der österreichische Schriftsteller Arno Geiger (37) erhält den erstmals vergebenen Deutschen Buchpreis. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Montag in Frankfurt bekannt. Geiger wird für seinen Familienroman „Es geht uns gut“ ausgezeichnet. Der Preis orientiert sich an Vorbildern wie dem englischen Man Booker Prize und dem französischen Prix Goncourt.

„Arno Geiger gelingt es, Vergänglichkeit und Augenblick, Geschichtliches und Privates, Erinnern und Vergessen in eine überzeugende Balance zu bringen“, begründete Jury-Sprecher Bodo Kirchhoff die Entscheidung. Es sei ein Roman, „der ebenso genau wie leicht vom Gewicht des Lebens spricht“. Gegen Geiger konkurrierten Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt), Thomas Lehr (42), Gert Loschütz (Dunkle Gesellschaft), Gila Lustiger (So sind wir) und Friederike Mayröcker (Und ich schüttelte einen Liebling). Geiger erhält 25.000 Euro, die fünf Finalisten jeweils 2500 Euro.

Die Geschichte eines Totalverweigerers

In der F.A.Z.-Rezension vom 17. September schrieb Kolja Mensing, Geigers Buch sei ein Roman zwischen Vergessen und Erinnerung. Arno Geiger erzähle die Geschichte eines familiären Totalverweigerers. Seit seinem Debüt „Kleine Schule des Karussellfahrens“ (1997) habe er immer wieder über Menschen geschrieben, die mehr oder weniger erfolgreich vor sich selbst davonlaufen. Darum dürfe auch der Held seines vierten Romans „Es geht uns gut“ seine „familiäre Unambitioniertheit“ mitsamt seiner Abneigung gegenüber der Vergangenheit über weite Strecken aufrechterhalten.

„Es geht uns gut“ sei ein sehr überzeugender Beweis für ebendie Literatur, die gleichzeitig vom Vergessen und von der Erinnerung erzählen kann und der es mit den Mitteln der Fiktion manchmal gelingt, ein wenig von der verloren geglaubten Zeit als Möglichkeit zurückzugewinnen (siehe auch: Geiger, Arno: Es geht uns gut).

Eine junge Begabung

Mit seinen 37 Jahren gehört Arno Geiger noch zu den jungen Literaturbegabungen in Österreich. Schon 1996 nahm der gebürtige Bregenzer am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Ein Jahr später erschien im Münchner Hanser Verlag Geigers Schelmenroman „Kleine Schule des Karussellfahrens“. Dem hat er in regelmäßigen Abständen weitere Werke folgen lassen. Sein vierter Roman, das Familienepos „Es gut uns gut“, erschien dieses Jahr ebenfalls bei Hanser.

Geiger ist in Wolfurt in Vorarlberg aufgewachsen. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck. Während der Bregenzer Festspiele verdiente Geiger sich regelmäßig im Sommer ein Zubrot als Videotechniker. Geiger, der bereits den Friedrich-Hölderlin- Förderpreis erhielt, lebt in Wolfurt und Wien.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, F.A.Z. vom 17. September
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