Australisches Arbeitsgericht

Entfreunden bei Facebook kommt Mobbing gleich

Von Julia Bähr
 - 13:02

Bisher galt es gemeinhin als größtmöglicher Facebook-Fehler, die Freundschaftsanfrage der eigenen Mutter anzunehmen. Auf Platz zwei rangiert die Anfrage des Chefs, erst an dritter Stelle kommen Kollegen, von denen man noch nicht hundertprozentig weiß, ob man sie mag. Zumindest in Australien hat das Urteil eines Arbeitsgerichts diese Reihenfolge jetzt umgedreht – denn dort fällt das Entfreunden unliebsamer Kollegen neuerdings unter Mobbing.

Achtzehn Beschwerden brachte die Angestellte eines Immobilienmaklers in der Verhandlung vor. Unter anderem beklagte sie sich, die anderen Mitarbeiter hätten die Klimaanlage verstellen dürfen, sie aber nicht. Außerdem hätte sie als einzige eine Arbeitsuniform tragen müssen, die nicht richtig saß. Die Schuldige war in ihren Augen vor allem die Ehefrau des Chefs, die selbst im Unternehmen mitarbeitete. Die genannten beiden Beschwerden wies das Gericht zwar ab. Aber eine dritte, die sich auf den ersten Blick eher albern ausnimmt, wurde anerkannt: Die Frau des Chefs sagte der Klägerin, sie sei wie ein gehässiges Schulmädchen zum Lehrer gerannt, nachdem diese sich beschwert hatte, ihre Immobilien hingen nicht im Schaufenster.

Das geringere Mobbing-Übel

Als klares Mobbing empfand das Gericht auch die Unverschämtheit, die Klägerin aus der Facebook-Freundesliste zu streichen. Dabei konnte die Beschuldigte wahrscheinlich gar nicht korrekt handeln: Nach einem Streit in der Arbeit wollte die Klägerin überprüfen, ob ihre Kontrahentin eine Statusmeldung darüber geschrieben hatte – und fand sich jäh entfreundet. Man muss also davon ausgehen, dass dies immer noch das geringere Mobbing-Übel war und der Kommentar ebenfalls vor Gericht gelandet wäre.

Was bedeutet das nun für Facebook-Nutzer? In Australien zumindest sollte, wer sicher gehen will, Freundschaftsanfragen von Kollegen konsequent ignorieren. Das ist zwar auch nicht besonders höflich, aber dafür wurde zumindest bisher noch niemand verurteilt. Und allen anderen sei die praktische Funktion empfohlen, unliebsame Kollegen in Freundeslisten zu verbannen, von denen aus sie bei entsprechender Einstellung weder Postings noch Fotos sehen und auch nichts an die Chronik schreiben können. Nicht mal Geburtstagswünsche. Am Ende wird man sonst wieder verklagt, weil man die nicht binnen vierundzwanzig Stunden liked.

Quelle: FAZ.NET
Julia Bähr
Redakteurin im Feuilleton.
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