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Bauer-Verlag stellt Groschenheft ein

„Der Landser“ am Ende

Von Michael Hanfeld
 - 17:58

Das Simon Wiesenthal Center in New York hat mit seiner Kritik an der Heftreihe „Der Landser“ Erfolg. Die seit 1957 aufgelegten Geschichten werden nicht fortgeführt. Das teilte am Freitag die Bauer Media Group mit, welche die Groschenheftreihe „Der Landser“ 1970 mit dem Erich Pabel Verlag erworben hatte.

„Im Einklang mit den Gesetzen“

In einem offenen Brief hatte das Wiesenthal Center Ende Juli beklagt, die Heftreihe verharmlose den Nationalsozialismus und dessen Verbrechen. Die Bauer Media Group wies die Vorwürfe zunächst zurück. Alle Publikationen der Verlagsgruppe stünden im Einklang mit den in Deutschland geltenden Gesetzen, man lege größten Wert darauf, dass im „Landser“ weder der Nationalsozialismus verherrlicht noch Naziverbrechen verharmlost würden. Zu diesem Ergebnis, so Bauer am Freitag, komme auch ein Gutachten, mit dem man den Strafrechtler Otmar Kury beauftragt hatte. Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien habe die Publikation in der Vergangenheit wiederholt überprüft und seit über 25 Jahren nicht beanstandet.

Gleichwohl, teilt Bauer lapidar mit, habe man „die Publikation hinsichtlich der Portfoliostrategie des Unternehmens“ bewertet und entschieden, „die Reihe nicht fortzuführen“. Eine Entscheidungshilfe könnten internationale Reaktionen auf die Initiative des Wiesenthal Centers gewesen sein. Im August hatte der britischer Bankier Bruce Fireman verkündet, er wolle die Übernahme des Rock-Senders „Absolute Radio“ durch die Bauer Media Group verhindern, weil diese die Heftreihe „Der Landser“ verlege. Fireman hatte die britische Lizenzbehörde Ofcom aufgefordert, zu prüfen, ob die Bauer Media Group überhaupt geeignet sei, in Großbritannien über Rundfunklizenzen zu verfügen.

Vermeintliche „Helden“ an Kriegsverbrechen beteiligt

Der deutsche Historiker und Journalist Stefan Klemp hatte die „Landser“-Hefte im Auftrag des Simon Wiesenthal Centers untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass sie die nationalsozialistische Vernichtungspolitik ausklammerten, Heldengeschichten von der Front im Zweiten Weltkrieg erzählten und die Legende von einer sauberen Wehrmacht förderten. Auch würden Täter heroisiert. So werde etwa der SS-Gruppenführer Hermann Fegelein als „Ritterkreuzträger der Waffen-SS“ vorgeführt, dessen Beteiligung an der Ermordung Tausender russischer Juden aber verschwiegen.

Von 29 vermeintlichen „Helden“, die in der Heftreihe auftauchten, seien 24 nachweislich an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen. Im Bundesfamilienministerium war zuletzt noch beraten worden, ob man, wie vom Wiesenthal Center gefordert, eine Überprüfung der „Landser“-Hefte einleite und dies der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zuleite. Dem kommt die Bauer Media Group mit der Einstellung von „Der Landser“ nun zuvor.

Quelle: FAZ.NET
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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