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Antennenfernsehen

Wir sehen schwarz

Von Hannah Bethke
 - 22:33
Grün angestrahlte Sendetürme in Deutschlands Metropolen künden vom neuen Programmangebot beim digitalen Antennenfernsehen. Bild: obs, F.A.S.

Neuerdings bieten alte Fernseher Anlass für Reflexionen ganz grundlegender Art. Schuld daran ist die ARD, denn sie gehört zu den Protagonisten, die den digitalen Aufstand proben. Das neue Zauberwort der digitalen Revolution heißt „DVB-T2 HD“. Auf „dem fortschrittlichsten Empfangsweg“ aller Zeiten können die Zuschauer jetzt „Gutes noch besser sehen“, erklärt die ARD auf ihrer digitalen Erklärseite zur Anleitung des digitalen Fernsehens im jetzt noch neueren digitalen Zeitalter.

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Ein Foto von urbaner Romantik mit Dachantenne vor pastellfarbenem Sonnenuntergang schmückt die „ARD-Digital“-Seite, auf der die schon begonnene Umstellung des Antennenfernsehens beworben wird. „Gestochen scharfe Bilder, mehr Farbbrillanz und beste Tonqualität“ erwarteten die Zuschauer, verspricht die ARD.

Die GEZ-Gebühren verhindern einen Ausstieg aus dem Fernsehen

Der Haken an der Sache: Mit herkömmlichen Geräten funktioniert das nicht, womit wir also wieder bei den alten Fernsehern wären, die auf bislang gewohntem Weg nun Schwarzbild produzieren. Wer Fernsehen weiterhin über Antenne empfangen will, braucht einen speziellen Receiver – oder einen neuen Fernseher. Die Bedeutung der knapp dreieinhalb Millionen Haushalte zu minimieren, die das betrifft, hieße, sich der Tyrannei der Mehrheit zu beugen – und wer will sich damit schon brüsten? Also gilt unser Augenmerk der Minderheit von dreieinhalb Millionen, die eine Lösung braucht. Ein kompletter Ausstieg aus dem Fernsehen wird durch die Reform der GEZ-Gebühren verhindert, denn welchen Sinn hat es noch, den Fernseher ganz abzuschaffen, wenn man sowieso mehr als zweihundert Euro im Jahr an die GEZ zahlen muss?

Schon schlagen private Anbieter Alarm und werben mit Angeboten fürs Kabel- und Internetfernsehen. Warum nicht gleich umsteigen, wo der herkömmliche Fernseher doch ohnehin nicht mehr funktioniert und privates Fernsehen via Antenne zusätzlich Geld kosten soll? Umständlicher als dieses H2Dplus – wie noch mal? – kann das kaum sein, wird manch einer denken und das Antennenfernsehen auf dem fortschrittlichsten Empfangsweg aller Zeiten aufgeben.

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Familienglück mit ARD-Digital und Media Markt

Wer standhaft bleibt, findet Hilfe bei „ARD-Digital“: In einem Erklärvideo mit unfreiwillig satirischen Elementen können wir dort Familie Nicolai dabei zuschauen, wie sie in trautem Familienglück auf einem dunkelgrauen Sofa vor dem Fernseher sitzt und sich Vater, Mutter und Sohn, miserabel gespielt, „erschrecken“, weil der Bildschirm plötzlich schwarz wird. Frau Nicolai nimmt das Heft in die Hand und geht zu einem „Elektronikmarkt in einer Shopping-Mall“, wie die Stimme aus dem Off erklärt.

Im Film ist klar und deutlich der Eingangsbereich von Media Markt zu sehen. Der Kundenberater mit Media-Markt-Namensschild präsentiert sich als enthusiastischer Anhänger des fortschrittlichsten Empfangsweges aller Zeiten und zeigt Frau Nicolai die DVB-T2-HD-fähigen Receiver, um dann zum Höhepunkt des unverblümten Werbegeschehens zu kommen: Wie wäre es statt eines Receivers gleich mit einem neuen Fernseher? Im Film ist ein Fernsehgerät von Sony zum Preis von 1699 Euro zu sehen. Frau Nicolai überlegt. Dann entscheidet sie sich aber doch für den Receiver, „erst einmal“, ein neuer Fernseher ist später dran – eine „hervorragende Idee“, wie der Media-Markt-Berater mit Namensschild findet, „dann steigern wir uns systematisch“.

Schon klar, wir leben in neoliberalen Zeiten, aber geht es nicht vielleicht ein kleines bisschen weniger vulgärkapitalistisch? Jeder, der sich des Themas mit Hilfe der ARD annimmt, wird geneigt sein, sich einen neuen Fernseher zu kaufen, was die ARD ja auch durchaus unterstützt. Galt in unseren angeblich umweltbewussten Zeiten nicht einmal das Gebot der Nachhaltigkeit? Und das Verbot von Schleichwerbung? Sieht so der Bildungsanspruch der öffentlich-rechtlichen Sender auf dem fortschrittlichsten Empfangsweg aller Zeiten aus? ARD – Ich bin doch nicht blöd.

Quelle: F.A.S.
Hannah Bethke
Volontärin
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