Komödie „Dennstein & Schwarz“

Da lallt der Graf

Von Oliver Jungen
 - 18:22

Wer hätte das gedacht? Dass Dieter Dödel den Titel noch einmal hergeben muss. Schließlich hat die Filmkunstperle „Didi und die Rache der Enterbten“, in der Didi Hallervordern sich durch alle sieben Hauptrollen gackert – Dieter Dödel ist der mit Ingrimm verfolgte Alleinerbe –, seinen Rang als absoluter Nullpunkt der deutschsprachigen Humorklamotte gute dreiunddreißig Jahre lang verteidigen können. Jetzt aber stößt der krachlederne ORF in Kooperation mit der gefürchteten Scherz-mit-Herz-Organisation ARD-Degeto dieses Meisterwerk jagdhorntutend vom Sockel. Das geschieht mit einer motivtechnisch (das Wort Handlung verbietet sich) ganz ähnlich gelagerten, zusätzlich aber durch die Bank miserabel gespielten Erbschaftskomödie nach einem Buch von Konstanze Breitebner.

Es geht tatsächlich restlos alles daneben in „Dennstein & Schwarz“. Man kann über die Produktion in der Regie von Michael Rowitz positiv wohl nur vermerken, dass sie gut zur neuen ARD-Modewelle bräsiger Anwalts-Lustspiele passt. Aber selbst die müde Ulkserie „Falk“ mit Fritz Karl als Buntsockendandy ist diesem Fiasko aus der Postkarten-Steiermark, in dem die bissfesten Anwältinnen Paula Dennstein (Maria Happel) und Therese Schwarz (Martina Ebm) über erbitterte Gegnerschaft zu Freundinnen zusammenwachsen, um zahlreiche Instanzen überlegen.

Der Dödel heißt hier Fritz, ist ein armer, aber aufrechter Bio-Landwirt und unvermutet Miterbe des Millionenvermögens des Adelsgeschlechts Dennstein. Der ganz wie bei Hallervorden in den ersten Minuten in Gras beißende alte Graf hat in seinem Testament nämlich der eigenen Sippschaft die Existenz eines unehelichen Sprosses mitgeteilt. Robert Finster spielt den tumben Fritz, der einst die große Liebe von Anwältin Schwarz war, durchweg verschwitzt und überkonturiert, was immerhin zur Bildgestaltung von Andrés Marder passt, der auf dem Farbsättigungsregler ausgerutscht zu sein scheint: Die knallbunte Herbstlandschaft von Altaussee wirkt wie eine Fototapete auf Koks.

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Es ist nun also die einzige Sorge derer zu Dennstein, den neuen Halbbruder des grenzdebilen, weiber-, sportwagen- und mondjagdfanatischen Stammhalters Felix (Johannes Krisch) als Erbschleicher zu denunzieren. Dazu sind ihnen alle Winkelzüge recht. Vor allem Felix‘ Ehefrau Paula wirft sich als Familienanwältin mächtig ins Zeug, kabbelt sich aber auch unablässig mit ihrer Schwiegermutter, der verschlagenen Gräfin (Krista Stadler), der nun wiederum Theresas Chef, Kanzleiinhaber Dr. Biron (Wolfram Berger), aus der Hand frisst. Beinahe hätte das Übertölpeln des Miterben funktioniert, aber dank der Rechenkünste seiner Anwältin erfährt Fritz, dass ein Drittel von hundertfünfzig Millionen gar nicht eine Million ist. „Für wie blöd hält mich die Tante?“, muss wohl als rhetorische Frage gewertet werden. Damit nicht so sehr auffällt, dass es keinerlei nachvollziehbare Konfliktdramatik gibt – anders als im Didi-Film ist schließlich kein Mord geplant –, wurde Felix und Paula noch ein kecker Sohn (Enzo Gaier) beigesellt, der sich mit Fritz und seiner schwangeren Frau (Maddalena Hirschal) anfreundet.

Man steht fassungslos vor dieser Ruine einer Komödie, wie sie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Jahre 2018 immer noch unterläuft.Die desolateste Leistung liefert Johannes Krisch als lallender Graf Treppenwitz ab, aber auch die beiden Protagonistinnen verleihen ihren einfallslos überspitzten Figuren keine einzige interessante Facette. Die Regie setzt ganz auf volkstümlichen Slapstick: Jeder Karton muss herunterpurzeln; ein Besuch auf dem Biohof muss mit einer Ladung Stroh auf dem Kopf enden; jahrzehntelang versteckte Briefe fallen im richtigen Moment aus der Wand; im Lamborghini des Stammhalters liegt selbstverständlich ein rosafarbener Büstenhalter herum: „Wem gehört der?“ So achtziger waren Filme nicht einmal in den Achtzigern.

Einige durchsichtige Verwicklungen rund um einen Gentest und ein rappeldürres Familiengeheimnis später blicken wir mit den beiden Damen über einen Alpensee in den Sonnenuntergang, und da sprechen sie eine waschechte Drohung aus: wiederzukommen. Als Gemeinschaftskanzlei und deftig lustige Serie. Hiermit legen wir förmlich Berufung ein. Und plädieren vorsorglich dafür, dass bei einer widervernünftigen Fortsetzung zumindest sämtliche Rollen von Dieter Hallervorden gespielt werden. In dubio pro Palimpalim.

Dennstein & Schwarz: Sterben macht Erben läuft heute um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.
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