„Real News“ von Donald Trump

Der Präsident, der Präsident, der hat immer recht

Von Michael Hanfeld
 - 14:46

Dass Donald Trump auf die Idee nicht schon früher gekommen ist. Wenn es überall nur „Fake News“ gibt, wie der amerikanische Präsident sagt beziehungsweise twittert, braucht es dringend einen Kanal für die Wahrheit. Und den gibt es jetzt endlich, er findet sich auf Donald Trumps Facebook-Account, unter dem wenig überraschenden Titel „Real News“.

Die „echten“ Nachrichten stammen aus dem Trump Tower in New York. Vorgetragen wird das Wort zum Sonntag von überzeugten Aktivistinnen. Den Anfang machte vor zehn Tagen Lara Trump, die Ehefrau von Trumps Sohn Eric, am vergangenen Sonntag war Kayleigh McEnany dran, die bei CNN als Expertin („pundit“) und beinharte Trumpistin Karriere gemacht hat. Sie ist jetzt erst recht in ihrem Element, kann sie doch in einer Minute und 48 Sekunden mehr positive Botschaften über den Präsidenten verbreiten, als es der Haussender Fox News vermag. Was da nicht alles im Laufe einer Woche angefallen ist: Im Juli habe es in den Vereinigten Staaten 209000 neue Jobs gegeben, seit seinem Amtsantritt habe Trump mehr als eine Million neue Stellen geschaffen, sagt Kayleigh McEnany aufgekratzt, während im Hintergrund ein grinsender Präsident mit dem Schildchen „Trump Digs Coal“ erscheint.

Sodann, die Sprecherin ist fast atemlos, habe der Präsident den „Raise Act“ unterzeichnet, der die illegale Einwanderung eindämme und so dafür sorge, dass amerikanische Arbeiter wieder ordentliche Löhne erhalten. Zu Bildern, die zeigen, wie Trump einem Vietnam-Veteranen die Medal of Honor umlegt, erfahren wir, dass Trump ein Gesetz unterzeichnet hat, das Kriegsveteranen eine bessere Gesundheitsversorgung garantiere. Dass das, wie die „Washington Post“ bemängelt, schon vor zweieinhalb Monaten geschah, erfahren die Zuschauer von „Real News“ nicht. Kayleigh McEnany erwähnt selbstverständlich auch nicht, dass in den letzten sechs Monaten der Amtszeit von Barack Obama ebenfalls mehr als eine Million neue Jobs entstanden ist, die amerikanische Wirtschaft boomt schon seit einiger Zeit.

Doch an der Kritik im Einzelnen kann man schon erkennen, dass es Donald Trump mit seinen „Real News“ den Kritikern nicht ganz so leicht macht, wie sie es gerne hätten. Denn Kayleigh McEnany lügt nicht das Blaue vom Himmel herunter, sie lässt Zusammenhänge weg und schafft welche, die fragwürdig sind. Eine solche Nachrichtenauswahl bietet nur die halbe Wahrheit, und man nennt sie gemeinhin Propaganda. Im Falle Trumps kommt sie mit einem All American Smile in Blond wie eine Seifenwerbung daher, dass es schon wieder unfreiwillig komisch ist.

„It’s the economy, stupid“, hieß es bei Bill Clinton. „It’s Trump, all about Trump“, lautet die Botschaft nun, beziehungsweise: Der Wirtschaftsaufschwung bin ich. Diesen Egotrip kennen wir schon aus dem Wahlkampf, nun wird er im Stil einer Newsshow inszeniert. Und was für eine Show das ist: Positive „Nachrichten“ bis zum Umfallen, voller Begeisterung und mit glänzenden Augen vorgetragen. Jubel, Trubel, Rekordbeschäftigung, die Börse boomt, das Leben ist ein Traum. Chaos im Weißen Haus? Keine Gesundheitspolitik, nirgends? Ein ADHS-verdächtiger Kommunikationschef kommt, bläst sich auf wie Gordon Gekko und darf gleich wieder gehen? Die Mauer zu Mexiko wird nicht gebaut? Atomraketen, die Amerika bedrohen? Nie davon gehört. It’s Time for Real News, Baby! Hasta La Vista, Lügenpresse! Die Krakeeler von CNN und MSNBC (das sind sie im übrigen wirklich) haben Sendepause!

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Von einer solchen Cheerleader-Attacke können sich Russia Today und Nordkorea noch eine Scheibe abschneiden. Wobei: Wenn man sich die großen Pläne in Erinnerung ruft, die Donald Trump angeblich für ein eigenes Fernseh-Network hatte, zumindest für den Fall, dass er die Wahl verlöre, nehmen sich diese „Real News“ recht bescheiden aus. Beim Publikum kommen sie jedoch, den Millionen Abrufen nach zu schließen, bestens an. Sie sind ja auch irre komisch. Popcornpropagandafernsehen vom Feinsten.

Quelle: F.A.Z.
Michael Hanfeld  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Hanfeld
verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.
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