Medien
ARD und Mehmet Scholl

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Von Michael Hanfeld
© pixathlon / M.I.S, F.A.Z.

Mit Ach und Krach hatten sich die ARD und Mehmet Scholl zusammengerauft. Jetzt haben sie sich mit Ach und Krach getrennt. Man habe sich darauf geeinigt, die „Zusammenarbeit ab sofort zu beenden“, teilte die ARD am Donnerstag mit. Sportkoordinator Axel Balkausky bedankte sich „für die großartige Zeit mit einem meinungsstarken, streitbaren und originellen Experten, der unsere Sendungen extrem bereichert hat“. Er habe „den Zuschauern einen tiefen Einblick in den Fußball ermöglicht und sie bestens unterhalten“.

Einen „tieferen“ Einblick“ bekommen die Zuschauer bei dieser Gelegenheit allerdings eher in die Mechanismen bei der ARD. Bei Mehmet Scholl ist nämlich das eine nicht ohne das andere zu haben – Meinungsstärke und Unterhaltsamkeit. Das machte ihn als Kommentator und Experten bei den Fußballübertragungen der ARD stets unberechenbar. Mit ihm als Gesprächspartner hatten es die auf geschmeidiges Parlando getrimmten Moderatoren nicht leicht. Er beharrte auf seinem Standpunkt, konnte urplötzlich bierernst werden und sah die Dinge häufig anders als die meisten. Aus dem zumeist geübten Schulterschluss zwischen Mikrofonhaltern, Spielern und Trainern – vor allem bei der Nationalmannschaft – scherte er aus.

Eingespieltes Team: Matthias Opdenhövel (links) und Mehmet Scholl kommentieren nicht nur bei der EM für die ARD.
© WDR/Sachs, F.A.Z.

Und er wollte sich auch nicht vorschreiben lassen, über was er zu reden hatte. Doping im Fußball zum Beispiel. Über die Recherchen des preisgekrönten Doping-Experten Hajo Seppelt vom WDR und dessen Erkenntnisse über Doping im russischen Fußball wollte Scholl beim in Russland ausgetragenen Confed Cup in diesem Sommer nicht reden und – ging. Er schwänzte zwei Sendungen. An seiner Stelle trat Thomas Hitzlsperger auf. Dass er seinen Abgang immer noch für richtig hält, unterstrich Scholl am vergangenen Sonntag in der Radiosendung „Mehmets Schollplatten“, die er beim Bayerischen Rundfunk einmal im Monat mit seinem Komoderator Achim Bogdahn macht: Er habe gesagt, die „fünf Jahre alte“ Doping-Story solle „für diesen schönen Tag draußen“ bleiben. Das Thema habe „in dem Moment überhaupt keine Relevanz“ gehabt. Ihm habe man gesagt, er dürfe sich nicht ins Programm einmischen. „Da habe ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen.“

So einfach ist das für Scholl, nicht aber für den Bayerischen Rundfunk und die ARD. Die bekam nämlich vor drei Tagen auch intern Kontra, als verkündet wurde, dass Scholl als Experte weitermache. Man schätze ihn „mit seinen Ecken und Kanten“, sagte der Sportkoordinator Balkausky noch. Zwei Tage später war es mit den Ecken und Kanten zu viel – weil nun alle von Scholls Sonntagsschuss erfahren hatten. Da schien das Vertrauen aufgebraucht.

Man muss es nicht für sinnvoll halten, dass Mehmet Scholl das Thema Doping in Russland aussparen wollte. Man musste sich auch nicht mit jeder seiner häufig eher krachledernen Einlassungen anfreunden (etwa, als er bei einem Spiel der Nationalmannschaft sarkastisch anmerkte, er habe zwischendurch Angst gehabt, dass sich Mario Gomez „wundliegen“ werde). Gleichwohl ist die Frage, ob man die Smoothie-Zeiten des Fußballs in der ARD, mit Gerhard Delling und Günter Netzer als Frotzel-Stoffel-Kommentatoren im Muppet-Modus, zurückhaben oder Experten einstellen will, von denen keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten sind. Wer Scholls Nachfolge antritt, ist noch offen. Mit der Frage werde man sich in den kommenden Wochen ganz in Ruhe beschäftigen, sagte Balkausky.

Der Vollständigkeit halber hinzufügen sollte man freilich noch, was Mehmet Scholl in seiner Radiosendung am Sonntag, in der er alte Platten auflegt und dazwischen plaudert, auch noch gesagt hat: „Doping ist das Schlimmste für den Sport, das macht den Sport auch kaputt, den Sportler kaputt, das macht die Glaubwürdigkeit kaputt. Ich habe da eine ganz klare Meinung, Doping muss ganz, ganz hart bestraft werden.“

Quelle: F.A.Z.
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