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Politikerfrauen

Die schönsten Journalistinnen von Paris

Von Jürg Altwegg
 - 11:36

“Und wie geht es der schönsten Journalistin von Paris?“ Auch bei Valérie Trierweiler hatte es Dominique Strauss-Kahn mit seiner plumpen Anmache versucht. Die Anekdote findet sich in einem Buch über DSK und seine Gattin Anne Sinclair, das zum Wochenende erschienen ist: „Les Strauss-Kahn“. Geschrieben haben es zwei Journalistinnen der Zeitung „Le Monde“, Raphaëlle Bacqué und Ariane Chemin. Ihr Befund: Der Schutz der Privatsphäre war ein Alibi, das Schweigen der Medien der wirkliche Skandal. Weder Sarkozy noch Hollande hatten an DSK als möglichen Rivalen geglaubt.

“Ich dachte, die schönste Journalistin in Paris sei Anne Sinclair“: Mit diesen Worten soll Valérie Trierweiler DSK abgewiesen haben. Sie ist zweimal geschieden und will als moderne, emanzipierte Frau auch finanziell nicht von ihrem neuen Lebenspartner abhängig sein. Während des Wahlkampfs wurde die Kulturredakteurin bei der Illustrierten „Paris Match“ kaltgestellt. Die von ihr moderierte Fernsehsendung bei „Direct 8“ konnte sie behalten. Die Beziehung geht auf die Zeit von Hollande als Parteisekretär zurück und wurde jahrelang verheimlicht: aus Rücksicht auf die politischen Ambitionen der Partei und die Ehefrau. Im Wahlkampf von 2007 trat Hollandes Gattin Ségolène Royal an, und gegen Sarkozys chaotisches Liebesleben führten beide mit erstaunlicher Perfektion das Stück der intakten Familie mit vier Kindern vor. Wie falsch die Töne klangen, haben die Medien nicht gesagt. Bei Trierweilers Arbeitgeber war der Chefredakteur entlassen worden, weil er die ehemalige Madame Sarkozy mit ihrem neuen Partner aufs Cover gebracht hatte.

Politik und Kultur?

Kurz nach der Wahl hat „Paris Match“ den Vertrag mit Valérie Trierweiler verlängert. Ihr Büro allerdings ist im Élysée, ihre Mitarbeiter werden vom Staat bezahlt. Beim Arbeitgeber darf sie nicht ins Intranet, sie ist gewissermaßen eine freie Mitarbeiterin mit fortlaufendem Gehalt. Zwei bis drei Artikel soll sie monatlich schicken. Der erste ist erschienen: Es ist die Rezension einer Biographie der Gattin von Präsident Roosevelt. Und sie beginnt so: „Eine Journalistin als First Lady ist keine Neuheit. Aber natürlich muss man nach Amerika blicken, um darin keinen Skandal auszumachen.“

Ebenso unbedarft äußerte sie sich im Rundfunk. Bei heiklen Interviewanfragen an den Präsidenten und zwischen den unterschiedlichen Medien würde sie entscheiden, gab sie bekannt. Noch bedenklicher war ihre Aussage, sie würde selbst ja nur über Kultur schreiben - was politisch unproblematisch sei. Umgehend befasste sich „Libération“ auf mehreren Seiten mit den Interessenkonflikten und warf Trierweiler vor, dem Journalismus zu schaden. Titel des Kommentars einer stellvertretenden Chefredakteurin: „Nein, Valérie Trierweiler ist nicht ,normal’.“

Sie ist eine Errungenschaft

Und könne es in der „gaullistischen Monarchie“ auch gar nicht sein. Diese hat im Medienzeitalter ein neues Traumpaar hervorgebracht: Minister und Starjournalistin, verheiratet in zweier und dritter Ehe. Sie ist eine Errungenschaft der Kaviar-Linken und DSK/Anne Sinclair wie Bernard Kouchner/Christine Ockrent ihre Pioniere. Auch bürgerliche Kabinettsmitglieder haben seither Fernsehmoderatorinnen gefreit. Im neuen Kabinett ist das Modell ebenfalls vertreten. Im Palast aber blieben die Journalistinnen bislang auf das Gerücht als mutmaßliche Geliebte beschränkt. Es kursiert seit Giscard d’Estaing. „L’Express“-Begründer Jean-Jacques Servan-Schreiber hatte die attraktivsten Redakteurinnen in kurzen Röcken zu den Politiker-Interviews geschickt. Zwischen Cecilia und Carla Bruni wurde eine Journalistin des „Figaro“ an Sarkozys Seite geortet.

Mit der wilden Ehe im Élysée werden mehrere Tabus gebrochen. Angesichts der nicht sehr eleganten Behandlung der Première Dame, der „L’Express“ schon eine Titelgeschichte gewidmet hat, entsteht der Eindruck, dass die Medien für ihr langjähriges Schweigen einen neuen Sündenbock gefunden haben. Doch abermals bleibt das komplizierte Privatleben nicht ohne diplomatische Folgen. Es entschlüsselt uns Hollandes gestörtes Verhältnis zu Angela Merkel. Deutschland ist der Bereich seines Vorgängers, des Vaters seiner Stiefkinder, der sich finanziell angeblich ungenügend an ihrem Unterhalt beteiligt. Er war Autor bei „Paris Match“. Aber eigentlich ist er Philosoph und spricht hervorragend Deutsch. Er hat Bücher von Carl Schmitt und Hans Blumenberg übersetzt. Nächstens wird er in Stuttgart einen Vortrag halten - über Heidegger. Der Titel der Veranstaltung lässt nicht auf Anspielungen über Affären und Hannah Arendt hoffen: „Die Sprache spricht - wirklich? Philosophie auf Deutsch und Französisch.“

Quelle: F.A.Z.
Jürg Altwegg
Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.
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