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„From Dusk till Dawn“

Große Explosionen machen wir selbst

Von Nina Rehfeld, Austin
 - 21:27
Ein Sprung in diesen Pool empfiehlt sich eher nicht: Madison Davenport spielt Kate Fuller, die unfreiwillige Reisebegleitung der Geckos. Bild: Netflix, F.A.Z.

Auf dem riesigen Holztisch in den Troublemaker-Filmstudios in Austin, Texas, liegen zwei Dutzend in Alufolie gewickelte Tacos neben einer Tüte Chips und einigen kleinen Bechern mit Salsa. „Bitte, greifen Sie zu, die sind ziemlich gut“, sagt Robert Rodriguez und empfiehlt einen „Yimmy“ oder einen „El Rey“. Sie stammen aus dem mexikanischen Restaurant Fresa’s. Rodriguez ist Miteigentümer. Die Tacos sind hervorragend und ziemlich scharf.

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Sie landen im „Titty Twister“

Wir sind hier, um über El Rey zu sprechen - nicht den Taco, sondern den hauseigenen Fernsehsender von Robert Rodriguez, auf dem jetzt unter anderem eine Serienversion seines Kultfilms von 1996 „From Dusk till Dawn“ läuft. Das war der filmische Durchbruch des jungen George Clooney als Bankräuber, der mit seinem gewalttätigen Bruder (Quentin Tarantino) und drei Geiseln auf der Flucht von Texas nach Mexiko ist und in einer von Vampiren bevölkerten Bar, dem „Titty Twister“, landet.

Trailer zur Serie
Trailer zur Serie: From Dusk Till Dawn

Am Fußende der langen Holztafel hängt über dem Foyer der Troublemaker-Studios das riesige Bild eines Maya-Tempels, auf dessen Spitze der „Titty Twister“ sitzt. Das war die Schlusseinstellung von „From Dusk till Dawn“, und dieses Bild, sagt Rodriguez, sei auch der Ausgang zu der Fernsehserie gewesen. „Ich weiß noch, wie ich das Bild Quentin zeigte und sagte: ,Cool, dass sie daraus eine Bar gemacht haben, das passt doch!‘ Aber ich konnte eben nur andeuten, dass es da noch eine viel weitreichendere Geschichte gab.“

Die wird nun in der Serie erzählt, die den Bogen der Geschichte um die Gecko-Brüder (DJ Cotrona und Zane Holtz in den Rollen, die einst Clooney und Tarantino spielten) weiter spannt. Sie fächert die Herkunft der Vampire im Strip-Club auf und lässt neue Allianzen zwischen den beiden Bankräubern und ihren jugendlichen Geiseln (Madison Davenport und Brandon Soo Hoo), dem Texas-Ranger auf ihren Fersen (Jesse Garcia), der Tänzerin Santánico Pandemonium (Eiza Gonzáles) und dem Drogenbaron Carlos Madrigal (Vilmer Valderrama) entstehen.

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Der elektrische Stuhl und der Beichtstuhl

Auf der Bühne im Studio 2 wird noch eingerichtet, und so serviert Rodriguez erst mal ein Mittagessen. Neben dem Eingang hängen die Polizeifotos von Clooney und Tarantino aus „From Dusk till Dawn“, darüber das Poster und eine Filmklappe. Sie sind umringt von weiteren Relikten: Kinoplakate aus John Carpenters „Escape From New York“, das japanische Filmposter von Rodriguez’ „Once Upon a Time in Mexico“, das Poster von „The Empire Strikes Back“, die Gitarre aus „El Mariachi“. „Robert dekoriert alles selbst“, sagt sein Assistent Nixon Guerrero, ein junger Mann in einem „Sin City“-Shirt. Die Deko ist nicht ohne Humor: An den Flanken der zentralen Tafeln stehen sich der hölzerne elektrischer Stuhl aus „Sin City“ und der Beichtstuhl aus „Desperado“ gegenüber.

„Troublemaker“ heißt so viel wie Unruhestifter, und mit seinem schwarzen Cowboyhut über einem Motorrad-Kopftuch, in Jeans und T-Shirt und Cowboystiefeln scheint der Mann, der eines seiner fünf Kinder Rebel und ein anderes Rogue (Einzelgänger) nannte, in die Rolle zu passen. Aber anstatt Hollywood aufzumischen, zog er sich in sein eigenes Studio zurück - auf das Gelände eines ehemaligen Flugplatzes von George W. Bush, auf dem er jetzt seit fünfzehn Jahren arbeitet. Die Troublemaker-Filmstudios, so erklärt uns Nixon Guerrero, sind komplett autark. „Wir machen alles hausintern, vom Bühnenbau über die Requisiten und Kostüme bis zu den visuellen Effekten. Wir haben hier achteinhalb Hektar Land, und große Explosionen drehen wir einfach draußen vor der Tür.“

Rodriguez ist ein Kontrollfreak. Seine Filme schreibt, inszeniert, produziert, filmt und schneidet er oft selbst. Mit El Rey (Der König) gründete er seinen eigenen Fernsehsender - weniger aus Liebe zum Fernsehen, sondern weil er unbehelligt seinen eigenen Stiefel machen will. „Ich hatte eigentlich nie Lust, Fernsehen zu machen“, sagt Rodriguez. „In der Filmwelt habe ich immer viel Kontrolle gehabt. Aber wenn man eine Serie für jemanden macht, programmieren die das vielleicht am falschen Abend, oder sie stellen es nach sechs Episoden ein. Das schien mir zu viel Arbeit für lauter ,vielleicht‘.“ Bei seinem eigenen Sender könne er sich selbst grünes Licht für Projekte geben und allein über eine weitere Staffel entscheiden. „Das schien sich zu lohnen. Das ist meins, ich habe die Kontrolle über das Marketing, den Start und all diese Dinge.“

El Rey hat denn auch Genrestücke im Programm, bei denen Rodriguez und Tarantino einst Anleihen nahmen: Serien wie „Akte X“ und „Miami Vice“, Kung-Fu-Reihen, Horrorfilme und Klassiker wie Spielbergs „Duel“ oder Scorseses „Taxi Driver“. In der Reihe „Director’s Chair“ interviewt Rodriguez Kollegen wie John Carpenter, Guillermo del Toro und - Tarantino.

Die Schwester sorgt für den Schnitt

Rodriguez wuchs als drittes von zehn Kindern mexikanisch-amerikanischer Eltern in San Antonio auf, und Troublemaker ist auch ein Familienunternehmen. Rodriguez’ Bruder Marcel ist einer der Autoren von „From Dusk till Dawn“, seine Schwestern Angela und Patricia treten in seinen Filmen auf. Mit seinem Cousin Álvaro schrieb er „Machete“, seine Schwester Rebecca schnitt „Machete“ und „Machete Kills“. Der Star dieser Filme, Danny Trejo, ist ein Cousin von Rodriguez.

Mit El Rey will er auch hispanischstämmigen Filmschaffenden ein Forum bieten. „Landesweit haben wir einen Bevölkerungsanteil von siebzehn Prozent, im Fernsehen liegt der Anteil bei etwa drei Prozent. Weil ich hier die Fäden in der Hand halte, kann ich das ändern. Das bedeutet den Leuten viel, weil sie sich sonst unsichtbar fühlen. Das sind sie aber nicht.“ Zwei Drittel seiner Mitarbeiter seien hispanischer Herkunft. Rodriguez holt gezielt junge hispanische Regisseure zu El Rey, um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich zu profilieren. „Aber wenn mir ein Drehbuch richtig gut gefällt“, sagt er grinsend, „inszeniere ich die Episoden eben selbst. Das sind ja gerade mal sieben Tage, was fange ich sonst mit meiner Zeit an?“

Auch heute steht Rodriguez selbst hinter der Kamera. Nixon Guerrero führt uns zu Bühne zwei in einem der beiden vormaligen Hangars, wo der „Titty Twister“ aufgebaut ist. Es geht vorbei an einigen Ölgemälden von Rodriguez, die den Hinweis „Bitte keine Fotos“ tragen. „Ja, Robert malt auch, und er spielt Gitarre und Klavier und Saxophon“, sagt Guerrero. Im Moment allerdings inszeniert Rodriguez eine Szene aus der zweiten Staffel von „From Dusk till Dawn“, eine Rückblende auf Santánico Pandemoniums Anfänge als Tänzerin unter der Ägide eines gewissen Malvado. Während man der Schauspielerin Eiza González eine armdicke weiße Boa Constrictor um den Hals drapiert, zieht Rodriguez einem älteren Herrn mit beigefarbenem Cowboyhut und Cowboystiefeln unter der Bügelfalte seiner Hosen einen Stuhl heran. Es ist sein Vater Cecilio, ein Jazzschlagzeuger und Kochgeschirr-Verkäufer - der Mann, der dem jungen Robert mit auf den Weg gab, die Dinge auf seine Weise zu machen. Cecilio Rodriguez nickt anerkennend, als Robert ihm auf dem Monitor einige Szenen zeigt. Dann signalisiert der Aufnahmeleiter Bereitschaft zum Dreh. „Okay“, sagt Rodriguez und blickt auf die Bühne des „Titty Twister“, wo Eiza González mit der weißen Schlange wartet. „Den letzten Teil noch einmal bitte. Action!“

From Dusk till Dawn gibt es als DVD/Bluray bei Entertainment One und als Stream auf Netflix.

Quelle: F.A.Z.
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