TV-Serie „Countdown Kopenhagen“

Acht Tage Angst

Von Matthias Hannemann
 - 20:58

Wie es um Kopenhagen bestellt ist, haben uns dänische Serien in den letzten Jahren in dunkelsten Farben ausgemalt: Kopenhagen ist der Ort, an dem während des Wahlkampfs ein totes Mädchen im Auto eines Politikers gefunden wurde. Es ist der Ort, an dem ein Afghanistan-Veteran aus einer Anstalt ausbrach und die Tochter eines Firmenerben verschwand. Es ist die Stadt, in der eine Leibwächterin mit muslimischen Wurzeln alle Hände voll zu tun hat. Es ist die Dunkelkammer, vor deren Toren ein Mörder zwei Leichenhälften auf einer Brücke ablegte. Nur einmal wurde es in dieser Stadt kurz hell, als die erste Premierministerin des Landes mit dem Fahrrad ins Büro fuhr.

Nun führt „Countdown Copenhagen“, ein achtteiliger Thriller, der in Einzelepisoden auf ZDFneo und komplett in der Mediathek zu sehen ist, in die Schächte einer Großbaustelle, die zur Erweiterung der Metro eingerichtet wurde. Und damit: unter die Straßen der Stadt. Frühmorgens kommt eine U-Bahn unter dem Platz Kongens Nytorv ruckartig zum Stehen. Drei Vermummte zücken Gewehre. Sie zwingen die Insassen auf die Gleise, treiben sie in einen Baustellenabschnitt, sperren sie ein und fordern vier Millionen Euro Lösegeld. Ob es sich um Islamisten handelt oder Gangster, ist nicht zu sagen.

Sie haben wenig zu melden, sind aber lautstark dabei

Die internationalen Medien schalten auf „Breaking News“. Sie haben wenig zu melden, sind aber lautstark dabei. So wäre das in Wirklichkeit auch. So ist das in Wirklichkeit oft. Die Nachrichtenmoderatorin Naja fleht um „irgendwas, was nicht bei Twitter steht“. Ihr Wunsch wird erhört. Die Journalistin ergreift die Chance zum Skype-Interview mit einer der Geiseln. Was ihr den Rauswurf beim Sender, einen vielgelesenen Blog und das Lob der Geiselnehmer einbringt. Dann wird Naja von Angehörigen der Geiseln kontaktiert, die sich im Schauspielhaus am Wasser versammelt haben. Sie wollen nicht warten, bis eine Spezialeinheit den Baustellentunnel gestürmt hat. Für ihre Liebsten würden sie jeden Preis zahlen. Dafür brauchen sie jemanden, der Geld für sie sammelt.

Der leere Blick der männlichen Hauptfigur, die es vom albträumenden Kriegsheimkehrer zum Leiter der „Terror Task Force“ gebracht hat, lässt indes darauf schließen, dass die Geiselnahme mit dem dänischen Einsatz in Afghanistan zu tun haben könnte. Das Thema schnitten schon die Serien „Kommissarin Lund“ und „Protectors“ an. Es wurde durch Carsten Jensens Roman „Der erste Stein“ sowie Tobias Lindholms Film „Krigen“ unlängst auch in Literatur und Kino wieder verhandelt.

In „Countdown Copenhagen“ (Drehbuch: Kasper Barfoed) kommt es nun im Umfeld der Marmorkirche zur Sprache, einem Kuppelbau, der einst von der Größe Dänemarks zeugen sollte und bei seiner Einweihung 1894 doch erheblich kleiner ausfallen musste als rund hundertfünfzig Jahre zuvor geplant. Ein Nationalmonument, das auf ganz eigene Weise zum Nachdenken über Dänemarks Platz in der Geschichte anregt. In den Baucontainern nebenan beginnt die „Task Force“ mit ihrer Arbeit.

Hier macht Johannes Lassen in der Rolle ihres Leiters Philipp zum Serienauftakt keine gute Figur. Ihm fehlt es an Präsenz, was die Synchronisation vermutlich verstärkt, und ganz ähnlich ist es mit Paprika Steen als Journalistin Naja oder den Darstellern der fünfzehn Geiseln. Sie wirken trotz der Lage wie Pendler, die im Berufsverkehr schon die unterschiedlichsten Störungen der Metro gewohnt sind. So bleibt Thriller-Unterhaltung, die unter die Haut geht, in den ersten Folgen nur ein Versprechen. Aber die Story gerät ja erst in Bewegung. Das Szenario ist wegen der von Terrorattacken geprägten Gegenwart bedrückend genug. „Countdown Copenhagen“ wäre auch nicht die erste Serie mit einem verhaltenen Start. Acht Folgen gibt es, jede Episode steht für einen Tag, stellt eine Figur näher vor. In einer solchen Zeitspanne wurden im Serienfernsehen schon ganze Welten erschaffen.

Countdown Kopenhagen, ab Freitag, 23.15 Uhr, täglich auf ZDFneo und in der Mediathek.

Quelle: F.A.Z.
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