Sky-Serie „White Famous“

Da hilft nur schwarzer Humor

Von Oliver Jungen
 - 18:05
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Das passt wie die Hand aufs Knie. Einen besseren Zeitpunkt für eine respektlose Serie über das selbstherrliche, glamourös korrupte System Hollywood kann es kaum geben. Und auch das innere Timing der apart überzeichneten Comedy „White Famous“ stimmt, ihr Backpfeifenrhythmus, der dem schnellen Beat eines Stand-up-Programms folgt. Das ist folgerichtig, schließlich steht mit Jay Pharoah ein Stand-up-Comedian im Zentrum – bislang vor allem bekannt für seine „Saturday Night Live“-Parodien von Barack Obama, Will Smith, Denzel Washington oder Eddie Murphy. Pharoah spielt einen Comedian, der gerade den Sprung in die edle Seriensphäre schafft.

Nabelschau ist freilich ein Klassiker in Hollywood. Seit die Star-Fabrik existiert, gibt es die schelmenpoetische Selbstparodie, in der der aufstrebende Held die Szene fast immer durch die Hintertür betritt. An dieser Stelle ist also wenig Originalitätsruhm zu holen, zumal jüngst Dutzende von Produktionen hinzugekommen sind, die sich explizit mit dem Aufstieg der neurotischen Comedyszene befassen, „Dice“ etwa oder „I’m Dying Up Here“. Vor allem zu nennen ist in diesem Fall Tom Kapinos’ Langzeitpersiflage „Californication“, die uns ein daueralkoholisiertes, babylonisch promiskes Harvey-Weinstein-Hollywood zeigte, über das man damals noch lachte. Die Ähnlichkeiten sind kein Zufall, denn auch hinter „White Famous“ steckt Kapinos als Erfinder und Chef am Set. Als Produzent agiert Jamie Foxx, der unter eigenem Namen einen albernen Cameo-Auftritt im Cheerleaderrock absolviert. Eine nackte Untergebene wurde ihm auch noch auf den Schoß gesetzt.

Serientrailer
„White Famous“
© Die Verwendung ist nur bei reda, Showtime

Mit dem gegenwärtigen Sexismus-Skandal hat das dennoch nur indirekt zu tun. Der sympathisch eingebildete, trotz Affären seine von Cleopatra Coleman formidabel gespielte Exfrau (samt Sohn Trevor) über alles liebende, aber zu seinem Verdruss nur noch hin und wieder in ihr Bett gelassene Floyd schläft sich zwar ebenfalls noch ein paar Stockwerke höher, aber er macht das gern und intentionslos. Eine Kleiderrolle kommt für ihn allerdings nicht in Frage, er sieht darin eine typische Hollywood-Diffamierung von Schwarzen – daran ändert für ihn auch der Rock von Jamie Foxx nichts. Demgegenüber ist es natürlich offen sexistisch, dass Frauen in „White Famous“ vor allem hübsch und nackt zu sein haben – wie ironisch das gemeint ist, mag jeder selbst entscheiden.

Den Fuß in die Tür bekommt Floyd aus einem ganz anderen Grund, wobei die Empörungs- und Entschädigungsmechanik eine sehr ähnliche ist: Die Serie belustigt sich, wie der Titel andeutet, über die längst heillos verdrehten Antirassismus-Konventionen in Amerika. Ein schmieriger Produzent hält Floyd ohne böse Absicht für einen Angestellten, redet sich aber bald schon – „Ich liebe schwarze Menschen, und Schwarze lieben mich, vor allem schwarze Frauen“ – um Kopf und Kragen: Black Wives Matter. Das alles landet im Internet und Floyd mithin im Big Business.

Ebenfalls zur Standardausstattung einer Hollywood-Komödie gehört ein überdrehter, verlogener, letztlich aber herzensguter Agent, den Utkarsh Ambudkar jedoch mit so viel Verve gibt, dass man es sich gern gefallen lässt. Auch die „Weißberühmt“-Vorgabe stammt von ihm: als Afroamerikaner dermaßen bekannt werden, dass man Hautfarbe transzendiere. Obama und Will Smith hätten es vorgemacht. Nicht ganz so kurzweilig sind die Szenen mit Floyds anderem Verbündeten, seinem unbestechlichen, pausenlos Hamburger verdrückenden Mitbewohner Ron Balls (Jacob Ming-Trent). Es geschieht dann wenig Unvorhersehbares – Kämpfe mit Regisseuren am Rande des Wahnsinns; niedlich unkorrekte Vater-Sohn-Gespräche über Comedy, Ruhm und Liebe (mit dem Aufbringen des Schulgelds glaubt Floyd, bei Sadie punkten zu können); wilde Eifersuchtsszenen (zumal Sadies neuer Schwarm ganz zufällig Floyds Filmpartner ist) –, und es spricht heute nicht mehr unbedingt für eine Serie, dass man jederzeit einsteigen und problemlos mitkommen könnte.

Dass diese ruppig-struppige Produktion trotz des angestaubten Plots, der fehlenden Figurentiefe und Dringlichkeit – es geht für Floyd arg problemfrei nach oben – recht ordentlich unterhält, liegt am bravourösen Einsatz seines charismatischen Protagonisten, der aus jeder banalen Unterhaltung eine große Oper zu machen versteht, eine Eddie-Murphy-Will-Smith-Parodie mit Sahne. Das ist in Zeiten, in denen sich das System Hollywood selbst zerlegt, fast schon nostalgisch. Als Afroamerikaner weißberühmt wird man damit aber vermutlich nicht mehr.

White Famous, dienstags, 20.15 Uhr, Sky Atlantic

Quelle: F.A.Z.
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